Thomas Muth, Eurowings

Die Balance schaffen

Interview mit Thomas Muth, Vice President Information Technology der Eurowings GmbH in Düsseldorf, darüber, dass Sicherheit nicht die Arbeit behindern darf

Thomas Muth, Eurowings

Thomas Muth, CIO bei Eurowings

IT-DIRECTOR: Herr Muth, die Eurowings GmbH  ist eine Fluggesellschaft im Regionalverbund der Deutschen Lufthansa mit 23 Flugzeugen und rund 820 Mitarbeitern. Welchen Herausforderungen steht die IT der Eurowings aktuell gegenüber?
T. Muth:
Es sind die Kernherausforderungen, denen alle Fluggesellschaften und sicher auch viele andere Unternehmen gegenüberstehen: Daten und Anwendungen hochverfügbar überall und jederzeit zur Verfügung zu stellen, damit die Kollegen am Boden und in der Luft ihren Job machen können. Zugleich brauchen wir flexible Systeme, müssen Sicherheit gewährleisten und die Kosten im Griff behalten.

IT-DIRECTOR: Welche Strategie verfolgen Sie, um diese ­Balance zu schaffen?
T. Muth:
Gemeinsam mit meinem Team verfolge ich eine zentrale Maxime: Wir betreiben keine IT aus Eigennutz, sondern tun nur Dinge, mit denen wir einen Nutzen für Eurowings produzieren. Alles andere lagern wir aus. Deshalb war es aus unserer Sicht folgerichtig, den Betrieb des Rechenzentrums und der SAP-Anwendungen an einen Dienstleister auszulagern.

IT-DIRECTOR: Welche konkreten Umstände haben Sie zum Outsourcing bewogen?
T. Muth:
Als ich im Januar 2011 meine Aufgabe bei der Eurowings übernommen habe, fand ich eine historisch gewachsene Situation in der IT vor. Rechenzentrum und SAP wurden von anderen Konzernteilen mitbetrieben. Dafür gab es aber keine Service Level Agreements (SLA). Darüber hinaus stand der Umzug von Eurowings an den neuen Standort nach Düsseldorf an. Es stellte sich also die Frage, ob wir viel Geld investieren, um eine neues Rechenzentrum aufzubauen, schwer zu findendes Fachpersonal einstellen und Infrastruktur sowie Mitarbeiter künftig immer auf dem neusten Stand halten – oder ob wir nicht besser aus-lagern.

IT-DIRECTOR: Welche Kriterien haben Sie bei der Auswahl des Dienstleisters angelegt?
T. Muth:
Uns war es wichtig, einen Dienstleister zu finden, der ein fundiertes Technologie-Know-how mitbringt, die komplexen Geschäftsprozesse einer Fluggesellschaft versteht und Erfahrung sowohl im sicheren und zuverlässigen Betrieb von Infrastrukturen und Applikationen hat als auch mit Migrationsprojekten. Zu den Dienstleistern, die das können, gehört Lufthansa Systems, für die wir uns am Ende bewusst auch deshalb entschieden haben, weil sie zum Konzern gehören. Ich finde es richtig, solche Projekte in einem Konzern zu belassen, wenn die fachlichen und kaufmännischen Kriterien es erlauben.

IT-DIRECTOR: Welche Anwendungen werden extern für
Eurowings betrieben?
T. Muth:
Das sind zum einen 42 Systeme im Rechenzentrum, darunter alle zentralen Anwendungen für den Flugbetrieb. Die Palette der Dienstleistung reicht hier vom Full-Service-Management bis zur reinen Bereitstellung der Hardware. Zum anderen sind es die Basis und der Applikationsbetrieb für SAP mit allen Modulen wie FI, HR, MM und anderen. Beide Bereiche haben wir jeweils in einem eigenständigen Projekt ausgelagert. Allein das Know-how für das Servicemanagement des SAP-Systems haben wir im Haus aufgebaut, um als Schnittstelle zwischen unseren Fachbereichen und dem Dienstleister fungieren zu können. Das war uns wichtig, damit wir auf beiden Seiten als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen werden.

