In der Folge verstärken Contracting-Spezialisten, Energieversorger, Ingenieurbüros und Beratungen ihre Teams. Etablierte Unternehmen, beispielsweise Stadtwerke, bauen diese Kompetenz auf, um von dem starken Wachstum zu profitieren, zusätzlich strömen viele Start-ups in dieses Marktsegment. Damit im Sinne des Energie- und Stromsteuergesetzes Ressourcen geschont werden, sollten die Unternehmen bei der Suche und Auswahl ihrer Mitarbeiter besondere Sorgfalt walten lassen: Seit Anfang 2011 hat das so genannte Schein-Contracting dank einer Gesetzesnovelle zwar ein Ende gefunden, es sind aber immer noch viele schwarze Schafe im Markt unterwegs. Nur wenn sie diese gezielt herausfiltern, können sie ein wirklich kompetentes Team aus Fach- und Führungskräften zusammenstellen.
Viele Unternehmen, die in der Vergangenheit bereits auf einen Teilbereich in der Energiewirtschaft spezialisiert waren und jetzt in die Contracting-Branche einsteigen, setzen dafür Mitarbeiter aus der bestehenden Belegschaft ein. Diese bringen einen beträchtlichen Erfahrungsschatz mit. Anspruch der Contracting-Idee ist es jedoch vor allem, zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energien beizutragen, also auch neue Technologien einzusetzen. Die Mitarbeiter sollten darum bereit sein, sich kontinuierlich fachlich weiterzuentwickeln und neuen Konzepten aufgeschlossen gegenüberzustehen. Wer heute glaubt, eine alte Ölheizung sei selbstverständlich durch eine Pelletsheizung oder ein Blockheizkraftwerk abzulösen, der springt zu kurz. Den Schaden hat letzten Endes der Auftraggeber. Oft kann auch eine neue Führungskraft frischen Wind in das Unternehmen bringen und solchen rückständigen Entscheidungen entgegenwirken – die Einsicht des Unternehmens vorausgesetzt.
Was für Bewerber mit veralteten Fachkenntnissen gilt, ist ebenso problematisch bei Kandidaten, die nur im Produktuniversum eines bestimmten Herstellers beraten. Agieren sie auch bei unterschiedlichen Fallstudien immer nach Schema F und bieten ihre Standardlösung an, so ist damit zu rechnen, dass sie über wenig Erfahrung verfügen und letztlich auch nur geringes Interesse daran haben, das ökologische und ökonomische Potential der Energieeffizienz vollständig auszuschöpfen. Wirklich gute Planer sollten in der Lage sein, herstellerneutral innovative Lösungen zu entwerfen.
Um den Energieverbrauch nachhaltig zu verringern und die Nutzung der Primärenergie zu maximieren, reicht es nicht, lediglich einzelne Aspekte bei der Energienutzung zu berücksichtigen. Hier kommt es im Wesentlichen darauf an, ein ganzheitliches Konzept zu entwerfen und dafür alle Prozesse, die Energie erzeugen oder verbrauchen, in die Analyse einzubeziehen. Ein Krankenhaus beispielsweise spart künftig sicherlich bereits Kosten, wenn die Heizungsanlage modernisiert wird. Noch effektiver ist es jedoch, neben dem Bedarf für Heizung und Elektrizität andere energieträchtige Prozesse wie etwa Klimatisierung, Warmwasser- und Dampferzeugung für die Wäscherei mit einzubeziehen und auf Synergieeffekte zu setzen. Dazu kommen noch besondere Vorkehrungen für die Sicherstellung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV).
Um alle energierelevanten Faktoren erkennen und analysieren zu können und um ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Konzepte auszuarbeiten, muss der Contracting-Spezialist also über die notwendige technische Fachkompetenz verfügen und darüber hinaus auch die aktuellen gesetzlichen Rahmenbestimmungen im Energie- und Steuerbereich kennen. Bei der Auswahl von Mitarbeitern sind Unternehmen daher gut beraten, sich die Referenzen ihrer Bewerber genauer anzusehen.
Die dynamische Entwicklung der Branche sowie der sich weiter verschärfende Mangel an Ingenieuren bei gleichzeitig steigendem Bedarf stellen die Energiebranche vor große Herausforderungen. Das Marktforschungsinstitut Trend:research prognostiziert, dass der Personalbedarf allein im Kraftwerksmarkt bis 2020 auf 80.000 Mitarbeiter ansteigt. Entsprechend haben Energie-Unternehmen alle Hände voll zu tun, Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen und in aufwendigen Bewerbungsverfahren „die Spreu vom Weizen“ zu trennen.
Erfahrene Rekrutierungsexperten können ihnen dabei helfen. Hier können Unternehmen etwa mit Personalberatungen zusammenarbeiten, die sich auf die Energie- und Versorgungsbranche spezialisiert haben. Sie verfügen über die notwendige Kompetenz und die Möglichkeiten, um den Markt systematisch nach potenziellen Kandidaten zu durchsuchen. Darüber hinaus können die Rahmenbedingungen und die Perspektiven der angebotenen Position durch eine professionelle Direktansprache viel wirkungsvoller vermittelt werden als über eine Stellenausschreibung. Die Vorauswahl geeigneter Bewerber entlastet die Unternehmen zusätzlich und beschleunigt den Einstellungsprozess.
Dabei können die Personalberater u.a. prüfen, ob Vertriebs- und Planungsingenieure über die erforderliche breite, technologische Erfahrung verfügen und in der Lage sind, die komplexen Zusammenhänge zu erkennen und zu bewerten. Bei Bewerbern, die noch nicht über ausreichendes, technisches Wissen verfügen, achten sie darauf, dass die Voraussetzungen und die Bereitschaft gegeben sind, sich in die Thematik effektiv einzuarbeiten. Auf diese Weise können Unternehmen Zeit und Kosten, beispielsweise für die Einarbeitung ungeeigneter Bewerber, sparen und stattdessen Fach- und Führungskräfte finden, die ihre Position im Markt als kompetenter Ansprechpartner für Energieeffizienz und erneuerbare Energien nachhaltig stärken.
* Der Autor, Thomas Hoppe, ist Bereichsleiter Energie- und Versorgungswirtschaft bei der Hager Unternehmensberatung
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