Die Nase vorn: Es reicht nicht aus, das Augenmerk allein auf die Endgeräte zu legen.
Gut durchdachte Mobilstrategien, die die Kunden gemeinsam mit ihren IT-Dienstleistern aufsetzen, sollten besondere Merkmale aufweisen. So reicht es nicht aus, das Augenmerk allein auf die Endgeräte zu legen. „Stattdessen muss die gesamte IT-Infrastruktur so konzipiert werden, dass sie heterogene Endgeräte-Umgebungen verwalten und absichern kann, zu denen neben stationären auch mobile Anwender und Daten gehören“, betont Ute Riester, Product Manager bei Dell.
Als ein nicht zu unterschätzender Punkt gilt dabei die Sicherheit mobiler Prozesse. Hier sind die Herausforderungen für IT-Verantwortliche „einerseits die mobilen Daten schützen zu müssen, und andererseits die Nutzer nicht einzuschränken“, betont Ute Riester. Die User sollten sich weder in ihren Tätigkeiten beschnitten fühlen noch dürfe der Mobilzugriff auf Daten Performance-Einschränkungen oder langwierige Prozesse mit sich bringen. Von daher rät Ute Riester dazu, bereits im Vorfeld das Nutzerverhalten in Detail zu analysieren und daraus abzuleiten, welche Daten mit welchen Mitteln abgesichert werden müssen.
Im nächsten Schritt rät Dirk Figge, Leiter Strategie und Business Development bei Adesso Mobile Solutions, dazu, Sicherheitsrichtlinien möglichst frühzeitig mit einer mobilen Strategie und damit auch mit mobiler Governance in Einklang zu bringen. „Insbesondere in größeren Unternehmen finden wir bereits häufig einen gewissen mobilen Wildwuchs vor. Dieser muss zügig überprüft und seine Bestandteile bei der Entwicklung der Mobile Governance entsprechend der jeweiligen Bedarfssituationen integriert werden“, betont Figge. In diesem Zusammenhang verweist Norman Hübner, Unternehmenssprecher bei Seven Principles in Köln, darauf, dass bereits bei der Entwicklung von Applikationen für Mobilgeräte spätere Anforderungen an die Integration dieser Anwendungen in Sicherheitsvorgaben des Unternehmens beachtet werden müssen. Laut Hübner zählen neben den offensichtlichen Anforderungen an ein Mobile Device Management (MDM) auch spätere Integrationen in SIEM-Lösungen (Security Information and Event Management), die für Anwendungen auf Arbeitsplatzrechnern vorgeschrieben sein können, zu diesen Erfordernissen. „Um diese Herausforderungen zu meistern, empfiehlt es sich, eine Abstimmung der Anforderungen an die Anwendung über den gesamten Lebenszyklus inklusive aller geplanten Portierungen bereits in der Designphase zu beachten“, so Hübner.
Über die Infrastrukturebene hinaus sollte das Augenmerk auch auf die Applikationen gerichtet sein. Denn einfach nur Apps zu entwickeln, die weder Mitarbeiter noch Kunden nutzen, sollte man sich besser sparen. Neben den altbekannten, klassischen mobilen Außendienst- und Vertriebs-Apps gibt es zumeist auch weitere Unternehmensprozesse, deren Mobilisierung sich lohnen kann. „Mobile Lösungen eignen sich für verschiedene interne Prozessen, wie beispielsweise Beantragungsprozesse und Freigaben sowie für jede Art von Kollaboration“, erklärt Dirk Figge. Aus seiner Sicht zählt dabei etwa „Mobile Business Intelligence“ zu den Top-Themen jeder mobilen Agenda. Denn die Möglichkeit, sich jederzeit und ortsunabhängig Transparenz über Kunden, Prozesse und Kosten zu verschaffen, sei heutzutage zur unabdingbaren Notwendigkeit für Unternehmen geworden. „Kritische Erfolgsfaktoren sind hier der 24/7-Zugriff auf die notwendigen Datenquellen durch entsprechende Schnittstellen sowie die intuitive Navigation und Darstellung der Daten auf den Endgeräten“, betont Figge.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2015. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Großes Potential für die Mobilisierung interner Prozesse sieht auch Norman Hübner und verweist auf dafür prädestinierte Abläufe im „Business-2-Employee-Umfeld“. So könnten beispielsweise Urlaubsanträge und -freigaben leicht von Mitarbeitern und Vorgesetzten während einer Dienstreise gestellt und direkt genehmigt werden. „Darüber hinaus können Termine oder Raumbuchungen mit und ohne Catering-Anforderungen mobil ,zwischendurch‘ erledigt werden. Freigabeprozesse für Dokumentveröffentlichungen, Bestellungen, Rechnungen usw. sind weitere Beispiele“, betont Hübner.
Generell verändert sich mit der Etablierung mobiler Lösungen im Unternehmen nicht nur die IT-Struktur, sondern auch die Art und Weise des Arbeitens. Gemeinsam mit weiteren Technologien wie etwa Cloud Computing ist mit der Verbreitung von Mobillösungen die Grundlage für den digitalen Arbeitsplatz entstanden – und genau solche Gesamtkonzepte fragen Unternehmen bei ihren IT-Dienstleistern verstärkt nach, wie eine aktuelle Studie in sieben ausgesuchten Ländern von Avanade zeigt: Von denjenigen deutschen Unternehmen, die Lösungen für einen digitalen Arbeitsplatz eingeführt haben, konnten 100 Prozent mindestens einen wirtschaftlichen Vorteil als direktes Ergebnis verzeichnen“, berichtet Robert Gögele, Geschäftsführer bei der Avanade Deutschland GmbH. Dazu zählen unter anderem eine gesteigerte Produktivität mit 61 Prozent und eine größere Mitarbeitermotivation mit 44 Prozent. 40 Prozent der deutschen Unternehmen konnten gemäß Studienergebnissen dadurch sogar ein Umsatzwachstum verzeichnen.
Apropos Mitarbeitermotivation. Über kurz oder lang werden immer mehr „Digital Natives“ in die Unternehmen drängen. Die IT-Verantwortlichen sind daher gut beraten, sich bereits heute auf die neue Generation und ihrer Vorstellung einer modernen Arbeitswelt einzustellen. „Die Generation Y ist selbstbewusst und auf Flexibilität bedacht. Wir treffen auf eine Generation, die radikal anders arbeiten möchte. Sie fordert Ortsungebundenheit, Freiräume und schnelles Feedback“, erläutert Dirk Figge. Wünsche, denen sich die Unternehmen stellen müssen und die ihre IT-Dienstleister mit mobilen Technologien und Anwendungen bedienen müssen.
Konkret zum Arbeitsplatz der Zukunft verweist Ute Riester beispielsweise auf das so genannte Hot Desking, bei dem verschiedene Mitarbeiter ein- und denselben Büroarbeitsplatz zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. „Kommt ein Mitarbeiter ins Büro, sucht er sich den nächsten freien Arbeitsplatz“, beschreibt Riester das Vorgehen. Ein weiterer Trend ist ihrer Meinung nach die Suche der Anwender nach dem „einen“ Gerät für sämtliche Einsatzszenarien. Dies könne etwa ein 2-in-1-System sein, das durch seine durchdachten Spezifikationen und sein Design keine zusätzlichen Devices mehr erforderlich macht. „Also beispielsweise ein Ultrabook, das durch eine abnehmbare Tastatur zum Tablet ,umgebaut’ werden kann“, so Riester.
Bildquelle: Thinkstock/iStock