Kommentar von Dr. Klaus-Rainer Müller, ACG

CIA ist immer dabei

Dr. Klaus-Rainer Müller von der ACG GmbH gibt nützliche Praxistipps für ein effektives IT-Security-Continuity-Management (ITSCM).

Dr. Klaus-Rainer Müller, ACG

Dr. Klaus-Rainer Müller ist ­Consultant bei der ACG Automation Consulting Group GmbH in Frankfurt.

Werden „Notfälle“ nur durch Ausfälle verursacht? Wer übliche Notfallszenarien betrachtet, wie beispielsweise den Ausfall einer Fertigungsstraße, eines IT-Services, eines Dienstleisters, der Stromversorgung oder von Personengruppen, könnte dies annehmen. Dies greift jedoch zu kurz und es gilt, mehr zu betrachten.

IT-Service-Continuity-Management soll sicherstellen, dass IT-Services auch nach einem Notfall nutzbar sind. Eine spezifische Vereinbarung zwischen Servicenehmer und Dienstleister definiert, wann es sich um einen Notfall handelt, und legt dafür den Umfang der Nutzbarkeit der IT-Services fest. Um ITSCM unter dem Fokus der Wirtschaftlichkeit betrachten zu können, erheben die Verantwortlichen im Rahmen einer „Business Impact Analysis“ die Anforderungen des Servicenehmers. Hierbei ermitteln sie die Auswirkungen, die ein Notfall auf den Servicenehmer hat, genauer: auf dessen geschäftskritische Aktivitäten.

Der Fokus bei der Betrachtung von Notfällen liegt oftmals auf Ausfallszenarien, z.B. dem Ausfall des RZ-Gebäudes. Notsituationen können jedoch auch bei einer Verletzung der Vertraulichkeit, Integrität oder Authentizität (Confidentiality, Integrity, Authenticity = CIA) auftreten. Veröffentlichte Geheimdokumente, manipulierte Daten, kompromittierte Benutzerkonten und kompromittierte Schlüssel können reale Notfall­szenarien für Unternehmen und Organisationen sein. Die von Wikileaks publizierten Geheimdokumente, der Hackereinbruch in Sonys Netzwerk für die Videospielkonsole Playstation und der Diebstahl von SSL-Zertifikaten belegen dies.

Damit derartige Szenarien im Rahmen des ITSCM berücksichtigt werden können, muss das geforderte Sicherheitsniveau im Hinblick auf CIA erhoben worden sein. Dies ist auch insofern obligatorisch, als Sicherheitsanforderungen im Notbetrieb nach wie vor zu berücksichtigen sind und daher – auch ohne die Betrachtung sicherheitsrelevanter Notfallszenarien – bekannt sein müssen. Gleiches gilt für den Datenschutz. So müssen auch die IT-Notfallkonzepte die Anforderungen an den Datenschutz erfüllen. Darüber hinaus müssen das Sicherheits- und Privacy-Management auch im Notfall aufrechterhalten bleiben.

Wer Sicherheit und Datenschutz über die Grenzen der IT hinaus betrachtet, erkennt schnell, dass Continuity-Management auch andernorts gefragt und erforderlich ist. So müssen das vereinbarte Sicherheitsniveau und der Datenschutz auch am Ausweichstandort und beim Ausweich-RZ ­sichergestellt sein, z.B. im Hinblick auf Perimeter- und Zutrittsschutz. Aushilfspersonal und Dienstleister, die nach einem Notfall im Notbetrieb oder bei der Wiederherstellung unterstützen, müssen die geforderten Sicherheitsstufen erfüllen.

 

Praxistipps für mehr Ausfall­sicherheit

  • Definieren Sie, in welchen Fällen ein Notfall vorliegt.
  • Erheben Sie die Anforderungen an ­Kontinuität, Sicherheit und Datenschutz.
  • Vereinbaren Sie Präventivmaßnahmen zur angemessenen Vermeidung von Notfällen, auch im Hinblick auf Sicherheit und Datenschutz.
  • Definieren Sie die Notfallszenarien. Berücksichtigen Sie, dass relevante Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen ­Notfälle sein oder werden können.
  • Entwickeln, testen und üben Sie Notfall­pläne. Binden Sie relevante Provider mit ein. Achten Sie auf die Einhaltung der S­icherheits- und Datenschutzanforderungen und die Fortführung des IT-Security- und Privacy-Managements.

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