Design Thinking ist ein Ansatz zur Problemlösung für alle Lebenslagen.
Kernelemente bzw. Prozesse des Design-Thinking-Ansatzes
Die Herangehensweise „Design Thinking“ berücksichtigt die Bedürfnisse von Menschen, die Möglichkeiten von Technologie und die Anforderungen für den Geschäftserfolg. Geprägt wurde der Begriff in den 60er-Jahren. Zu den damaligen Anwendungsfällen gehörten Architektur, Stadtplanung und Ingenieurwesen.
Folgende Kernelemente bzw. Prozesse bilden das Grundgerüst des Design-Thinking-Ansatzes:
Angefangen wird stets beim Menschen. Es gilt, dessen Motivation und Bedürfnisse zu verstehen und auch das menschliche Verhalten muss genau beobachtet werden. Diese Herangehensweise, sich mit der Frage auf einer emotionalen Ebene zu beschäftigen, ist auch als Empathie bekannt.
Gerade im frühen Stadium ist es entscheidend, Schlüsselfiguren zu identifizieren und mithilfe verschiedener Techniken das Problem aus deren Sichtweise einzugrenzen. Nur so ist Design Thinking überhaupt zielführend.
Sobald das Hauptproblem definiert ist, werden Ideen gesammelt, die letztlich anhand von drei kritischen Faktoren beurteilt werden: menschliche Erwünschtheit (desirability), wirtschaftliche Rentabilität (viability) und technologische Machbarkeit (feasibility).
Sobald Ideen gefunden wurden, müssen Protoypen entwickelt und getestet werden. Endnutzer testen Protoypen unterschiedlicher Reifegrade, bis ein Produkt gefunden worden ist, das alle Mindestanforderungen erfüllt. Dies bildet die Grundlage für künftige Entwicklungen.
Damit die Teams ihren Kreativprozess entwickeln können, benötigen sie dafür die richtigen räumlichen Gegebenheiten. Dies können bewegbare Möbel sein, ausreichend Platz für Whiteboards und Präsentationsflächen sowie Materialien zur Prototypenerstellung von Ideen. Auf diese Weise wird die Zusammenarbeit zu einem dynamischen Erlebnis für alle Beteiligten.
Design Thinking kann dazu verwendet werden, strategische Schlüsselprobleme zu identifizieren oder vage formulierte Herausforderungen zu spezifizieren. So lassen sich u.a. wichtige Ansätze formulieren, mit denen die jeweilige Zielgruppe besser erreicht werden kann. In einem kommerziellen Umfeld kann Design Thinking beispielsweise dabei helfen, zu analysieren, warum neue Produkte nicht den Kundenwünschen entsprechen.
In der IT können mit Design-Thinking-Anforderungen identifiziert und das User Engagement für einen Transformationsprozess vorangetrieben werden. Statt linearer IT-Bereitstellungsprozesse kann eine IT-Abteilung geschaffen werden, die schnell auf verschiedene Probleme reagiert. Jede Arbeit im digitalen Raum involviert fast unvermeidbar Design Thinking.
Zu Beginn ist es sinnvoll, sich an anderen Unternehmen zu orientieren, die bereits bei der Umsetzung Erfolg hatten. Erfahrungsgemäß sind jedoch die Nutzer am erfolgreichsten, die mit Hilfe erfahrener Design Thinking Coaches die notwendige Kernkompetenz über verschiedene Funktionen, Abteilungen oder gar Unternehmen hinweg etablieren.
Ein bekanntes Anwendungsbeispiel von Design Thinking ist Embraceglobal.org. Die Herausforderung war, einen Brutkasten zu entwickeln, der weniger als ein Prozent des aktuellen Baupreises kostet. Feldstudien ergaben, dass nicht billigere Brutkästen der Säuglingssterblichkeit am ehesten entgegenwirken. Der beste Weg war es vielmehr, Frühchen auf dem Weg zum Krankenhaus so lange wie möglich warm zu halten. Das Produkt von Embrace hat bisher mehr als 200.000 Babys geholfen.
* Die Autoren: Phil Loewen, Associate Partner bei Infosys, und Jonathan Ebsworth, Partner bei Infosys
Bildquellen: Thinkstock/iStock, Infosys