Consumerization

Das Ende der IT-Monokultur

“Bring Your Own Device” bedeutet nicht nur eine Erweiterung der IT-Aufgaben. Es geht um mehr: Die Einheits-IT in den Unternehmen wird Vergangenheit.

Monokulturen - nicht mehr in der IT

Als IT noch EDV hieß, war vieles einfacher: Der Computer war in der Firma und blieb auch dort. Doch dieses Paradies für CIOs - damals: EDV-Leiter - ist lange vergangen. Die Einstellung aus dieser Zeit jedoch nicht. Technische Neuerungen, die nicht in das Konzept einer monolithischen, abgeschotteten und lokal zentrierten Unternehmens-EDV passen, werden nicht gerne gesehen.

"Das hat schon damals in den 90er Jahren angefangen", meint Martin Andenmatten in seinem ITIL-Blog. Zu dieser Zeit ging es um die Einführung des Internets in den Unternehmen. Dem IT-Veteranen und Experten für IT-Governance scheint das Gezeter noch in den Ohren zu klingen: "Wie hat sich doch unser damaliger Sicherheitsverantwortlicher lange und durchaus erfolgreich gewehrt und vollständig getrennte Netzwerke und abgeschottete PCs gefordert!"

Widerstand ist zwecklos

Wir alle wissen: Zuletzt hat er verloren. Er musste es, denn der neue Megatrend Internet hat für Mitarbeiter und Unternehmen enorme und bereits Mitte der 1990er Jahre absehbare Vorteile gebracht. Und die Geschichte wiederholt sich: Inzwischen gibt es "Bring Your Own Device" (BYOD) - wieder ein Trend, der den CIO ins Schwitzen bringt.

Doch die IT-Abteilungen und Dienstleister sind weichgeklopft. "Wieso sich ständig gegen die von Benutzern bevorzugte Geräte auflehnen, während man laufend mit Akzeptanzproblemen der eigenen Geräte zu kämpfen hat?" beschreibt Andenmatten die Überlegungen vieler CIOs. "Die ständig aufreibenden Auseinandersetzungen mit dem Business sind ermüdend."

Also legen Unternehmen BYOD-Programme auf. Damit sind die Zeiten der streng nach Vorschrift gestalteten IT-Monokultur endgültig vorbei. Wer einmal mit dem Smartphone oder dem Tablet in der Hand von Meeting zu Meeting gezogen ist, wird nur äußerst ungerne wieder darauf verzichten.

Der Markt sorgt dafür, dass ein nicht enden wollender Strom leistungsfähiger, schicker und einfach zu bedienender Geräte mit Touchscreen in die Hände der Privatnutzer kommt - die dann ihr eigenes Gerät mit in die Firma nehmen.

Doch dann wird es schwierig. Die technische Anbindung (Stichwort "Mobile Device Management") ist kein Problem. Auch hier bietet der Markt zahlreiche funktionierende und für jede Business-IT passende Software. Das Thema "Sicherheit" ist nicht mehr ganz so einfach, aber grundsätzlich ebenfalls in den Griff zu kriegen.

Kontrollverlust der IT-Abteilung

"BYOD erfordert eine einheitliche Sicherheitspolitik innerhalb der Organisation - für drahtlose und drahtgebundene Endgeräte, VPN und Mobile Device Management," meint Mathias Wietrychowski, Manager bei Cisco Deutschland. "Beachtet man die entscheidenden Regeln, bietet BYOD eine Menge Vorteile - während die IT zugleich die Kontrolle behält."

Doch ist das wirklich so? Die Mischung von Business- und Privatgeräten macht die Lage plötzlich kompliziert: Welches Gerät beherrscht welche Funktionen, kann wie gemanagt und auf welche Weise abgesichert werden? Vor allen Dingen gibt es jetzt vieles, was nicht einfach durch mehr Technik gelöst werden kann.

Die IT hat also in Wirklichkeit nicht mehr alles unter Kontrolle, denn es geht jetzt auch um das Verhalten der Mitarbeiter. Vor allem auf der rechtlichen Seite verkompliziert BYOD die Situation, meint Thomas Krampe, Principal Consultant bei der Visionapp AG. So ist zum Beispiel die Frage, wie der Gerätekauf abgewickelt wird. Zahlt nur der Mitarbeiter selbst oder gibt es einen Zuschuss?

"Der Zuschuss des Arbeitgebers zum Endgerät des Mitarbeiters muss allerdings auch steuerrechtlich betrachtet werden", betont Krampe. "Geregelt werden muss schließlich auch, wem die möglicherweise ebenfalls angeschaffte Software bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses gehört." Weitere Stichworte sind Haftung bei Verlust, Reparaturen und Kosten für zusätzliche Leihgeräte.

Dies alles kann nur vertraglich geregelt werden. "Eine Richtlinie für Nutzung von privaten Endgeräten im Unternehmen ist zwingend erforderlich", meint Thomas Krampe. Dabei gehe es in erster Linie um Regeln für die Nutzung von Unternehmensdaten."Aber auch die Eigentumsverhältnisse sind genau zu beschreiben."

IT-Monokulturen sterben aus

Eine weitere, von vielen IT-Abteilungen übersehene Entwicklung ist die Veränderung bei den Service-Desks. BYOD ist für Martin Andenmatten die Folge eines völlig neuen Nutzertyps, der in den letzten Jahren in den Unternehmen auftaucht: "Die 'Digital-Natives' haben ein vollständig unverkrampftes Verhältnis zur IT und den Geräten."

Nach den Erfahrungen des IT-Profis können diese neuen Benutzer einfache Probleme selber lösen und sind nicht so schnell auf die Unterstützung eines Help-Desks angewiesen. Der klassische Support, der nach der 80/20-Regel in 80 Prozent der Fälle die 20 Prozent der trivialen Probleme lösen muss, wird zusammen mit den IT-Monokulturen aussterben.

"Primär wird auf den Kunden eingegangen und ihm ein Service - neue Produkte und Lösungen - angeboten", beschreibt Andenmatten die nicht so ferne Zukunft. "Der Fokus liegt weniger auf Incident-Handling als auf Service-Erbringung." Das dürfte eine völlig neue Herausforderung für die IT-Abteilungen werden und die IT-Verantwortlichen müssen sich nach Ansicht von Andenmatten dem stellen. "Die Zukunft liegt in der Vernetzung und weniger in der Abschottung."

Bildquelle: Uschi Dreiucker/pixelio.de

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