Evan Powell, CEO von Nexenta Systems, sieht überzeugende Argumente für Open-Source-Lösungen – von den Einsparungen bei den Lizenzkosten bis hin zur Flexibilität beim Einsatz.
IT-DIRECTOR: Herr Powell, Open Source (OS) hat es im professionellen Umfeld auch heute noch schwer. Nach wie vor werden quelloffene Lösungen als nicht unternehmensreif gebrandmarkt. Doch inwieweit ist dies tatsächlich der Fall?
E. Powell: Seitdem sich die Free Software Foundation in den frühen 1980ern gebildet hat, ist Open Source erwachsener geworden – und das nicht nur bei Speicher. Die Community hatte schon lange den Wunsch, professionelle Lösungen auch für Unternehmen zu erstellen, die einerseits kommerziell nutzbar sind, aber auch kostengünstig in der Anschaffung.
Aber es stimmt schon, ursprünglich war es für viele Organisationen schwierig, Open Source als brauchbaren Ansatz für die Entwicklung von Qualitätssoftware zu akzeptieren. Diese Auffassung ändert sich seit einiger Zeit, seitdem immer mehr Firmen und auch die öffentliche Verwaltung auf Open-Source-Software setzen. Warum auch nicht? Open Source bietet überzeugende Argumente – von den Einsparungen bei den Lizenzkosten bis hin zur Flexibilität beim Einsatz. In der Speicherbranche nehmen Firmen gute quelloffene Lösungen bereitwillig an, wenn Sicherheit, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit stimmen.
IT-DIRECTOR: Können Sie uns Beispiele nennen, wo Open Source den Sprung in das 21. Jahrhundert geschafft hat?
E. Powell: Es ist ein wenig wie bei Darwins Evolution. Diejenigen, die sich anpassen können, werden überleben; diejenigen, die starr und unflexibel bleiben, sterben langsam aus. Zu den Überlebenden gehört etwa der Apache Webserver, der einen Großteil des Internets bedient. Der Firefox-Browser hat ebenfalls einen bedeutenden Marktanteil erobert. Wordpress, Joomla, Drupal und Plone sind weitverbreitete Content-Management-Systeme und bei CRM-Software sind SugarCRM und CiviCRM wichtige Optionen.
IT-DIRECTOR: Für viele Firmen sind ihre Daten und das Rechenzentrum mittlerweile einer ein wichtiger Vermögenswert. Können sich diese Firmen auf Open Source verlassen?
E. Powell: In der Tat sind Daten nach den Mitarbeitern das wichtigste Gut. Die Datenmengen wachsen in vielen Fällen exponentiell an, was in der Regel auch zu einem exponentiellem Anstieg der Kosten für Speicher geführt hat. Dort liegt der Hase im Pfeffer – denn nun setzen sich viele Firmen erstmals aktiv mit ihren Speicherkosten auseinander und suchen nach Optionen, das Datenwachstum intelligenter zu managen. Und da bietet Open Source spannende technische Ansätze: Das ZFS-Dateisystem der Community Illumos.org beispielsweise ist ein Dateisystem mit integriertem logischen Volume-Manager, das Datenintegrität gegen Datenkorruption bietet, hohe Speicherkapazitäten unterstützen kann und zahlreiche Funktionen bietet, die sonst nur bei teuren Systemen proprietärer Speicheranbieter zu finden sind. Der Marktanteil für Open Storage wächst seit Jahren stetig, weil traditionelle Systeme einfach zu teuer und zu unflexibel sind.
IT-DIRECTOR: In Statements haben Sie jüngst die Anbieter von proprietären Speichersystemen beschuldigt, deren Kunden mit unnötigen Aufschlägen auf die Hardware zu bestrafen. Können Sie das genauer erklären?
