04.09.2017 Bestes Netz für das Internet der Dinge

Das spricht für Narrowband-IoT

Von: Ina Schlücker

Energieeffizienz und geringe Kosten sprechen für den Einsatz von Narrowband-IoT bei der künftigen Verbreitung des Internets der Dinge, betont Aurelius Wosylus von Sigfox.

Aurelius Wosylus, Sigfox

Aurelius Wosylus, Country and Sales Director Germany bei Sigfox

IT-DIRECTOR: Herr Wosylus, im Umfeld von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge fällt immer wieder der Begriff Schmalband-Internet, neudeutsch Narrowband-IoT (NB-IoT). Was steckt dahinter?
A. Wosylus:
Mit dieser Technologie, die genauer als Low Power Wide Area Network, kurz LPWAN, umschrieben wird, ist die Übertragung einer geringen Datenmenge über weite Distanzen möglich. Die Informationen werden durch Ultra-Schmalband-Technologie an eine Basisstation gesendet, die sie an den Empfänger weiterleitet. In jüngster Vergangenheit wird der Terminus des NB-IoT jedoch umgangssprachlich mit einem Produkt der Telekom verbunden.

IT-DIRECTOR: Welche Vor- und welche Nachteile bringt die Kommunikation via LPWAN mit sich?
A. Wosylus:
Die Vorteile des LPWAN liegen auf der Hand: Es werden nur geringe Datenmengen übertragen – für knapp 80 Prozent aller Anwendungen ist die Menge der übertragenen Informationen ausreichend, sie benötigen keine höhere Bandbreite. Das bedeutet auch, dass die Kosten für den Service relativ gering sind. Im November 2016 haben unsere Partner kostengünstige „Sigfox-verified“-IoT-Module vorgestellt, die einen Preis ab zwei Euro aufrufen – damit sind nun auch wesentlich günstigere Applikationen realisierbar. Zudem ist die Integration solcher Module recht einfach. Das Besondere des LPWAN ist außerdem der extrem niedrige Energieverbrauch: Die Geräte senden Informationen an das Backend ohne externen Stromanschluss und kommen so bis zu zehn Jahre mit lediglich zwei AA-Batterien aus.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist LPWAN hierzulande verbreitet?
A. Wosylus:
Sigfox breitet sich mit Riesenschritten in Deutschland aus. Aktuell ist die deutsche Bevölkerung mit 51 Prozent mit der unserer Technologie abgedeckt und bis Ende des Jahres werden wir 85 Prozent abdecken.

IT-DIRECTOR: Für welche Zwecke wird LPWAN vor allem genutzt?
A. Wosylus:
Den Anwendungsbereichen unserer Technologie sind kaum Grenzen gesetzt. So lassen sich beispielsweise Baugeräte mit Sensoren ausstatten, die ihre Position regelmäßig über unsere Technologie an den Baustellenleiter bzw. an die Zentrale melden. Verändert sich nachts die Position, wird dies gemeldet und man kann von einem Diebstahl ausgehen – und umgehend die Polizei alarmieren. Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Kontrolle der Kühlkette, beispielsweise beim Transport von Lebensmitteln oder Impfseren. Es lassen sich dank der Technologie Containerdaten wie Temperatur, Erschütterung und Neigungswinkel während des gesamten Transportweges messen und an ein System zurückmelden. Ein Unternehmen kann so die Einhaltung der Kühlkette von der Abfahrt bis zur Ankunft nachweisen.