IT-DIRECTOR: Solche Outsourcing-Projekte sind meist sehr aufwendig. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
T. Muth:
Wir haben gute Erfahrungen gemacht, denn durch die gemeinsamen Anstrengungen meines Teams und der Mitarbeiter des Dienstleisters ist es uns gelungen, die Projekte mit wenigen Störungen und Unterbrechungen für die Eurowings-Kollegen durchzuführen. Dabei haben wir die komplette Auslagerung in vier Monaten umgesetzt, was für diese Dimension beachtenswert ist.

IT-DIRECTOR: Sie haben die Sicherheit der Daten als eine zentrale Herausforderung beschrieben. Wie ist die im Outsourcing und in der Cloud gewährleistet?
T. Muth:
Wenn man Anwendungen und Daten an einen renommierten Dienstleister mit einem modernen Rechenzentrum auslagert, ist man in Sachen physikalischer Datensicherheit auf der sicheren Seite. Auch wenn die Daten in der Cloud liegen. Allein aus technologischer Sicht machen wir Cloud Computing schon seit Jahren, deshalb war ich da nicht ängstlich. Uns war der Datenschutz und dabei ein juristisches Kriterium viel wichtiger: Das Rechenzentrum sollte im europäischen Rechtsraum stehen, damit der europäische Datenschutz gilt. Darauf haben wir im Übrigen auch bei anderen Projekten geachtet und es geschafft, mit den verschiedenen Dienstleistern jeweils entsprechend zu verhandeln.

IT-DIRECTOR: Wie sieht es hinsichtlich der Mitarbeiter aus, bereiten Ihnen Smartphones und Social Media Kopfzerbrechen?
T. Muth:
Nein, die modernen Endgeräte und Plattformen machen Eurowings keine Probleme, weil wir sie in unserer Strategie explizit berücksichtigen. Es ist unsere Aufgabe, Sicherheit herzustellen, ohne die Mitarbeiter bei der Arbeit zu behindern. Jeder Eurowings-Mitarbeiter erhält  Zugang zum Internet und kann so auch auf Social Media zugreifen. Wir sind davon überzeugt, dass dies Eurowings keine Produktivität kostet, sondern dass sie gesteigert wird. Wir sind uns bewusst, dass unsere Mitarbeiter auch am Arbeitsplatz auf ihre Social Media Accounts zugreifen möchten. Dank dieser Regelung verschwenden sie keine Arbeitszeit mit der Überlegung, wie ­ihnen das trotz eines Verbotes gelingen könnte.

IT-DIRECTOR: Welche Projekte stehen bei Ihnen als nächstes an?
T. Muth:
Die kommenden Monate stehen ganz im Zeichen von Stabilisierung und Optimierung, nachdem wir die beiden Outsourcing-Projekte gestemmt haben. Dazu kommen ein Pilotprojekt für den Einsatz des iPad in der Kabine sowie ein neues Gruppenportal und das Thema Dokumentenmanagement.

IT-DIRECTOR: Wie bewerten Sie den Trend „Bring your own device“?
T. Muth:
Das ist ein spannendes Thema, das aber mit dem Ansatz, dass ein Mitarbeiter ein privates Gerät mit zur Arbeit bringt, nicht richtig durchdacht ist. Es wirft beispielsweise rechtliche Fragen auf: Dürfen wir aus Sicherheitsgründen auf privaten Geräten remote Daten löschen? Auch die Variante, dem Mitarbeiter Geld zu geben, damit er sich ein Gerät anschafft, funktioniert aus meiner Sicht nicht. Dabei sind etwa Reparaturprozesse nicht mitgedacht. Im Kern steht die sicher richtige Annahme, dass Mitarbeiter attraktive, moderne Endgeräte, die sie aus dem privaten Umfeld kennen, auch im beruflichen Umfeld nutzen möchten. Dann sollten die Unternehmen die entsprechenden Geräte anschaffen, die private Nutzung ermöglichen und ihre Prozesse entsprechend gestalten.

 

Die Eurowings GmbH
Als hundertprozentige Konzerngesellschaft der Deutschen Lufthansa AG ist die Eurowings heute neben Lufthansa Cityline, Contact Air, Air Dolomiti und Augsburg Airways fest im Verbund Lufthansa-Regional etabliert. Derzeit beschäftigt Eurowings insgesamt 819 Mitarbeiter, davon 541 Mitarbeiter im Flugdienst im Cockpit und in der Kabine sowie 278 Mitarbeiter am Boden in den Bereichen Technik und Verwaltung.
Im Internet: www.eurowings.de

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