„Durch standardisierte Systeme und Applikationen kann man kostengünstig outsourcen und die Skaleneffekte des IT-Spezialisten nutzen“, weiß Dr. Béla Waldhauser, CEO von Telehouse.
IT-DIRECTOR: Herr Dr. Waldhauser, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Großunternehmen an IT-Outsourcing innerhalb Deutschlands?
Dr. B. Waldhauser: Immer mehr Unternehmen stellen sich die klassische Make-or-buy-Frage: Eigenbetrieb eines Rechenzentrums versus Outtasking, bis zu komplettem Outsourcing der IT-Landschaft in ein externes Rechenzentrum. Die steigende Anzahl der Ausschreibungen großer Konzerne für IT-Outsourcing verdeutlicht die Präsenz dieser strategischen Überlegung auf Führungsebene. Eine detaillierte Marktanalyse mit dem Titel „Data Centers in Germany“, von der Broadgroup im Jahr 2012 recherchiert, ergab, dass 85 Prozent der befragten Unternehmen ihr eigenes Rechenzentrum betreiben. Für 2015 wird ein Prozentsatz von 79 in Deutschland prognostiziert.
IT-DIRECTOR: Unter welchen Umständen sind die Unternehmen auch bereit, auf Rechenzentren außerhalb Deutschlands zu vertrauen?
Dr. B. Waldhauser: Bei dieser Strategie – Fremdeinkauf von Rechenzentrumsbetrieb und -dienstleistungen – ist Kostenreduktion der treibende Faktor bei den Unternehmern. Der Einspareffekt kann durch Nutzung eines Standortes außerhalb Deutschlands vergrößert werden. Der Reduktionseffekt der Betriebs- und Stromkosten für den operativen Betrieb, bedingt durch die hohen Stromkosten und Abgaben in Deutschland, kann in Europa gesteigert werden. Luxemburg ist ein gutes Beispiel. Diese Enklave ist für Gaming-Anbieter sowie für namhafte globale Unternehmen unter Wirtschaftlichkeitsaspekten als Rechenzentrumsstandort interessant geworden.
Irland und Skandinavien sind Alternativen, um ganzjährig Vorteile mit der Kühlung zu haben, wenn für Unternehmen Green IT im Fokus steht. Neben Kostenersparnis geht es um nachhaltiges Wirtschaften durch Schonung der Umwelt.
IT-DIRECTOR: Welche Ziele verfolgen Unternehmen generell mit IT-Outsourcing?
Dr. B. Waldhauser: Im Kern geht es darum, durch Standardisierung Komplexität und Kosten zu reduzieren. Denn durch standardisierte Systeme und Applikationen kann man kostengünstig outsourcen und die Skaleneffekte des IT-Spezialisten nutzen. Darüber hinaus gilt es, Kapitalinvestitionen in Nicht-Kernbereiche zu reduzieren und damit genügend finanzielle Mittel für den Ausbau des Kerngeschäftes zur Verfügung zu haben.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt ein „atmendes Geschäftsmodell“? Was ist darunter zu verstehen?
Dr. B. Waldhauser: Diese Beschreibung bezieht sich auf den Ansatz, grundsätzlich nur so viel Leistung abzunehmen, wie gerade gebraucht wird, aber nach oben und unten eine offene Skala für mehr oder weniger zu haben; Option auf mehr oder auch weniger Fläche und flexible Bandbreite, um Wachstum und Peak-Zeiten beim Datenverkehr abzufangen. Für Cloud-Anwendungen ist dieses Nachfrageverhalten ganz bezeichnend. In sein eigenes Geschäftsmodell reinzuwachsen, als ein Pay-as-you-grow-Konzept, ist für junge Unternehmen ein „atmendes Geschäftsmodell“.
IT-DIRECTOR: Welche Herausforderungen bringen die Wünsche der Kunden für die RZ-Anbieter mit sich?
Dr. B. Waldhauser: Kunden haben den Anspruch und somit den Wunsch an Rechenzentrumsanbieter nach hoher Skalierbarkeit und Flexibilität. Dies ist durch die schnelle Entwicklung im Markt auf der Nachfrageseite und Herstellerseite bedingt. Was ein Unternehmen beispielsweise in drei bis fünf Jahren an Infrastruktur und Anwendungen braucht, ist schwer vorhersehbar. Das betrifft auf der Infrastrukturseite im Wesentlichen die Größe der benötigten Rechenzentrumsfläche, die Dichte der Stromversorgung und die Leistung der Klimatisierung.
Für Rechenzentrumsbetreiber ist der typische Planungszeithorizont zehn bis 15 Jahre. Im RZ-Bereich ist es daher eine große Herausforderung, dem vitalen Anspruch der Kunden an Skalierbarkeit und Flexibilität gerecht werden zu können. Durch das moderne Infrastrukturdesign und die räumlichen Expansionsmöglichkeiten können wir diese Anforderung bedienen.
IT-DIRECTOR: Warum sind RZ-Betreiber laufend Investitionen ausgesetzt?
Dr. B. Waldhauser: In die bestehende Infrastruktur wird nicht laufend investiert. Die Hauptaufwendungen gehen in die präventive Wartung, in Reparaturen und in Instandhaltungsmaßnahmen. Hier rechnen RZ-Betreiber jährlich mit sechs- bis siebenstelligen Beträgen, je nach Größe des Rechenzentrums. Neuinvestitionen in die bestehende Infrastruktur kommen nur infrage, wenn Geräte das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben und daher ausgetauscht werden müssen. Darüber hinaus werden aber jährlich Millionen in neue und moderne RZ-Flächen investiert.
IT-DIRECTOR: Wie können die Investitionen wieder eingespielt werden?
Dr. B. Waldhauser: Um Primärinvestitionen wieder einzuspielen, sind ein hoher Auslastungsgrad und eine Vielzahl langfristiger Mietverträge mit Kunden wichtig. Nur so kann sich der hohe Kapitaleinsatz in einem angemessenen Zeitraum amortisieren und eine Planungssicherheit ist möglich.
IT-DIRECTOR: Welche Möglichkeiten gibt es, um den Wunsch der Anwenderunternehmen nach hoher Skalierbarkeit und die relativ statischen Strukturen (bauseitig) auf Anbieterseite besser in Einklang zu bringen?
Dr. B. Waldhauser: Das Design der RZ-Konzepte ist heute wesentlich flexibler ausgelegt. Das führt dazu, dass Rechenzentrumsbetreiber ihren Kunden bei Bedarf mehr Leistungsdichte auf der vermieteten Fläche anbieten können. Der Wunsch der Kunden nach Skalierbarkeit wird kontinuierlich weiter durch Investitionen in neue Flächen erfüllt.