IT-DIRECTOR: Wie ist es bei Datenübertragungen via LPWAN um die Sicherheit bestellt? Wie lässt sich vermeiden, dass IoT-Geräte als Angriffsziele für Hacker dienen?
A. Wosylus:
Da bei unserer Datenübertragung kein aufwendiges IP-Protokoll verwendet wird, können die Geräte weder über eine DDoS „stillgelegt“ noch als DDoS-Bot genutzt werden. Weitere Sicherheitsmaßnahmen wie Verschlüsselung wurden direkt bei der Planung und Entwicklung unserer Produkte berücksichtigt – das gilt für die Daten und die Geräte ebenso wie für unsere Cloud und die Übertragung.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Überwachung und Verwaltung von IoT-Geräten inklusive verschiedener Sensoren an?
A. Wosylus:
Zum einen sollte ein Unternehmen bzw. der Betreiber der Geräte einen ganzheitlichen Überblick über die verbauten Sensoren haben. Diese lassen sich dann über ein Dashboard entsprechend kontrollieren und gegebenenfalls auch steuern. Die Anzahl der Übertragungen pro Tag bzw. in einem vom Eigner bestimmten Zeitraum kann dabei stark variieren. Manche dieser Sensoren müssen nur weniger Male im Monat Daten übertragen, bei anderen ist es wichtig dies mehrmals am Tag zu tun. Gerade bei wichtigen Sensordaten können, durch ein definiertes Monitoring, auch schnell Unregelmäßigkeiten erkannt und behoben werden.

IT-DIREECTOR: Welche Tools gibt es für die Überwachung und Verwaltung von IoT-Geräten und IoT-Netzen?
A. Wosylus:
Mittels API können nahezu alle Cloud-Dienste an die Sigfox-Cloud angeschlossen werden. Hier ist die Auswahl der Partner und somit der Lösungen in Bezug auf Größe und Eignung nahezu unbegrenzt: von Microsoft und Amazon Web Service (AWS) über Cumulocity bis hin zu kleinen, eigenen Lösungen ist alles möglich. Wichtig ist nur die Schnittstelle zwischen den einzelnen Plattformen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit lassen sich klassische Netz- bzw. Systemmanagement-Systeme dafür nutzen?
A. Wosylus:
Klassische Netzwerk- bzw. Systemmanagement-Anwendungen lassen sich nur bedingt zur Überwachung und Verwaltung von IoT-Geräten und IoT-Netzen einsetzen. Manche IoT-Netze bestehen aus Tausenden bis Millionen von Geräten, traditionelle Systeme kommen hier schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Jeder sollte mit einem kompetenten und erfahrenen Partner die Möglichkeiten besprechen. Gerne helfen wir, das passende Produkt zu finden.

IT-DIRECTOR: Welches sind Ihrer Erfahrung nach häufige Fehlermeldungen in IoT-Netzen?
A. Wosylus:
Häufig werden viel zu viele Daten übertragen, mit deren Auswertung die Anwender dann schlicht überfordert sind. Der Begriff des „Big Data“ steht hier im Raum. Dabei lassen sich viele Optimierungspotentiale gerade aus kleinen Daten ziehen.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Problembehebung an, sollten das IoT-Netz oder einzelne IoT-Komponenten einmal ausfallen?
A. Wosylus:
Aus unserer Sicht sind eine schnelle Fehlermeldung und eine spezifische Fehlerlokalisierung extrem wichtig. Je schneller der genaue Fehler analysiert ist, desto schneller lässt er sich beheben, idealerweise per Fernzugriff. Damit ist die Komponente schnell wieder einsatzbereit. Ein kontinuierliches Monitoring aller Elemente sowie eine vorrausschauende Wartung helfen dabei, dass es aber hoffentlich nicht zu solchen Ausfällen kommt.

IT-DIRECTOR: Worauf sollte man bei der Benutzerverwaltung im IoT-Bereich besonderes Augenmerk legen?
A. Wosylus:
Meist gibt es im IoT-Bereich ein großes zentrales Dashboard, von welchem dann einzelne spezifischen Daten extrahiert werden können. Die Benutzerverwaltung sollte daher meist auf die relevanten Bereiche des einzelnen Users ausgerichtet sein, übersichtlich und einfach strukturiert, damit sich alles auf einen Blick erkennen lässt. Ansonsten gelten im IoT die gleichen Regeln wie bei der Unternehmens-IT: Zugriff auf Daten und Anwendungen anhand rollenbasierter Berechtigungen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für die vernetzten Geräte.

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH