Sony verkauft Vaio - an einen Investmentfonds
Die PC-Sparte von Sony geht nicht an Lenovo. Da hat die liebe Konkurrenz (Sprich: HP und Dell) sicher einen Riesenseufzer losgelassen. Käufer ist Japan Industrial Partners (JIP). Der Investmentfonds ist vor allem in der herstellenden Industrie aktiv.
Seit einigen Jahren kauft er sich vermehrt in die IKT-Branche ein. So erwarb er vor zwei Jahren die Kommunikationssparte von Olympus, kürzlich den japanischen Internetprovider BigGlobe und jetzt das PC-Business von Sony.
Der japanische Konzern erhält nach Einschätzung von Beobachtern etwa 40 bis 50 Milliarden Yen, das sind 291 bis 365 Millionen Euro. Dafür gründet der Fond ein neues Tochterunternehmen, an dem Sony einen Anteil von fünf Prozent halten will.
Der Verkauf der recht renommierten Vaio-Marke an einen außerhalb Japans eher gesichtslos wirkenden Investmentfonds gehört zu einer ganzen Reihe von Nachrichten, die zusammengenommen für eine fatale Entwicklung stehen – fatal für die klassischen PC-Hersteller.
Die Handelsspannen bei einem Windows-Rechner waren wegen der enormen Dynamik beim Wechsel der Gerätegenerationen immer schon winzig, doch inzwischen sind sie mikroskopisch klein. Es sind ultraknapp kalkulierte Allerweltsprodukte, bei denen schon ein Gewichtsunterschied von fünfzig Gramm Gehäusematerial den Wechsel von der Gewinn- in die Verlustzone bedeuten kann.
Und so etwas führt natürlich dazu, dass Skaleneffekte und selbst kleine Vorteile bei den Personalkosten eine enorme Durchschlagskraft entfalten können. Das Management des chinesischen IT-Riesen Lenovo hat das erkannt und befindet sich praktisch immer auf Einkaufstour, um die Gewinnspanne durch Wachstum zu optimieren.
Die Formel lautet ganz einfach: Commodity führt zu Konzentration. Je größer der Preisdruck und je austauschbarer die Produkte, desto deutlicher ist der Vorteil schierer Größe. Werden wir also bald alle unsere Computer von Lenovo kaufen? Wer sich die Entwicklung des chinesischen Konzerns anschaut, muss beinahe zu diesem Schluss kommen.
Unternehmen wie Dell und HP haben trotz ihrer langen Erfahrung in der Branche erhebliche Probleme, mit dem schrumpfenden PC-Markt klarzukommen. Lenovo dagegen wächst und zwar nicht nur durch Zukäufe: Dem Unternehmen gelingt es recht gut, überzeugende Produkte auf den Markt zu bringen.
Im Moment setzen die Chinesen auch in einem Bereich Standards, auf den Sony gerne in Zukunft seine Aufmerksamkeit richten möchte: Tablets. Und über was redet die Fachpresse zurzeit am liebsten? Über das Lenovo Yoga Tablet 8.
Bildquelle:Sony