14.12.2016 Digitalisierung: Viel Interesse, wenig Tatendrang

Das Internet of Things als Türöffner

Von: Tillmann Braun

Die Welt investiert in die Digitalisierung, während deutsche Unternehmen oftmals zögern. Dabei könnten sich insbesondere Investitionen in Lösungen rund um das Internet of Things (IoT) mehr als lohnen.

Internet of Things (IoT) als Türöffner

Mit dem Internet of Things (IoT) als Türöffner klappt es auch mit der Digitalisierung.

Die digitale Transformation ist in aller Munde. Und tatsächlich beschäftigen sich neuen Studien zufolge bereits 96 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit der Digitalisierung. Bei der konkreten Umsetzung sehen die Zahlen jedoch deutlich weniger positiv aus. Als Gründe für fehlende Aktivitäten werden häufig hohe Kosten genannt. In anderen Ländern zeigt man sich deutlich investitionsfreudiger. Das könnte zu Problemen für hiesige Unternehmen führen.

Der Digital-Business-Spezialist Arithnea hat kürzlich 50 deutsche Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zum jeweiligen Stand der Digitalisierung befragt. Trotz der recht geringen Anzahl an Studienteilnehmern lassen die Ergebnisse eine klare Tendenz erkennen: Nahezu alle befragten Unternehmen (96 Prozent) beschäftigen sich bereits in irgendeiner Form mit der digitalen Transformation. In mehr als der Hälfte (58 Prozent) der Unternehmen wird die Digitalisierung dabei sogar „strategisch“ angegangen. Weitere 31 Prozent bezeichneten die Beschäftigung mit dem Thema als „ernsthaft“. Hinzu kommen elf Prozent, die sich immerhin „lose“ mit dem Thema auseinandersetzen.

Personalmangel bremst Digitalisierung aus

Man könnte also meinen, dass die Unternehmen bereits dabei sind, ihre jeweiligen Digitalisierungspläne fleißig umzusetzen. Doch dem ist offenbar nicht so. Laut der Studie haben bis dato lediglich 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland entsprechende Projekte auch tatsächlich realisiert. Als Haupthindernis für die Digitalisierung nannten die befragten Unternehmen neben mangelnden Personalressourcen (68 Prozent) ein zu hoher Budgetbedarf (56 Prozent). Zudem gaben 32 Prozent an, nicht über genügend internes Know-how zu verfügen (32 Prozent). Folglich scheitert die Umsetzung in den meisten Fällen an fehlender Investitionsbereitschaft bzw. an fehlenden Geldern.

Dass Handlungsbedarf besteht, dessen sind sich die Unternehmen jedoch bewusst. Denn als die zwei wichtigsten Treiber für die Beschäftigung mit der digitalen Transformation nannten die befragten Unternehmen die neuen Möglichkeiten, die das Internet der Dinge bietet (79 Prozent) und die Notwendigkeit, die eigene Wettbewerbsfähigkeit langfristig sicherzustellen (73 Prozent).

„Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie sich allmählich mit der digitalen Transformation auseinandersetzen müssen“, sagt Prof. Dr. Volker Gruhn, Professor für Praktische Informatik an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen sowie Aufsichtsratsvorsitzender beim IT-Dienstleister Adesso. „Sie tun sich aber schwer, den richtigen Einstieg zu finden“, erklärt Professor Gruhn weiter. Sein Rat an die Unternehmen lautet: „Man muss die digitale Transformation schrittweise anfangen, darf aber auch nicht zu zögerlich vorgehen.“

Zahlreiche Investitionen in IoT

Schaut man auf die Ergebnisse internationaler Studien, kann man vor allem bei der Implementierung von Internet-of-Things-Maßnahmen (IoT) kein zögerliches Verhalten feststellen. Laut der BI Intelligence GmbH wird es im Jahr 2020 bereits 34 Milliarden Geräte geben, die übers Internet verbunden sind. Mit 24 Milliarden wird der Anteil an IoT-Geräten dabei sogar deutlich höher sein als der von herkömmlichen PCs, Smartphones, Tablets oder auch Smartwatches. Aus der Studie geht sogar hervor, dass der normale Endverbraucher trotz des Booms von Smartphones und Geräten für die Heimvernetzung erst an dritter Stelle steht, wenn es um die Wachstumsfaktoren rund ums IoT geht. Zwar werden sich die Geräte aus dem Endkundenbereich im Jahr 2020 auf die stolze Zahl von fünf Milliarden summieren. Doch selbst im Regierungsbereich werden dann weltweit bereits 7,7 Milliarden im Einsatz sein. Die Liste anführen – und das deutlich – wird die Unternehmenswelt mit insgesamt 11,2 Milliarden Geräten, so die Studienergebnisse.

Gründe für die Implementierung im Business-Bereich werden in der Studienauswertung ebenfalls genannt. So versprechen sich die Unternehmen durch entsprechende IoT- und Digitalisierungsmaßnahmen niedrigere Produktionskosten, erhöhte Produktivität sowie die Erschließung neuer Märkte und die Entwicklung neuer Produkte. Um diese Ziele zu erreichen, werden anders als bei vielen deutschen Unternehmen offenbar keine Kosten gescheut, denn laut BI Intelligence werden in den nächsten fünf Jahren sechs Billionen US-Dollar in IoT-Lösungen investiert.

„Es ist verständlich und richtig, dass vor allem höhere Investitionskosten immer auf den Prüfstand gestellt werden“, sagt Dr. Andreas Fink, Vorsitzender der M2M Alliance. „Gleichzeitig wäre es fatal für die hiesige Wirtschaft, wenn die Chancen, die die Digitalisierung und das Internet of Things bieten, nicht oder zu spät von den Unternehmen genutzt würden. An der fehlenden Expertise im Haus sollte jedenfalls kein Projekt scheitern. Schließlich ist Deutschland mit federführend, wenn es ums Know-how geht“, betont der Vorsitzende des unabhängigen Branchenverbands. „Wer Hilfe bei der Planung oder auch Umsetzung benötigt, kann sich gerne jederzeit an uns wenden. Es muss also niemand wie das Kaninchen vor der Schlange stehen, weil es im Unternehmen womöglich am notwendigen Know-how mangelt.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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