Interview mit Wolfgang Seybold, Cubeware

Big Data als Spielwiese

Interview mit Wolfgang Seybold, CEO der Cubeware-Gruppe, über nützliche Virtualisierungstools für Business Intelligence und mögliche Einsatzszenarien von Big-Data-Analysen sowie den dabei zu beachtenden Datenschutz.

Wolfgang Seybold, Cubeware

Wolfgang Seybold, CEO der Cubeware-Gruppe

IT-DIRECTOR: Herr Seybold, welche Themen fragen Großunternehmen derzeit im Business-Intelligence-Umfeld verstärkt nach?
W. Seybold:
Das Interesse konzentriert sich nach wie vor auf BI-Kernthemen wie Standard- und Ad-hoc-Analysen, Planung, Forecasting und Reporting. Daneben werden auch Aspekte wie Cloud-, In-Memory-Computing und Big Data thematisiert. Zudem nehmen wir den zunehmend den Wunsch wahr, mit den Lösungen und Ergebnissen flexibler umzugehen.

IT-DIRECTOR: Sie sprechen Big Data an. Worin unterscheiden sich denn Big-Data-Lösungen von „herkömmlichen" BI-Systemen?
W. Seybold:
Big Data versteht sich als rein technologisches Konzept, bei dem es darum geht, Massendaten zu verwalten und in Echtzeit zu analysieren. Während es bei herkömmlichen BI-Systemen um die Verarbeitung von rein historischen Daten geht, richtet sich der Blickwinkel hier zur Real-Time-Analyse dessen, was derzeit gerade passiert; dabei spielen zunehmend auch unstrukturierte Daten wie Bilder und Tonmitschnitte eine Rolle.

Beide Ansätze ergänzen und verdrängen sich nicht etwa. Allerdings hinken die sinnvollen Einsatzmöglichkeiten bei Big Data den technologischen Möglichkeiten noch hinterher. Mit anderen Worten: Die Großunternehmen erkennen zwar das Potential, wissen aber meist noch nicht, wo genau sie in ihrem Marktsegment den Ansatz gewinnbringend einsetzen können.

IT-DIRECTOR: Für welche Unternehmensbereiche lohnt sich der Einsatz spezieller Big-Data-Lösung am meisten?
W. Seybold:
Wie gesagt, noch handelt es sich eher um eine Spielwiese, auf der ausgelotet wird, welche sinnvolle Nutzung möglich ist. Aber die ersten Anwendungen am Markt sind überwiegend vertrieblich orientiert und zielen auf das Konsumentenverhalten ab. Beispielsweise überträgt die US-Einzelhandelskette Walmart die Kundentransaktionen in eine Metadatenbank und setzt sie mit Konjunkturprognosen, dem Wetter und vielem mehr in Beziehung, um so die nachgefragten Artikel zu marktfähigen Preisen zu entwickeln. Nimmt man die Daten von Social-Media-Portalen hinzu, lassen sich auch Aspekte wie die allgemeine Kundenstimmung ergänzen. Mit etwas Phantasie wirken sich sogar wirtschaftliche, ökologische und politische Veränderungen auf das Konsumentenverhalten ab.

IT-DIRECTOR: Worauf gilt es bei der Umsetzung von Big-Data-Projekten vor allem zu achten, etwa hinsichtlich Datenschutz bei der Auswertung sensibler Daten oder zusätzlich benötigter Hardwareressourcen?
W. Seybold:
Die Frage ist, ob alles technologisch Machbare überhaupt sinnvoll und datenschutzrechtlich vertretbar ist. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind hinlänglich bekannt, zu bedenken sind gerade aber auch die ethischen Grenzen des Datensammelns, -speicherns und eng verbunden damit, daraus durch Analyse Informationen zu ziehen.
 
Bei den Hardwareressourcen lohnt ein Blick auf Google als Big-Data-Vorreiter. Statt eines klassischen Rechenzentrums mit wenigen Großrechnern hat man unzählige von Kleinrechnern in einem Netzwerk miteinander verbunden. Dieser kostengünstigere Ansatz ist richtungsweisend auch für Unternehmen anderer Ausrichtung und Servicedienstleister aus dem Cloud-Umfeld, zudem eine In-Memory-Verarbeitung zwar höhere Hauptspeicherressourcen, aber weniger Plattenkapazitäten für die Datenbankprozesse erfordert.

IT-DIRECTOR: Welche Lösungen bieten Sie speziell für Big Data an?
W. Seybold:
Zum jetzigen Zeitpunkt bieten wir noch keine vorgefertigten Big-Data-Lösungen an, das wird jedoch voraussichtlich noch 2013 der Fall sein. Nichtsdestotrotz sind wir durch unsere technologische Basis heute schon in der Lage, äußerst hohe Transaktionsraten abzubilden. Wir ermutigen unsere Kunden, bereits jetzt Daten zu sammeln und die Strukturen dafür aufzubauen, um gewappnet zu sein, sobald sinnvolle Anwendungsszenarien greifbar sind.

IT-DIRECTOR: Neben Big Data treiben derzeit spezielle Visualisierungstools den BI-Markt um. Was steckt dahinter?
W. Seybold:
Ein Bild sagt nun mal mehr als 1.000 Berichtszeilen. Analysen werden zwar auch künftig im klassischen Papierbericht ihre Berechtigung haben, aber der Mensch kann visualisierte Ergebnisse besser aufnehmen. Konsequent weitergedacht bedeutet das, dass man sich hier nicht auf die Ergebnisdarstellung beschränken, sondern möglichst auch eine dynamische Veränderung ermöglichen sollte, indem das Verändern einer Kurve oder von Darstellungen auf einer interaktiven Landkarte sich on the fly auch auf die Analysewerte auswirkt. Das macht den Umgang mit der BI-Lösung deutlich intuitiver und effizienter.

IT-DIRECTOR: Wofür werden solche Visualisierungstools benötigt?
W. Seybold:
Beispielsweise, um regionale und zeitliche Zusammenhänge auf den ersten Blick zu erkennen und intuitiv weiterzuverfolgen. Gerade im Vertriebs- und Logistik-Controlling sind regionale Zusammenhänge eine wichtige Grundlage für Kenngrößen wie Umsatz je Region oder Auslastung im Verhältnis zum Angebotsort. Aber neben geografischen Landkarten lassen sich auch viele andere Visualisierungsvorlagen wie Aufrisse für Gebäude oder Produktionsanlagen einsetzen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit konnte bereits mit bisherigen BI-Lösungen eine effektive Datenvisualisierung vorgenommen werden?
W. Seybold:
Da gibt es einige, exemplarisch eine aus dem Logistik-Controlling, wo einer unserer Kunden seine weltweiten Transportwege mittels Berechnungen von Routen, Ladungskapazitäten und die sich daraus ergebende Performance bewertet und analysiert. Die visualisierte BI-Analyse hilft dabei, wesentliche Informationen in den Fokus zu rücken und sich nicht in Zahlentapeten zu verlieren.

IT-DIRECTOR: Lassen Sie uns abschließend noch einen Blick auf Cubeware werfen: Wie sieht Ihre Strategie für die nahe Zukunft aus?
W. Seybold:
Noch in diesem Jahr wird mit "Bistro" unser Appstore live gehen, der Verkauf, Auslieferung, Pflege und Anwendung von BI-Lösungen grundlegend ändert. Das zielt auf mehr vorgefertigte und einsatzbewährte Lösungen, die einfacher und schneller zu implementieren sind.

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