23.05.2013 Heimlich genutzte Clouddienste

Aus reiner Verzweiflung beliebt

Von: Ingo Steinhaus

Geht nicht, gibt’s nicht, denken sich die Mitarbeiter und kaufen selber IT-Leistungen ein. Und schon entsteht eine unsichere Schatten-IT.

Clouddienste wie Mindmeister, Evernote oder Workflowy sind vorzügliche Helfer im Beruf. Sie sind auf dem Desktop-PC, dem Notebook, einem Tablett und dem Smartphone verfügbar. Die Software ist schlank und unkompliziert zu bedienen. Die Funktionen sind genau das, was die meisten Leute wirklich brauchen.

Solche Dienste haben nur ein einziges Problem: Die Corporate-IT verbietet sie meist. Das macht aber nichts, werden sie halt heimlich benutzt. Meist wird das sogar von den Fachbereichen in den Unternehmen geduldet oder sogar vorangetrieben.

Laut einer von VMware in Auftrag gegebenen europaweiten Studie unter 1.500 IT-Mitarbeitern und 3.000 anderen Angestellten werden in jedem größeren Unternehmen gut 1,6 Millionen Euro pro Jahr für nicht genehmigte Cloud-Dienste ausgegeben.

Die IT-Organisationen haben sich mit dieser Situation abgefunden. Sie erkennen sogar die Vorteile: Dadurch würden Innovationen gefördert, schnelleres und effizienteres Arbeiten ermöglicht und Wettbewerbsvorteile erzielt. 80 Prozent der befragten IT-Entscheider in Deutschland sehen die Clouddienste als Vorteil.

Auch von den Fachbereichen wird die Cloud als eindeutige Hilfe bei der Arbeit gesehen. Sie kritisieren allerdings die IT-Abteilungen: Sie würden leider oftmals zu spät oder zu langsam reagieren, so dass sich viele Fachbereiche inzwischen selbst am offenen IT-Markt bedienen.

Laut einer Umfrage von Nasuni nutzt jeder fünfte der 1.300 befragten Arbeitnehmer Dropbox, um seine Daten zu synchronisieren oder zu teilen. Die Hälfte der Befragten brechen dabei sogar bewusst die Regel, private Storage-Lösungen nicht nutzen zu dürfen.

Dadurch entsteht eine "Schatten-IT", also die Nutzung von IT-Ressourcen ohne Kenntnis der IT-Abteilungen. Das ist nicht neu, denn schon immer wurde privat angeschaffte Software illegal auf geschäftliche Desktop-PC kopiert. Doch durch Clouddienste und Mobilgeräte hat sich das Problem verschärft.

"In der Regel entsteht eine Schatten-IT nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus reiner Verzweiflung", meint Cloud Computing-Experte René Büst. Der häufigste Grund: "IT-Abteilungen hängen den Anforderungen der Fachabteilungen technologisch hinterher."

Es ist offensichtlich so, dass der Wandel der IT-Welt inzwischen sogar die eigentlichen IT-Experten überrollt. Angesichts der aktuellen Trend Cloud Computing und “Bring Your Own Device” (BYOD) können IT-Organisationen mit ihren bisherigen Betriebsmodellen nicht mithalten, sagt Martin Andenmatten, Experte für IT-Servicemanagement.

“Es sind daher auch in Zukunft IT-Manager und CIOs nötig – aber wohl mit einem völlig anderen Skillset.” Andenmatten beschreibt den zukünftigen IT-Manager als Experten mit den folgenden Fähigkeiten: Er kann Geschäftsziele auf die IT übertragen, die IT als Service ganzheitlich managen, externe Partner aktiv steuern und Geschäftsprozesse mit innovativen Lösungen unterstützen.

“Es geht weniger um die Führung von technischen Betriebsorganisationen, sondern viel mehr um Kenntnisse in der Unternehmensbranche, im Bereich Betriebswirtschaft, Vertragsmanagement und Aufbau von Unternehmensarchitekturen.” Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Jörg Hesske, Country Manager VMware Deutschland: “Die IT-Abteilungen sind an einem Wendepunkt angelangt.”

Für ihn müssen sie sich der Herausforderung stellen, den Mitarbeitern die benötigte Flexibilität zu bieten, ohne dass die Kontrolle zu verlieren oder Sicherheitslücken zu riskieren. “Über die Vorteile bestimmter Cloud-Angebote sind sich IT-Professionals und Büroangestellte generell einig. Was jetzt wichtig ist, ist ein intensiver Dialog zwischen den Abteilungen.”

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