26.09.2017 Vodafone erweitert LTE-Netz

Das bringt Narrowband IoT

Von: Ina Schlücker

Narrowband IoT erweitert das LTE-Netz von Vodafone und ermöglicht so eine fast unbegrenzte Vernetzung im Internet der Dinge, erklärt Vodafone-Geschäftsführer Dr. Eric Kuisch.

Dr. Eric Kuisch, Vodafone Deutschland

Dr. Eric Kuisch, Geschäftsführer Technik Vodafone Deutschland

IT-DIRECTOR: Herr Kuisch, im Umfeld von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge fällt immer wieder der Begriff Schmalband-Internet, neudeutsch Narrowband IoT (NB-IoT). Was steckt dahinter?
E. Kuisch:
Narrowband-IoT ist eine Erweiterung unseres LTE-Netzes. Die Technologie setzt auf unserer vorhandenen Mobilfunkinfrastruktur auf und ist für die beinahe unbegrenzte Vernetzung von Gegenständen optimiert. Kurz: Narrowband-IoT ist unser Maschinennetz. Ein Netz, speziell für Anwendungen, bei denen in regelmäßigen Abständen kleine Datenmengen übertragen werden. Dabei ist die Technologie besonders energie- und kostensparend. Damit schaffen wir neue Möglichkeiten, Milliarden Geräte miteinander zu vernetzen und machen das Internet der Dinge für unsere Geschäftskunden massentauglich. Und mit Narrowband-IoT vernetzen wir Gegenstände und Maschinen auch dort, wo herkömmlicher Mobilfunk nicht mehr hinkommt: hinter Betonwänden, im Keller oder in großen Gebäuden. Denn das Maschinennetz funkt dank seiner Reichweite nahezu überall.

IT-DIRECTOR: Welche Vor- und welche Nachteile kann die Kommunikation via Narrowband IoT mit sich bringen?
E. Kuisch:
Mit unserem Maschinennetz machen wir das Internet der Dinge massentauglich – für Privatkunden, Industrie und Gesellschaft. Es ist optimiert für die kostengünstige Vernetzung von Milliarden Gegenständen gleichzeitig. Lösungen, die in unserem Maschinennetz funken, benötigen keine externe Stromversorgung. Batterielaufzeiten von bis zu zehn Jahren machen die Lösungen zu echten Langzeitlösungen. Mit dem Maschinennetz vernetzt Vodafone Gegenstände überall – selbst dort, wo herkömmlicher Mobilfunk nur schwer hinkommt. Das ist vor allem für die Strom- und Elektrowirtschaft vorteilhaft.

Darüber hinaus baut Narrowband IoT auf die vorhandene Mobilfunkinfrastruktur auf und erfüllt deshalb von Beginn an höchste Sicherheitsstandards. Weil das Maschinennetz speziell für die regelmäßige Übertragung kleiner Datenmengen optimiert ist, ist es nicht geeignet für Anwendungen, bei denen riesige Daten frei von Verzögerungen ausgetauscht werden müssen. Beim autonomen Fahren beispielsweise wird der Mobilfunkstandard der Zukunft 5G dafür sorgen, dass Autos um die Ecke schauen und selbst das sehen, was für den Menschen und Sensoren noch unsichtbar ist.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist Narrowband IoT hierzulande bereits verbreitet?
E. Kuisch:
Technisch sind wir so weit, unser Maschinennetz in die Städte zu bringen. Wir wollen noch in diesem Jahr in ersten Projekten mit namhaften Partnern Dinge dort per Narrowband IoT vernetzen, wo schon heute der Bedarf existiert. Wir richten uns dabei nach den Bedürfnissen unserer Kunden. Als führender Telekommunikationskonzern im Bereich IoT gestalten und entwickeln wir die Zukunft für das Internet der Dinge und machen das Maschinennetz seit Anfang des Jahres in unserem IoT Future Lab bereit für den Alltag. Hier testen wir unter Live-Bedingungen konkrete Anwendungsszenarien und Lösungen. Das Testnetz in dieser kleinen Umgebung hat alleine so viel Power, wir könnten hier problemlos sämtliche Aufzüge in ganz Deutschland vernetzen. In unserem IoT Future Lab setzen wir auf Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Modulhersteller bis zum Netzwerkausrüster, vom Start-up bis zum Großkonzern. Gemeinsam bringen wir innovative Lösungen von hier ins ganze Land. Wir arbeiten hier unter anderem mit DB Systel, dem Digitaldienstleister der Deutschen Bahn, dem Energienetzbetreiber Netze BW und dem Energiedienstleister Techem zusammen.

IT-DIRECTOR: Für welche Zwecke wird Narrowband IoT vor allem genutzt? Können Sie uns bitte einige Anwendungsbereiche skizzieren?
E. Kuisch:
Narrowband IoT wird dann für die Vernetzung genutzt, wenn kleine Datenmengen regelmäßig übertragen werden; wie etwa bei vernetzten Wasserzählern oder Tracking-Geräten für Transportcontainer. Dabei ermöglichen der minimale Energieverbrauch und die enormen Batterielaufzeiten der Narrowband-IoT-Module die Vernetzung auch ohne externe Stromversorgung. So können zum Beispiel beim Auslesen von Zähler- oder Füllständen Energie und Kosten gespart werden. Sensoren erfassen dabei bestimmte Zustände. Ist ein Behälter, etwa ein Müllcontainer oder ein Wassertank, komplett gefüllt, wird über das Maschinennetz ein Datensignal abgesetzt. Das Gleiche passiert, wenn in einem Raum eine bestimmte Temperatur oder ein Feuchtigkeitsgrad überschritten wird, oder aber beim Weinanbau ein bestimmter Reifegrad auftritt. Auf dieser Basis können Behälter zum richtigen Zeitpunkt geleert, weitere Produktionsschritte eingeleitet und die Weintrauben zum bestmöglichen Zeitpunkt geerntet werden. Ebenso lassen sich Home-Security-Lösungen oder Warnsysteme, zum Beispiel entlang von Flüssen, sinnvoll mit Narrowband IoT vernetzen.

IT-DIRECTOR: Wie ist es bei Datenübertragungen via Narrowband IoT um die Sicherheit bestellt? Wie lässt sich vermeiden, dass IoT-Geräte als Angriffsziele für Hacker dienen?
E. Kuisch:
Das Thema Sicherheit ist bei der Vernetzung von Maschinen von höchster Bedeutung. Wir setzen mit Narrowband-IoT auf die hohen Sicherheitsstandards unserer bestehenden Mobilfunkinfrastruktur auf. Dabei funkt das Internet der Dinge in einem eigenen Bereich, auf das nur mit spezieller Berechtigung zugegriffen werden kann. Entsprechende Authentifizierungsprozesse schließen unbefugten Zugriff von außen aus. Darüber hinaus ist es für uns eine zentrale Herausforderung die Standardisierung und einheitliche Sicherheitsstandards im Internet der Dinge noch stärker vorantreiben. Nur so kann die Kommunikation zwischen den einzelnen Geräten und Maschinen reibungslos funktionieren und kein Missbrauch von außen stattfinden.

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