E. Powell: Das Konzept, Kunden an ein Produkt zu binden, ist nicht neu. Das berühmteste Beispiel stammt von John D. Rockefeller, dem Besitzer von Standard Oil und dem reichsten Menschen der Neuzeit. Im frühen 20. Jahrhundert begann seine Firma, Kerosinlampen mit einem langen Glashals sehr günstig in China zu verkaufen. Er verkaufte zwei Millionen davon pro Jahr an chinesische Bauern und verdiente anschließend sein Vermögen damit, ihnen teures Kerosin zu verkaufen, das sie sonst nirgendwo anders bekommen konnten. Ein anderes Beispiel ist der Markt für Rasierer. Man kauft einen recht guten Rasierer, der sehr günstig ist. Die Rasierklingen jedoch sind exorbitant teuer. Etwas näher an unserem Thema, der IT, hat sich das Konzept auch bei Druckern und den zugehörigen Druckerpatronen etabliert.
Genau dieses Konzept bestimmt auch den Speichermarkt. Hat man sich erst einmal für einen Hersteller entschieden, findet man schnell heraus, dass der Geist von Rockefeller lebt. Zum Beispiel ist es schwierig, Daten von Systemen proprietärer Hersteller auf ein neues, günstigeres System zu migrieren. Und wer sich erst einmal an seinen Hersteller gebunden hat, findet schnell heraus, dass Kapazitätserweiterungen mit massiven Preisaufschlägen versehen sind – sogar für zusätzliche Festplatten, die ja auf dem Markt frei gehandelt werden. Die Hersteller haben natürlich kein Problem damit, Milliarden mit überteuerten Verbrauchsgütern zu verdienen. Der Effekt ist jedoch, dass dies den Markt für Speicher für die Kunden generell verzerrt. Speicher müsste keinesfalls so teuer sein, wie er derzeit ist. Viele Kunden fragen sich deshalb zu Recht, warum sie immer mehr für ihren Speicher bezahlen sollen, wo doch die Preise für Festplatten seit Jahren fallen.
IT-DIRECTOR: Wie kann Open Storage helfen, diese Kosten zu minimieren?
E. Powell: Open Storage hat eine offene Architektur und kann deshalb mit Standardhardware betrieben werden. Wenn Unternehmen also ihre Speicherhardware bei einer großen Anzahl von Anbietern auswählen können, sinkt der Preis. Außerdem können Systeme einfacher migriert werden und man kann Hardware viel günstiger hinzufügen. Auch ist man nicht an die Roadmap eines Herstellers gebunden und bezahlt somit auch keine Speichersteuer beim nächsten Upgrade, was bei proprietären Systemen leider häufig der Fall ist. Beim Nutzen von Open Storage werden die künftigen Investitionen eher geringer, ganz im Gegensatz zu den Produkten von proprietären Systemen, wo Preise wegen neuer Lizenzen oder zusätzlicher Hardware eher nach oben gehen.
Unsere Lösung „NexentaStor“ basiert auf dem ZFS-Dateisystem und enthält alle gängigen Funktionen für Großunternehmen. Damit kauft man ein Paket, bei dem schon zu Beginn klar ist, wie die Kosten für möglicherweise zukünftig nötige Erweiterungen aussehen.
IT-DIRECTOR: Zu den wichtigen IT-Trends zählen derzeit Cloud-Dienste und Virtualisierung. Kann Open Source in diesen Bereichen mithalten?
E. Powell: Absolut. Open Stack oder Cloud Stack und Eucalyptus sind bekannte Optionen. Eine Umfrage von Right Scale hat vor Kurzem herausgefunden, dass 41 Prozent der Befragten bei der Planung einer Private Cloud auf Open Source setzen wollen. Auch VMware hat vor Kurzem eine Cloud-Umgebung, genannt Serengeti, angekündigt, die die OS-Plattform Hadoop in virtuellen und Cloud-Umgebungen unterstützen wird.
Auch unsere Lösung ist mit dabei – sie unterstützt Private und Public Clouds über alle gängigen Speicherprotokolle, sowohl für NAS als auch SAN, inklusive NFS, CIFS, WebDAV, FTP, iSCSI and Fibre Channel. Und auch für Virtualisierung ist ZFS eine hervorragende Basis. Es ermöglicht die Provisionierung von VM Storage Policies. Das macht eine einfache Verwaltung von einem einzelnen Interface zahlreicher Virtualisierungpartner möglich, inklusive VMware, Citrix und Microsoft.