Stephan Göppert, Genpact

„Backsourcing bedeutet immer eine Herausforderung”

Interview mit Stephan Göppert, Vice President Germany bei Genpact Limited, über die Möglichkeiten einer Source-to-pay-Lösung und was Unternehmen bei einem Backsourcing beachten sollten

Stephan Göppert, Genpact

Stephan Göppert, Vice ­President Germany bei ­Genpact Limited

IT-DIRECTOR: Herr Göppert, wie nehmen Sie das derzeitige Interesse von Großunternehmen an Outsourcing-Projekten wahr?
S. Göppert:
Das Interesse herrscht nicht nur ausschließlich vonseiten der Großunternehmen, sondern auch vermehrt bei ­Mittelständlern. Hier sehen wir noch viel ungenutztes Potential. Aber natürlich steigt mit der Komplexität eines Unternehmens auch der Bedarf an Restrukturierungen, und auch der allgemeine Ruf nach weltweiter Unterstützung wird immer lauter.

IT-DIRECTOR: Was könnten für die Anwender nach wie vor Hemmschwellen sein, unternehmenseigene Daten oder Infrastruktur an einen externen Dienstleister auszulagern?
S. Göppert:
Natürlich sind Zuverlässigkeit und Datensicherheit die wichtigsten Faktoren bei der Auswahl des Dienstleisters, gerade in Zeiten von kritischen Datenmengen. Deshalb ist es absolut notwendig, dass alle Outsourcing-Prozesse für den Anwender transparent sind. Diese Transparenz muss auch die Analyse und die Entwicklung von Optimierungsmaßnahmen betreffen.

IT-DIRECTOR: Welche Branchen und Regionen sind typische „Hot Areas“ des Outsourcings und warum?
S. Göppert:
Typisch sind insbesondere sich verändernde Branchen, z.B. Hightech, Konsumgüter und Handel, aber auch der Bankenmarkt, der sich durch die verschärften Regularien im Umbruch befindet. Diese Industrien können sich mit Hilfe von Outsourcing-Maßnahmen an die veränderten Marktbedingungen anpassen und sich wieder verstärkt auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Aus europäischer Sicht liegen die am stärksten wachsenden Outsourcing-Zentren offshore, d.h. beispielsweise in Südostasien. Aber auch der Anteil an Nearshore-Aktivitäten, z.B. in Osteuropa, wächst weiterhin kontinuierlich.

IT-DIRECTOR: In Zusammenarbeit mit Procurian stellen Sie für den Mehrspartenversicherer Zurich Insurance Company Ltd eine umfassende Source-to-pay-Lösung bereit. Wie kam es zu diesem Projekt?
S. Göppert:
Die Zurich Insurance Group hatte sich ihren Aktionären gegenüber zu operativen Einsparungen in Höhe 500 Mio. US-Dollar bis Ende des Jahres 2013 verpflichtet. Um diese Zielvorgabe zu erreichen, wurden verschiedene Unternehmensbereiche nach Einsparungsmöglichkeiten hin untersucht und schließlich der Prozess Source to pay identifiziert.

IT-DIRECTOR: Welche Kriterien mussten Sie als Service-Anbieter erfüllen, dass sich das Versicherungsunternehmen für Sie entschieden hat?
S. Göppert:
Entscheidend waren in erster Linie unsere Leistungen und Expertise in der Optimierung und dem Management von Source-to-pay-Prozessen. Wir konnten zahlreiche Projekte vorstellen, die unseren Kunden bereits in der Vergangenheit zu effektiven Einsparungen verholfen haben. Mit der Genpact-Smart-Enterprise-Processes-Methode (SEP) konnten wir uns von unseren Mitbewerbern abgrenzen. Basierend auf dieser Methode haben wir einen logischen und effizienten Transformationsplan für die Zurich Insurance entworfen, der zu einer Entscheidung zu unseren Gunsten führte.

IT-DIRECTOR: Was genau verbirgt sich hinter einer Source-to-pay-Lösung?
S. Göppert:
Dabei handelt es sich um eine Lösung zur umfänglichen Prozessoptimierung in der Beschaffung angefangen von dem strategischen Einkauf über das Management verschiedenster indirekter Einkaufskategorien, dem taktischen Einkauf bis hin zur Abwicklung der Kreditorenbuchhaltung. Im Falle von Zurich Insurance erstreckt sich dieser Leistungsumfang über Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile kann der Anwender aus der Lösung ziehen?
S. Göppert:
Die Analyse und Optimierung der gesamten Leistungskette des Beschaffungsprozesses macht ihn nicht nur effizienter, sondern auch planbarer und kostengünstiger. Damit stellt sich das Unternehmen langfristig effektiver auf. Unsere langjährige Expertise in der Beschaffung und der Anwendung von Lean- und Six-Sigma-Methoden hilft unseren Kunden, ihre Prozesse nachhaltig zu verbessern und damit ihre Position am Markt zu stärken.

IT-DIRECTOR: Welche Hindernisse mussten bei Einführung der Lösung überwunden werden?
S. Göppert:
Schon vor Projektbeginn haben wir uns auf Herausforderungen im Change Management eingestellt. Aus diesem Grund haben wir eine stabile Struktur aus unterschiedlichen Kompetenzzentren aufgebaut, in denen sich die wichtigsten Akteure und die Anwender der Dienstleistungen gemeinsam für die Harmonisierung ihrer globalen Prozesse engagierten. Das übergeordnete Ziel war das Erreichen der angekündigten Kosteneinsparungen und die Umsetzung einer standardisierten Source-to-pay-IT-Plattform.

IT-DIRECTOR: Ist ein Backsourcing pro-blemlos möglich, sobald sich ein Anwender entscheidet, seine ausgelagerten Daten wieder zurückzuholen bzw. Infrastruktur wieder selbst zu betreiben? Worauf sollte ein Anwender hierbei achten?
S. Göppert:
Backsourcing bedeutet für die Anwender immer eine Herausforderung, da die zurückgeholten Prozesse erneut tief in die Unternehmensstruktur integriert werden müssen. Anpassungen sind beispielsweise beim Personal, in der IT oder bei Dienstleistungen vorzunehmen. Natürlich gibt es Fälle im Markt, in denen ein Backsourcing erfolgreich durchgeführt wurde. Die Unternehmen sollten sich aber bereits in der Definitionsphase einer Dienstleitungspartnerschaft damit befassen, wie eine eventuelle Rückübertragung strukturell erfolgen könnte.

IT-DIRECTOR: Welche globalen Veränderungen im Bereich des Outsourcing zeichnen sich ab?
S. Göppert:
Der Veränderungsdruck, bedingt durch den erhöhten globalen Wettbewerb und steigende Anforderungen in wirtschaftlichen Krisenzeiten, betrifft auch die Ins-trumente des Outsourcing. Der Fokus vieler angebotener Dienstleistungen verschiebt sich von der reinen Kostenreduktion hin zu einer umfänglichen Prozessoptimierung und der Lieferung von Mehrwertdiensten. Im Wesentlichen wird diese durch Standardisierungen, intelligente Technologien und globale Flexibilität verwirklicht.

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