Wer zum Thema IT-Outsourcing googelt, liest die wiederkehrende Botschaft: „Der Durchbruch im IT-Outsourcing steht unmittelbar bevor!“ Die Zeit scheint ewig reif und dennoch arbeiten die wenigsten Unternehmen mit einer komplett ausgelagerten IT. Dabei sprechen viele Argumente dafür, dies zu tun: Neben der oft zitierten Kostentransparenz reduziert Outsourcing die operativen IT-Risiken. Die nachhaltige Entlastung der IT- und Organisationsverantwortlichen von operativen Aufgaben wertet zudem die IT-Abteilung auf. Als interner Berater und Partner des Business können sie sich darauf konzentrieren, dass fachliche Anforderungen technisch optimal umgesetzt und die IT am Nutzen für das Business ausgerichtet wird. Diese Vorteile lassen sich nur erzielen, wenn beim Outsourcing beide Partner an einem Strang ziehen. Wobei das Spannungsfeld durchaus groß ist, in dem sich beide Partner bewegen. Bereits bei der Einführung einer Standardlösung, mit der ein Outsourcing-Anbieter IT wirtschaftlich betreiben kann, werden unterschiedliche Interessenlagen offensichtlich. Während die IT so viel Standard wie möglich wünscht, sucht das Business oft größtmögliche Individualität. Einfache Lösungsansätze scheint es nicht zu geben. So wurde jüngst das Outsourcing auf Basis service-orientierter Cloud-Computing-Strukturen wieder von der Liste der Outsourcing-Trends genommen. Unklare Cloud-Governances stehen nach Ansicht von Analysten einem Durchbruch im Markt entgegen. Erfolgreich hingegen sind Projekte, in denen sich beide Parteien einer gemeinsamen Sourcing-Strategie verpflichtet fühlen.
Mit der Arbeitsteilung zwischen IT und Business haben Sparkassen in Deutschland langjährige Erfahrung: In Zeiten, als Unternehmen und IT-Konzerne IT-Outsourcing als Königsweg entdeckten, waren in der Sparkassen-Finanzgruppe Business und IT längst organisatorisch getrennt. Während die ersten Outsourcing-Projekte im Konzernumfeld auf strukturelle und technische Hindernisse stießen, wurde in der Sparkassen-Finanzgruppe eines der größten IT-Migrationsprojekte in der europäischen Bankengeschichte umgesetzt: Zwischen 2002 und 2011 wurden Sparkassen auf die standardisierte und flexible Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus) migriert. Sie gehen konsequent weiter auf dem gesicherten Weg, ihre IT vollständig bei ihrem IT-Dienstleister zu konsolidieren.
Möglich ist dies durch eine auf Langfristigkeit angelegte IT-Strategie, bei der die Finanz Informatik als IT-Dienstleister die Aufgabe hat, mit einem marktgerechten Portfolio zu überzeugen. Haben sie sich über Gremien grundsätzlich oder in direkter Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister entschieden, den Weg gemeinsam zu gehen, sind Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar definiert. In einem weitgehend standardisierten Verfahren übernimmt der Anbieter die Verantwortung für dezentrale Server, Clients, das Sekundärnetz sowie die komplexe Peripherie an Selbstbedienungsgeräten. Der Betrieb dieser Infrastruktur bindet rund 45 Prozent des gesamten IT-Budgets.
Mit der Migration auf das Gesamtbanksystem OSPlus haben Sparkassen bereits den Kern ihrer IT auf standardisierte Strukturen umgestellt. Im Zuge der Vorbereitung haben sich die Institute mit einer Bestandsaufnahme ihrer IT-Infrastruktur, der Verschlankung ihrer Prozesse und mit ihrem Produktportfolio befasst. Viele Sparkassen haben im Anschluss an die OSPlus-Migration entschieden, weitere Teile ihrer verbliebenen IT zu konsolidieren. Der Dientsleister übernimmt die dezentrale IT im Rahmen des Full-Service-Angebotes ITservicescomfort. Es ermöglicht Instituten, nach einem individuellen Konzept die IT teilweise oder komplett zu übertragen.
Um die IT-Verantwortung in strukturierter Weise auszulagern, wird zwischen Sparkasse und IT-Dienstleister ein Zielbild definiert. In diesem werden der Leistungsbedarf und eine verbindliche Preisindikation festgeschrieben. Auf dieser Grundlage erfolgt die Konsolidierung entlang eines strukturierten Migrationspfades, für den der Dienstleister die Verantwortung trägt.
Aktuell betreibt die Finanz Informatik für 282 Sparkassen die dezentrale Client/Serverinfrastruktur. Dazu bildet sie die 8.340 dezentralen Server virtuell auf Terminalservern ab und übernimmt den Service für 132.000 Clients. Die Erfahrungen zeigen, dass IT- und Organisationsverantwortliche davon profitieren, mit der richtigen Sourcing-Strategie die Verantwortung für den IT-Betrieb zu übergeben. Sie erhalten volle Kostentransparenz und entledigen sich ihrer operativen IT-Risiken. Sie nehmen ihre Rolle als Berater bei der Umsetzung fachlicher und technischer Anforderungen wahr und werden zu Managern der Infrastrukturen.
Bildquelle: Finanz Informatik