IT-Sicherheit für kritische Daten

Data Loss Prevention im Fokus

Interview mit Michael Kretschmer, Managing Director DACH bei Clearswift, über die elementare Bedeutung von Data Loss Prevention (DLP), die Einhaltung interner Richtlinien sowie die größten Sicherheitsgefahren 2015

Michael Kretschmer, Clearswift

Michael Kretschmer, Managing Director DACH bei Clearswift

IT-DIRECTOR: Herr Kretschmer, bislang gilt Clearswift als Hersteller von Data-Loss-Prevention-Lösungen (DLP). Jetzt scheint es eine Neuausrichtung zu geben, in welche Richtung?
M. Kretschmer:
Die Notwendigkeit von Data Loss Prevention wird von zahlreichen Unternehmen als elementar eingestuft, aber unternehmensweite Projektierungen sind oftmals zu komplex und langwierig in der Umsetzung. Gleichzeitig ist – über DLP hinaus – heutzutage für viele Unternehmen die Feststellung des Wertes einer einzelnen Information und deren Absicherung von hoher Wichtigkeit. Die Kategorisierung von Informationen und ihre entsprechende Bewertung erfolgt zumeist auf Fachbereichsebene. Daraus resultierend sollten sogenannte richtlinienbasierte Information-Value-Protection-Lösungen in den Fachabteilungen zum Einsatz kommen.

Bei unbeabsichtigter oder vorsätzlicher Weitergabe von Unternehmensinformationen greifen herkömmliche DLP-Lösungen nicht weit genug. Sie bieten keinen inhalts- und kontextsensitiven Schutz. Mit unserer speziell hierfür entwickelten Lösung wollen wir Informationen vor der unerlaubten Übertragung z.B. auf mobile Endgeräte schützen.

IT-DIRECTOR: Aus welchen Modulen setzt sich die angesprochene Software zusammen?
M. Kretschmer:
Mit dem Critica-Information-Protection-Management-Server und -Agenten (CIP) ergänzen wir unser bisheriges DLP-Portfolio. Er sorgt dafür, dass in allen Kommunikationskanälen in Verbindung mit unseren Gateways ein durchgängiger Schutz von Informationswerten gewährleistet wird. Denn heutzutage werden Daten auf zahlreichen Endgeräten wie USB-Sticks oder Smartphones gespeichert, und gerade hier ist es wichtig, diese in die Sicherheitsstrategie zu integrieren. Wenn beispielsweise ein berechtigter Mitarbeiter eine Tabelle mit personenbezogenen Daten auf einen USB-Stick kopiert, informiert der Agent diese Person. Es besteht nun die Möglichkeit, dass die Daten entweder vor dem Kopieren automatisch verschlüsselt und/oder vorgesetzte Personen über den Kopiervorgang informiert werden. Ein weiteres Szenario: Der Mitarbeiter erstellt eine Tabelle mit personenbezogenen Daten auf einem Notebook, dann protokolliert der CIP-Management-Server die Erstellung der Datei, um bei Verstößen gegen die Unternehmensrichtlinien die notwendigen Schutzmaßnahmen einleiten zu können.

IT-DIRECTOR: Was steckt hinter dem von Ihnen propagierten Begriff „Adaptive Redaction“?
M. Kretschmer:
Jeden Tag gehen wertvolle Unternehmensinformationen verloren, wobei die Datentypen in Unternehmen vielfältig sind – angefangen bei Finanz- und Personaldaten, M&A-Informationen, privaten Kundendaten bis hin zu Sozialversicherungsnummern. Je nach Datentyp kann ein Verlust erhebliche Konsequenzen nachsichziehen. Traditionelle DLP-Lösungen können angewandt werden, um die Gefahr abzuschwächen, aber häufig verhindert der „Stop and Block“-Ansatz den effektiven Gebrauch. Über Adaptive Redaction werden sensitive Informationen in der Kommunikation identifiziert bzw. herausgefiltert, während die unbedenklichen Informationen an die Empfänger weitergeleitet werden.

