„Insourcing wird zukünftig keine maßgebliche Rolle spielen – der Outsourcing-Markt wird weiter wachsen“, bemerkt Bernd Schäfer, Leiter des Outsourcing-Geschäfts für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Accenture.
IT-DIRECTOR: Herr Schäfer, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Großunternehmen an „unternehmensinternem Outsourcing“/Insourcing?
B. Schäfer: Wir sehen keine große Bewegung zum Insourcing. Mir persönlich ist nur der Fall GM/Opel – HP/EDS bekannt, der eine der ersten großen Outsourcing-Transaktionen überhaupt war. Daraus jedoch eine Tendenz im Markt abzuleiten, halte ich für gewagt. Die Analysten prognostizieren einen weiter wachsenden Outsourcing-Markt – und diese Vorhersage deckt sich mit den Erfahrungen, die wir in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden machen.
IT-DIRECTOR: Vor welchem Hintergrund entscheiden sich die Firmen, die entsprechenden Aufgaben beispielsweise an ein eigenes Tochterunternehmen zu vergeben oder gar extra ein neues Unternehmen für diese Aufgaben zu gründen?
B. Schäfer: Vor der Entscheidung, ob Unternehmen Aufgaben auslagern, müssen sie u.a. die folgenden Fragen beantworten: Ist die Aufgabe von strategischer Bedeutung für das Unternehmen? Handelt es sich um eine Kernkompetenz? Ist die interne Leistungserbringung wettbewerbsfähig in puncto Güte und Preis? Kann die Wettbewerbsfähigkeit langfristig intern aufrechterhalten werden?
IT-Tochtergesellschaften wurden in den vergangenen Jahren kaum noch gegründet – außer als temporäre, projektbezogene Einrichtungen. Ursprünglich hatten sich Unternehmen erhofft, über ihre IT-Töchter Drittgeschäft generieren zu können. Doch das ist den allerwenigsten IT-Töchtern gelungen.
IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Neugründung einer IT-Tochter verbunden?
B. Schäfer: Der Aufwand ist vermutlich vergleichsweise gering und sicher nicht ausschlaggebend für die Entscheidung, ein IT-Tochterunternehmen zu gründen.
IT-DIRECTOR: Wie gestalten sich die Verträge zwischen Mutter und Tochter beispielsweise hinsichtlich Vertragslänge und Leistungsverrechnung?
B. Schäfer: Sie sollten sich genauso gestalten wie die Verträge mit externen Dienstleistern.
IT-DIRECTOR: Sind die Tochterfirmen normalerweise ausschließlich für das unternehmensinterne Outsourcing verantwortlich oder können sie ihre Dienste auch anderen Firmen anbieten?
B. Schäfer: Die Idee, externe Kunden gewinnen zu können, war vermutlich die größte Motivation bei der Gründung von IT-Tochterunternehmen. Tatsächlich geschafft haben das allerdings nur wenige IT-Töchter – und dann auch nur als regionale Player: z.B. die Swisscom in der Schweiz, T-Systems in Deutschland oder Raiffeisen-Informatik in Österreich.
IT-DIRECTOR: Wo sitzen die IT-Tochter-Firmen in der Regel?
B. Schäfer: In der Regel sind sie um die Ecke oder im gleichen Gebäude untergebracht.
IT-DIRECTOR: Welche Nachteile und Probleme bringt unternehmensinternes Outsourcing mit sich?
B. Schäfer: Internes Outsourcing bietet nicht die Skaleneffekte großer Anbieter. Zudem können Unternehmen nicht vom Know-how und der Erfahrung der spezialisierten Anbieter bei der Leistungserbringung profitieren – und vor allem nicht von deren Innovationskraft.
IT-DIRECTOR: In welchen Fällen sollten sich Großunternehmen einen externen Outsourcing-Dienstleister suchen?
B. Schäfer: In fast allen Fällen lohnt es sich, einen externen Servicedienstleister zu suchen. Den richtigen Sourcing-Mix muss jedes Unternehmen für sich selbst finden. Auch auf das Fine-Tuning kommt es an: Das Outsourcing eines Rechenzentrums heißt nicht zwingenderweise, dass die interne IT nur noch für das Supplier- und Servicemanagement da ist. Sie kann beispielsweise Aufgaben und Projekte übernehmen, die strategisch wichtig für ein Unternehmen sind, während die anderen Aufgaben ausgelagert werden.
IT-DIRECTOR: Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Interesse der Großunternehmen an Insourcing zukünftig wandeln?
B. Schäfer: Insourcing wird zukünftig keine maßgebliche Rolle spielen – der Outsourcing-Markt wird weiter wachsen. Kunden suchen im Outsourcing eine gute Leistung zu einem marktgerechten Preis von einem fairen, innovativen Anbieter. Globale Spezialisten sind bei vielen Services besser positioniert: Sie verfügen über das nötige Wissen und die Technologie, um diese Services langfristig wirtschaftlich zu erbringen.