13.04.2016 IT als Hindernis

Die ausgebremste digitale Transformation

Von: Ingo Steinhaus

Unternehmen nutzen zu oft noch langsam veraltende technische Konzepte und verpassen so die Chance zur Digitalisierung.

Ein großes Hindernis für die digitale Transformation von Unternehmen ist oft der Fachbereich, der eigentlich als „Enabler“ dafür verantwortlich sein sollte: Die IT. Denn die in den Unternehmen eingesetzte Technologie ist trotz aller Modernisierungsmaßnahmen häufig noch auf einem konzeptionellen Stand, wie er vor gut zehn Jahren üblich war.

Gut jeder zweite deutsche Arbeitnehmer findet die vom Arbeitgeber bereitgestellte Technologie unzureichend für den Berufsalltag. Sie bemerken eine große technologische Lücke zu der privat verwendeten Hardware. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Fuze, einem Dienstleister für Unternehmenskommunikation. Die Ergebnisse zeigen die Erwartungen von 5.000 Arbeitnehmern und 2.500 Jugendlichen an ihren Arbeitsplatz.

Besonders interessant an dieser Studie sind die Erkenntnisse von jungen Leuten über ihre Arbeitsplätze. Es herrscht ein großes Ungleichgewicht zwischen den Erwartungen und der tatsächlich vorgefundenen Realität. Für ältere Arbeitnehmer sind herkömmliche Festnetztelefone, Faxgeräte, Desktopcomputer, Drucker, Stifte und Papier wichtige Gegenstände am Arbeitsplatz. Jugendliche denken da anders: Sie sehen das Smartphone als unverzichtbares Arbeitsgerät. Gut drei Viertel der befragten Jugendlichen in Deutschland finden es wichtig, am Arbeitsplatz die neueste Technologie einzusetzen.

Private Hardware top, Bürotechnik flop

„Die App-Generation ist mit mobilen Geräten aufgewachsen. Sie sind es gewohnt, alles mit ihrem Smartphone zu erledigen, vor allem die Kommunikation. Die aktuelle Unternehmenstechnologie ist nicht annähernd bereit dafür“, meint Luca Lazzaron, Senior Vice President of International Operations, bei Fuze.

Diese Spaltung zwischen dem privaten Einsatz modernster digitaler Technologien und der häufig noch halb im EDV-Zeitalter steckenden Business-IT zeigt sich sogar bei den Führungskräften. Die Studie „Digital Leader - Leadership im digitalen Zeitalter“ von Crisp Research im Auftrag von Dimension Data ergab, dass moderne digitale Technologien wie Mobilgeräte im geschäftlichen Umfeld bei 40 Prozent der befragten Entscheider keine Rolle spielen. Aber zwei Drittel nutzen solche Technologien im privaten Alltag.

Das eigentliche Problem in den Unternehmen entsteht erst durch die Gewöhnung der Mitarbeiter an diesen unbefriedigenden Zustand. „Das klappt mit unserer IT nicht, also lassen wir es gleich bleiben“ ist eine typische, resignierte Aussage von Mitarbeitern angesichts fehlender Digitalprojekte. Dies führt dann im Laufe der Zeit zu etwas, was der Digitalisierungsberater Peter Hogenkamp im Anschluss an den Social-Media-Experten Alan Lepofsky als Fehlen von „Digital Proficiency“ (Ungefähr: Digitale Befähigung) bezeichnet.

„Was die Mitarbeiter brauchen, ist eine natürliche Vertrautheit mit Technologie, mit der sie ihre Organisation in der digitalen Transformation vorwärtsbringen“, betont Hogenkamp in seinem Blog. „Außer dem Wissen braucht es ein offenes Klima und eine neugierige Haltung gegenüber Innovationen aller Art.“

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