Dabei wird der Inhalt gescannt und es werden sowohl „sichtbare“ als auch „unsichtbare“ Daten, die gegen die Richtlinien verstoßen, automatisch erkannt und entfernt. Die redigierten E-Mails bzw. deren Anhänge werden dann an den beabsichtigten Empfänger gesendet. Die Änderungen, die dabei stattfinden, basieren auf Unternehmensrichtlinien, die entweder inhaltsabhängig oder personenbezogen definiert werden können.

Die Adaptive-Redaction-Funktionalität basiert auf der Pattern-Analyse und erweitert unsere DLP-Funktionalität. Überdies gewährleistet eine Content Inspection Engine, dass die gesamten Informationen, die elektronisch per E-Mail oder über das Web in und aus dem Unternehmen fließen, einer tiefgreifenden Inhaltsanalyse unterzogen werden.

IT-DIRECTOR: Was planen Sie für das kommende Jahr?
M. Kretschmer:
Wir wollen unsere Marktpräsenz in der DACH-Region weiter ausbauen. So planen wir beispielsweise weitere Büros in Köln und Hamburg. Desweiteren werden wir mit unserem neuen Catalyst-Partnerprogramm und dem Ausbau des Vertriebs unsere Partner aktiv vor Ort unterstützen. Was die technologische Seite betrifft, so werden Cyberkriminelle auch 2015 nicht müde Sicherheitslücken zu suchen und gestohlene Daten für ihre Zwecke zu nutzen. Daten sind heute das „schwarze Gold“ des Informationszeitalters. Für uns ist das Ansporn und Herausforderung zugleich, weiterhin die neuesten technologischen Lösungen anzubieten, um unseren Kunden ein besseres Verständnis und deutlichere Kontrollen ihrer Informationswerte zu ermöglichen.

IT-DIRECTOR: Welche Sicherheitstrends sehen Sie für 2015?
M. Kretschmer:
Immer mehr wertvolle Informationen liegen auf mobilen Endgeräten. Von daher muss der bisherige Unternehmensschutz um die mobile Komponente deutlich erweitert werden: Für die Verantwortlichen ist es immer wichtiger, dass ihre Mitarbeiter nicht nur jederzeit erreichbar, sondern auch in der Lage sind, von jedem Ort aus auf Daten zugreifen zu können. Der Umfang an Anwendungen, zu denen heute Nutzer über die Cloud Zugriff haben, steigt stetig. Damit erhöht sich jedoch auch das Risiko, dass Smartphones oder Tablets zum Angriffsziel von Kriminellen werden bzw. dass darüber unbeabsichtigter Weise Informationen abfließen.

Desweiteren werden Attacken über soziale Medien weiter zunehmen – das wird zahlreiche Unternehmen vor eine neue Herausforderung stellen: Erst vor kurzem hat Facebook angekündigt, seine Plattform stärker für die geschäftliche Nutzung auszubauen. Bereits heute gibt es nur noch wenige Unternehmen, die keine Präsenz in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook und LinkedIn haben. Die geschäftliche Nutzung dieser Medien wird steigen; sie werden als Kommunikations- und Handelsplattform für Kunden, Lieferanten und Partner eingesetzt. Wichtig wird es 2015 daher werden, dem als Unternehmen mit entsprechenden Sicherheitsstrategien entgegenzuwirken und die unbefugte oder versehentliche Weitergabe bzw. Verbreitung kritischer Informationen zu verhindern.

Nicht zuletzt muss das Internet der Dinge stärker gesichert werden: Dem „Internet of Things“ wird besonders im industriellen Bereich ein großes Potential zugesprochen. Dadurch rücken Industrieunternehmen stärker in den Fokus von Cyberkriminellen. Künftig wird es möglich, nicht nur Daten über den Betrieb eines Produktes zu erfassen und zu visualisieren, sondern auch diese Daten per Cloud-Anbindung für einen größeren Nutzerkreis und über verschiedene Endgeräte zugänglich zu machen. Mit steigender Anzahl von Geräten, die mit dem Internet of Things verbunden werden, müssen die Zugriffskontrollen verstärkt und die personenbezogenen Daten durch Unternehmen noch stärker geschützt werden.

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