10.04.2017 Neue Software für die Stadt Herne

Alarmierung der Einsatzkräfte per Pager und SMS

Von: Frank Bärmann

Die Stadt Herne alarmiert Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Krisenstäbe mit einer neuen Software, Group Alarm, die sich auch in das Einsatzleitsystem einbinden lässt.

Bis Mitte 2016 wurden sämtliche Feuerwehrleute sowie die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen und Krisenstäbe in Herne durch zwei unterschiedliche Systeme alarmiert.

Die Stadt Herne zählt mit rund 160.000 Einwohnern zu den Großstädten im Ruhrgebiet. Die Berufsfeuerwehr Herne besteht aus etwa 150 hauptamtlichen Feuerwehrleuten, die Freiwillige Feuerwehr Herne hat etwa 180 Kräfte. Die haupt- und ehrenamtlichen Feuerwehrleute sorgen für die Sicherheit der Menschen und leisten jährlich weit über 20.000 Einsätze.

Bis Mitte 2016 wurden sämtliche Feuerwehrleute sowie die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen und Krisenstäbe durch zwei unterschiedliche Systeme alarmiert. „Dies galt es zu verbessern“, erklärt Martin Hauke, der bei der Herner Feuerwehr für die Nachrichtentechnik und die Technik der Leitstelle zuständig ist. „Verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Alarmierungssystem benachrichtigen zu müssen, war nicht optimal. Die beiden genutzten Systeme hatten zudem einige Unzulänglichkeiten, z. B. eine Begrenzung bei den Nutzerzahlen und keine Funktion für die Verwaltung von Vertreterrollen. In einem Arbeitskreis haben wir nach einem neuen System gesucht, das all unseren Anforderungen entspricht.“

Eine Alarmlösung für alle


Wichtigstes Kriterium im Pflichtenheft war, dass alle Personengruppen bis hinunter zu einzelnen Personen mit einem System alarmiert werden können. Das neue System sollte hierarchische Gliederung und die Bildung von Alarmierungsszenarien und -vorlagen möglich machen. Nach einer Marktsondierung nahm Hauke Kontakt zum Aachener Anbieter Cubos Internet GmbH auf und schaute sich dessen Alarmserver Group Alarm auf der Fachmesse Interschutz 2015 an.

Nach kurzer Projektumsetzungsphase wurde Group Alarm in der „Pro Version“ im Sommer 2016 live geschaltet. Heute werden über 700 Personen, Feuerwehrleute, Mitarbeiter der angebundenen Hilfsorganisationen wie THW, DRK, Malteser-Hilfsdienst und ASB sowie Mitarbeiter der Verwaltung mit dem System alarmiert.

Martin Hauke ist für die Administration des Systems zuständig. „Wir haben hier in Herne eine sehr komplexe Struktur von Feuerwehren, Rettungsdiensten und weiteren Kräften. In der Einführungsphase habe ich die Berufsfeuerwehr mit 22 Hauptgruppen, die freiwillige Feuerwehr mit zwölf Hauptgruppen, die Hilfsorganisationen mit sechs Hauptgruppen, die verschiedenen Krisenstäbe mit vier Hauptgruppen sowie die Verwaltung mit drei Hauptgruppen und viele Untergruppen in der Software abgebildet“, so Hauke. Die Stammdaten mit den persönlichen Telefonnummern der einzelnen Mitarbeiter werden dezentral in jeder Abteilung gepflegt. Wichtig ist Hauke, dass die verantwortlichen Mitarbeiter einer bestimmten Abteilung mit einem Zugang zur Software dank des Rechtesystems keinen Zugriff auf die Daten anderer Abteilung haben.

Eine seiner Aufgaben besteht heute in der Erstellung und Pflege sogenannter Alarmvorlagen. „Je nachdem, welche Art von Not- oder Krisenfall eintritt, müssen aus verschiedenen Abteilungen und Gruppen bestimmte Personengruppen oder Personen alarmiert werden. So könnte es eine Vorlage geben, in der die gesamte freiwillige Feuerwehr und zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr alarmiert werden.“

Ein anderes Szenario sieht vor, dass zusätzliche Leitstellendisponenten, Sonderdienste und die entsprechenden Stellen in der Herner Verwaltung informiert werden, beispielsweise der Oberbürgermeister, die Pressestelle, die Ordnungsbehörde oder das Gebäudemanagement. „Bei den Hilfsorganisationen alarmieren wir meist organisationsübergreifend nur sämtliche Fachberater. Nimmt einer von ihnen den Alarm an, so bekommen alle anderen Fachberater die Information, dass dieser angenommen wurde. Ich kann über die Vorlagen undenkbar viele Mischungen aus Personen, Gruppen und Abteilungen zusammenfügen“, so Hauke. Eine Arbeitserleichterung ist zudem, dass im System hinterlegte Dienstpläne und Zeitsteuerungen automatisch einbezogen werden. Das System erkennt dadurch, welche Personen zu welchem Zeitpunkt Dienst haben und schnell hinzugezogen werden können.

Die Alarmierung der Einsatzkräfte erfolgt in Herne wie in fast allen Städten und Gemeinden über ein Einsatzleitsystem. Hier werden die Kräfte üblicherweise über den Digitalalarm (Pager) kontaktiert. Die Alarmierung aus Group Alarm heraus erfolgt bei der Stadt Herne zunächst nur über SMS. Theoretisch könnte das System auch andere Kanäle wie Anruf, Fax oder E-Mail nutzen. „Gerade junge Leute wollen den Pager nicht mehr nutzen, haben aber permanent ihr Smartphone dabei. So haben sich bei uns eigene Whatsapp-Gruppen gebildet, über die sich die Einsatzkräfte untereinander informieren. Das ist in vielerlei Hinsicht suboptimal. Vor allem aber bekommt die Einsatzleitstelle keine direkte Rückantwort von den Betroffenen. Deshalb haben wir die neue Alarmierungs-Software an das Einsatzleitsystem gekoppelt“, erklärt Martin Hauke. Kommt ein Notruf in der Einsatzleitstelle an, löst der Disponent in der Einsatzleit-Software den Alarm für eine bestimmte Gruppe, z.B. für einen bestimmten Löschzug der freiwilligen Feuerwehr. Parallel wird aus dem System heraus eine definierte Vorlage angestoßen, die weitere Gruppen und Personen per SMS alarmiert. In dieser Kombination ist es möglich, beide Alarmierungswege parallel oder mit „Entweder-oder“-Szenarien zu betreiben. Und sollte das Einsatzleitsystem einmal ausfallen, könnte man auch alle Personen alarmieren, sozusagen als Rückversicherung.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die alarmierten Einsatzkräfte können dann auf dem Pager oder Smartphone per SMS mit „Ja/Nein“ antworten, sodass der Disponent in der Leitstelle und die Einsatzleiter in den Feuerwehren eine Kräfteübersicht erhalten. „Die schnellen ,Ja/Nein-Antworten‘-Berichte sind praktisch. Wir haben das System so eingestellt, dass alle 180 Sekunden eine neue Kräfteübersicht per E-Mail bei mir eingeht. Die Intervalle sind auch kürzer einstellbar“, berichtet Hauke abschließend.


Die Stadt Herne ...
... liegt in Nordrhein-Westfalen und zählt mit rund 160.000 Einwohnern zu den Großstädten im Ruhrgebiet. Sehenswert ist u.a. das Wasserschloss Strünkede, das als Wahrzeichen der Stadt gilt. Zudem lebt die Historie als Bergbaustadt in einigen erhaltenen Fördertürmen fort.


Bildquelle: Stadt Herne

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