Dr. Georgios Rimikis, Manager Solution Strategy, Hitachi Data Systems
IT-DIRECTOR: Inwiefern haben aktuelle Technologien wie Virtualisierung und Cloud Computing den Markt für Speicherlösungen verändert?
Dr. G. Rimikis: Virtualisierung und Cloud Computing sind Grundelemente einer Entwicklung, bei der die klassischen Rechenzentren immer mehr zu Informationszentren transformiert werden, in denen Unternehmen alle Daten, Inhalte und Informationen unterbrechungsfrei sichern, abrufen und nutzen können – unabhängig von Infrastruktur und Anwendung.
IT-DIRECTOR: Hinsichtlich sogenannter „Big Data“ gehen Experten in den nächsten Jahren von einem Datenwachstum bis in den Exa- und Zettabyte-Bereich aus. Welche Anforderungen stellt dieses Wachstum künftig an die Speicherinfrastruktur?
G. Rimikis: Der Speicherbereich wird massiv von dem Phänomen „Big Data“ beeinflusst, dessen größte Herausforderungen die Erfassung, Speicherung, Suche und Analyse der großen Datenmengen sind. Mit ausgereiften Suchfunktionalitäten für sehr große file- und inhaltsbasierten Datenmengen konnten wir bereits vor einigen Jahren mit der Hitachi Data Discovery Suite (HDDS) dienen. HDDS ist Bestandteil unseres Information-Cloud-Angebotes. Wir verfolgen hier das Prinzip der Cloud, die Information Analytics nutzt, um die komplette Unabhängigkeit von Daten und Anwendungen zu gewährleisten und neue Möglichkeiten der Datenwiederverwendung schafft. Seit der Übernahme von Parascale im August 2010 arbeiten wir verstärkt an der Entwicklung einer neuen Technologie, über die Information-Analytics-Anwendungen und Prozesse mit der zugrundeliegenden Infrastruktur integriert werden können.
IT-DIRECTOR: Mit welchen Speicherkonzepten können Unternehmen diese Datenflut am besten in den Griff bekommen?
G. Rimikis: Unternehmen sollten auf offene, skalierbare, flexible und zukunftsorientierte Speicherlösungen setzen, die Funktionalitäten wie Virtualisierung, Thin Provisioning und Dynamic Tiering ermöglichen. Hierbei spielt Automatisierung eine wichtige Rolle, denn sie reduziert die Managementkosten im Unternehmen. Wichtig ist auch die Integration speichervirtualisierter in servervirtualisierte Landschaften. So sichern sich Organisationen langfristig hohe Effizienz für Ihre IT-Umgebung und es werden von Anfang an weniger physikalische Kapazitäten benötigt.
IT-DIRECTOR: Wie können IT-Verantwortliche – ohne große Neuinvestitionen zu tätigen – die Leistungsfähigkeit ihrer Speicherlandschaften steigern? Und wie können sie diese energieeffizienter gestalten?
G. Rimikis: Laut IDC sind die weltweiten Ausgaben für Hardwareverwaltung und -administration in den letzten 15 Jahren um das Vierfache gestiegen, die Energiekosten sogar um das Achtfache, während die Hardwareausgaben fast gleich geblieben sind.
Die Hardwarekosten können durch eine bessere Ausnutzung der Infrastruktur gesenkt werden, während die Verwaltung und die Administration durch Automatisierung und ein effizienteres Management reduziert werden können. Durch neue Architekturen und die Anwendung der passenden Hardwareelemente können wiederum die Energiekosten minimiert werden. Zu den Methoden und Instrumenten, die uns dabei unterstützen, gehören Virtualisierung, die Bildung von hierarchischen Speicherschichten (Tiering), automatische Erkennung von Trends sowie unterbrechungsfreie Migrationen; aber auch Dynamic Provisioning, Dynamic Tiering, 2,5-Zoll-Laufwerke, Flash Disks und wichtige architektonische Maßnahmen in den Systemen.
IT-DIRECTOR: Stichwort Langzeitarchivierung: Welche Speichermedien eignen sich am besten für eine sichere und compliance-gerechte Langzeitarchivierung von Unternehmensdaten?
G. Rimikis: Solid State Disks (SSD) sind noch extrem teuer für den Einsatz in Archivsystemen. Bandsysteme entsprechen nicht den heutigen Anforderungen nach Geschwindigkeit und sind mit hohen Nebenkosten für die Instandhaltung der involvierten, beweglichen Teile verbunden. Die Migrationsdauer- und Kosten sind auch sehr hoch. Ein Plattenspeichersystem mit SATA-Laufwerken und die entsprechende RAID-Technologie (RAID-6 oder RAID-5) sind der goldene Schnitt beim Kosten-/Leistungsverhältnis.
Für die sichere und effiziente Langzeitarchivierung muss vor allem auf eine intelligente Plattform gesetzt werden, die die Daten verwaltet. Die Hitachi Content Platform (HCP) ist beispielsweise eine objektbezogene Lösung mit Funktionen und Möglichkeiten, die eine intelligente, inhaltsorientierte Speicherung ermöglichen.
IT-DIRECTOR: Und welche Langzeitspeichermedien werden in Zukunft eher zu den Auslaufmodellen gehören? Welche Gründe sind hierfür ausschlaggebend?
G. Rimikis: Wir sehen aktuell eine Verschiebung der Speichermedien in der Industrie, die mit den Parametern Kosten, Nebenkosten, Geschwindigkeit, Migration zu der nächsten Systemgeneration und Zukunftssicherheit zusammenhängt. Aufgaben, die früher das Band hatte, übernimmt heute die „Low Cost“-Festplatte, während für perfomancekritische Anwendungen Hochgeschwindigkeitslaufwerke, SSDs und sogar Memory verwendet werden. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend halten wird. Die optische Platte hat sich als Archivierungsmedium nie richtig durchgesetzt und hier sind keine Änderungen mehr zu erwarten.