Rüdiger Baumann, CEO von Zimory
Der deutsche Cloud-Markt scheint festgefahren: Die großen, internationalen Player haben sich in Stellung gebracht, diktieren den potentiellen Anwendern, welche Angebote attraktiv für sie sind und spielen geduldig Datensicherheitsbedenken herunter. Doch flexible Lösungen bieten sie kaum.
Neben dem “Take it or leave it”- Angebot offener Anbieter aus den USA dominieren monatelange Vertragsverhandlungen zwischen Service-Providern und Kunden sowie zähes Ringen um Service Level Agreements (SLAs) die Tagesordnung. Letztlich profitieren vor allem die Provider. Der Kunde hingegen steckt in einer Beziehung mit einem Dienstleister fest und ist nun genau so flexibel wie sein für mehrere Jahre abgeschlossener Vertrag. Mag dieser auch im Großen und Ganzen zum Bedarf des Unternehmens passen, unerwartete Entwicklungen macht die Lösung nur bedingt mit.
Es ist demnach kein Wunder, dass die Cloud nur zaghaft abhebt, allen so überaus positiven Prognosen zum Trotz. Cloud-Services sollten endlich halten können, was sie versprechen: Infrastruktur oder Anwendungen genau dann zur Verfügung zu stellen, wenn sie benötigt werden und zugleich das Sicherheitslevel bieten, das erforderlich ist.
Doch warum tun sie es nicht? Was fehlt dem Cloud-Markt? An Anbietern und Angeboten mangelt es keineswegs – doch blickt hier wirklich noch irgendjemand durch? Unzählige Dienstleister bieten die unterschiedlichsten Cloud-Services, doch Preise und Leistungen sind nicht miteinander vergleichbar. Im Nebel des Cloud-Marktes stechen dann doch nur die großen Service-Provider hervor, die starre Verträge schreiben und Compliance-Fragen, wie die Bereitstellung von Rechenzentren in Deutschland, nur ungenügend beantworten.
Kurzum: Dem Cloud-Markt fehlen Dynamik, Transparenz und Standardisierung, um den Nebel aufzulösen. Wie wäre es, wenn sich zum Beispiel Infrastrukturleistungen schnell und unkompliziert per Mausklick buchen ließen? Mit flexiblen Vertragslaufzeiten und standardisierten SLAs, die die Interessen beider Vertragsparteien ausgeglichen berücksichtigen. Warum nicht heute die Infrastruktur für einen zweiwöchigen Softwaretestlauf bei Anbieter A buchen und morgen einen Jahresvertrag bei Anbieter B abschließen, mit dem die Software den eigenen Kunden als Service zur Verfügung gestellt werden kann?
Damit solche Szenarien Realität werden, müsste sich der Markt entscheidend ändern. Den ausschlaggebenden Impuls hierfür könnte ein neutraler Handelsplatz geben, an dem Cloud Infrastrukturservices nach festen Regeln gehandelt werden. Nicht nur kleineren und mittleren Anbietern würde sich der Markt öffnen, auch große etablierte Service-Provider hätten die Möglichkeit ihr Angebot zu erweitern und neue Kundensegmente zu gewinnen. Cloud-Services würden standardisiert und könnten einfach online per Mausklick zu ausgewogenen Vertragsbedingungen gebucht werden.