Cloud Computing: Interview mit Peter Ganten, Univention

„Der Hybrid-Ansatz ist die Zukunft“

Interview mit Peter H. Ganten, Geschäftsführer der Univention GmbH in Bremen, über die Verwaltung und das Verbesserungspotential von Hybrid Clouds

P. H. Ganten, Univention

„Niemand möchte Benutzer, Rollen und Rechte einmal für seine interne IT und zusätzlich für sämtliche Cloud-Services verwalten“, betont Peter H. Ganten, Geschäftsführer der Univention GmbH.

IT-DIRECTOR: Herr Ganten, welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema „Cloud Computing“ für das Jahr 2014 zu?
P. H. Ganten:
Neben Mobile, Social und Big Data bleibt Cloud Computing auch 2014 eines der vier großen Meta-Themen in der IT. Inzwischen ist das Thema „Cloud“ aber in der Realität angekommen. Es wird weniger schwarz oder weiß gesehen, sondern es gibt eine differenziertere Betrachtung der Chancen und Risiken. Dabei haben die Überwachungsskandale des vergangenen Jahres den Fokus bei einigen Marktteilnehmern auf die Risiken gelenkt, was eigentlich unbegründet ist, denn das Thema „Überwachung“ betrifft die gesamte IT, nicht nur Cloud Computing.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Interesse der Großunternehmen an der Wolke im Vergleich zum Vorjahr gestalten?
P. H. Ganten:
Großunternehmen haben schon in der Vergangenheit einen sehr professionellen Umgang mit dem Thema bewiesen. Das wird sich 2014 fortsetzen. Das heißt, überall dort, wo Cloud Computing Vorteile bringt und die Risiken kontrollierbar erscheinen, wird es mittelfristig auch eingesetzt werden.

IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
P. H. Ganten:
Die Einrichtung einer privaten Cloud ist für viele Unternehmen der nächste Schritt auf dem Weg zur Konsolidierung und Effizienzsteigerung ihrer internen IT und geht damit den Weg weiter, der bereits mit dem Trend zur Virtualisierung eingeschlagen wurde. Der Betrieb interner IT in Großunternehmen nach dem Modell „Cloud Computing“ wird sich deswegen zum Standardmodell entwickeln. Die Nutzung öffentlicher Clouds erfordert bei kritischen Daten und Prozessen eine sehr viel eingehendere Prüfung von Dienstleistern und Verträgen, sodass wir dies eher später in Kernbereichen mit sensiblen Daten sehen werden.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt wiederum die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
P. H. Ganten:
Die Vermischung lokaler Dienste mit Diensten aus der öffentlichen Cloud ist die Zukunft, denn Unternehmen können so in jedem Einzelfall die beste, kostengünstigste und effizienteste Lösung verwenden.

IT-DIRECTOR: Wann ist der Einsatz einer Hybrid Cloud sinnvoll? Was gibt es für konkrete Anwendungsszenarien?
P. H. Ganten:
Das klassische Anwendungsbeispiel sind Infrastructure-as-a-Service-Umgebungen (IaaS), in denen virtuelle Maschinen bei erhöhter Last aus dem Rechenzentrum eines Unternehmens in eine öffentliche Cloud verlegt werden. Als hybrid würden wir aber auch Umgebungen bezeichnen, bei denen bestimmte Teile der IT gewollt im Unternehmen betrieben und andere von verschiedenen Cloud-Anbietern hinzugekauft werden und alles trotzdem in eine einheitlich administrier- und benutzbare Gesamtumgebung integriert ist.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
P. H. Ganten:
Das lässt sich natürlich nie generell beantworten und hängt von dem jeweiligen Szenario ab. IaaS-Umgebungen an öffentliche Cloud-Umgebungen anzubinden, wird langsam zum Standardverfahren und ist dadurch relativ einfach und schnell möglich. Die sichere und transparente Integration von Cloud-Anbindungen mit der lokalen IT kann hingegen abhängig vom jeweiligen Dienst recht aufwendig sein.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Umgebung oder umgekehrt?
P. H. Ganten:
Die Voraussetzung für einen solchen Datentransport ist immer ein VPN. Hier gibt es von den unterschiedlichen Cloud-Anbietern geeignete Hard- und Softwarelösungen.

IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in der Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid Cloud ablegt?
P. H. Ganten:
Um hier den Überblick zu behalten, bedarf es zunächst einmal einer Policy, die beschreibt, was in die Cloud ausgelagert werden darf und was nicht. In einigen Fällen wird sich das je nach Cloud-Anbieter unterscheiden. Bei der Auswahl von aus der Cloud bezogenen Diensten und der Integration dieser Dienste ist die Einhaltung dieser Policy dann Pflicht. In Umgebungen, wo Dienste oder virtuelle Instanzen bedarfsgesteuert zwischen privater und öffentlicher Cloud verschoben werden können, darf diese Frage hingegen keine Rolle spielen. Hier muss alles in die Cloud ausgelagert werden dürfen.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich grundsätzlich die Verwaltung von Lizenzen in Hybridlandschaften?
P. H. Ganten:
Viele Anbieter unterstützen Bring-your-own-License-Modelle, die das Thema recht einfach machen. Falls nicht, kann es komplex werden.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen hier Management-Tools?
P. H. Ganten:
Bezüglich des Managements von Lizenzen fühle ich mich nicht berufen, hier zu antworten. Generell lässt sich jedoch sagen, dass jede verwendete offene Lizenz bzw. Open-Source-Lizenz die Komplexität dieses Themas etwas reduziert. Ansonsten sind geeignete Management-Tools mit einer einheitlichen Sicht auf lokale IT und Cloud der Schlüssel zur effektiven Administration solcher hybriden Cloud-Umgebungen.

IT-DIRECTOR: Welche Abrechnungsmodelle gibt es und mit welchen Kosten ist bei einer Hybrid Cloud im Vergleich zur Private und Public Cloud zu rechnen?
P. H. Ganten:
In der Regel werden hybride Clouds ja nicht als solche angeboten, sondern entstehen aus der Integration von privater Cloud mit öffentlichen Angeboten. Die Abrechnung des öffentlichen Teils entspricht dabei den normalen Abrechnungsmodellen für öffentliche Clouds.

IT-DIRECTOR: In welchen Punkten sind Hybrid Clouds noch „ausbaufähig“ bzw. „verbesserungsbedürftig“?
P. H. Ganten:
Oft geht es schon mit einem einheitlichen Identity-Management los. Niemand möchte Benutzer, Rollen und Rechte einmal für seine interne IT und zusätzlich für sämtliche Cloud-Services verwalten. Die Möglichkeiten zur Integration sind da sowohl bei den in der Cloud laufenden Anwendungen als auch in der bestehenden Infrastruktur von Unternehmen begrenzt. Das gleiche gilt für Themen wie Single-Sign-On oder den Datenaustausch zwischen „Cloud“ und „Lokal“. Techniken wie SAML können hier Abhilfe leisten, haben sich aber noch nicht überall durchgesetzt. In unserem Univention Corporate Server (UCS 3.2) haben wir bereits SAML mit dem Rechtemanagement per Active Directory für eine zentrale Rechteverwaltung integriert und so zumindest auf Unternehmensseite die technischen Voraussetzungen für ein einheitliches Identity-Management geschaffen. Das hilft allerdings alles nichts, wenn ein Cloud-Anbieter nicht damit umgehen kann.

IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Hybrid Cloud voraus?
P. H. Ganten:
Der Hybrid-Ansatz ist die Zukunft. Bestimmte Dienste wird man in Unternehmen ab einer bestimmten Größe immer lokal fahren wollen, einen vollständigen „Cloud-only“-Ansatz sehen wir zukünftig nur in sehr kleinen Unternehmen mit in der Regel weniger als fünf Mitarbeitern. Gleichzeitig ist die Nutzung öffentlicher Cloud-Angebote auch für größere Unternehmen einfach der effizientere Weg. Die Kunst wird es sein, beides zu einer homogenen IT-Umgebung zu verbinden, die zentral verwaltet wird und in der Benutzer keine künstlichen Grenzen spüren.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok