Hybride Ansätze: Interview mit Manfred Eierle, Servicenow

Die Cloud als Herz und Motor

Im Interview erläutert Manfred Eierle, Regional Director EMEA Central bei Servicenow, wann der Einsatz einer Hybrid-Cloud sinnvoll ist und mit welchem Aufwand bei der Migration zu rechnen ist.

Manfred Eierle, Servicenow

„Die Hybrid-Cloud wird vermutlich längerfristig erhalten bleiben, aber insgesamt an Bedeutung verlieren“, meint Manfred Eierle, Regional Director EMEA Central bei Servicenow.

IT-DIRECTOR: Herr Eierle, welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema „Cloud Computing“ für das Jahr 2014 zu?
M. Eierle:
Die Bedeutung von Cloud Computing wird 2014 weiter deutlich zunehmen. Dank Cloud Computing können sich Unternehmen zu 100 Prozent auf ihre Prozesse und Abläufe konzentrieren, ohne sich Gedanken um Installation, Betrieb, Upgrades, Security oder Wartung zu machen. Oftmals helfen Cloud-Lösungen auch – politische – Elfenbeintürme und Machtkämpfe zwischen Ländern und Regionen aufzulösen, da ja nunmehr quasi alle Mitarbeiter gleichermaßen aus der Wolke bedient werden.

Das Marktforschungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) hat kürzlich ermittelt, dass 36 Prozent aller Unternehmen in Europa dieses Jahr mehr in digitale Transformation investieren werden als noch 2013. Cloud-Lösungen sind typischerweise Herz und Motor dieser Projekte. Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) lassen sich agil und iterativ implementieren und bringen in kurzer Zeit positive Ergebnisse. Das ermutigt Unternehmen nachhaltig, in diese Plattformen zu investieren. Gleichzeitig sind fast alle Kunden auf dem jeweils aktuellen Release-Stand – bei Servicenow liegt der Anteil beispielsweise über 85 Prozent. Damit können Kunden effektiv und zeitnah an der Innovationskraft der Hersteller partizipieren – eine erfrischend neue Welt.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Interesse der Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr an der Wolke gestalten?
M. Eierle:
Die Großunternehmen waren anfangs etwas zurückhaltender als beispielsweise mittelständische Unternehmen. Typischerweise sind dort ja auch höhere IT-Budgets und Organisationen vorhanden, oftmals gebündelt mit dem Selbstverständnis alles selbst machen zu müssen und zu können. Dies wandelt sich seit etwa zwei Jahren immens. Gerade diese Unternehmen können aufgrund ihrer Größe und globalen Ausprägung enorm von weltweit harmonisierten und standardisierten Prozessabläufen profitieren. Die Entscheidungsfähigkeit und -qualität ist dann signifikant höher.

IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
M. Eierle:
Das hängt im Wesentlichen von der Art der Anwendungen und Daten ab. Applikationen und Kernprozesse, die der Differenzierung im Markt dienen, werden noch häufig intern betrieben. Alle anderen Themen wandern nach draußen. Wobei man in diesem Kontext natürlich auch den Begriff „Public Cloud“ differenziert sehen muss. Was Hersteller wie Workday, Salesforce.com oder eben Servicenow als cloud-basierte Services liefern, ist nicht mit den Anforderungen oder Standards der typischen Public Cloud vergleichbar. Hier wird ein vielfach höherer Aufwand hinsichtlich High Availability, Performance, Skalierbarkeit und Sicherheit betrieben, um den Anforderungen der „Large Enterprises“ gerecht zu werden.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt wiederum die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
M. Eierle:
Für Großunternehmen bietet die Hybrid Cloud im Wesentlichen zwei Fähigkeiten: Zum ersten erlauben hybride Ansätze sensitive Daten weiterhin im eigenen Data Center zu halten und trotzdem von Cloud-Lösungen zu profitieren. Das kann aus regulatorischen oder internen sicherheitsrelevanten Gründen erforderlich sein. Zum anderen können Bedarfsspitzen bei Rechenkapazität oder Storage einfach, kosteneffektiv und transparent abgedeckt werden.

IT-DIRECTOR: Wann ist der Einsatz einer Hybrid Cloud sinnvoll? Was gibt es für konkrete Anwendungsszenarien?
M. Eierle:
Unsere Kunden haben die Möglichkeit, (sensitive) Attachments im eigenen Rechenzentrum zu speichern und trotzdem die Prozesse und Workflows aus der Cloud-Applikation zu nutzen. Die Formulare in Servienow verweisen dann auf die entsprechenden Dokumente, die Anwender vollkommen transparent „in-context“ aufmachen können.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
M. Eierle:
In unserem konkreten Fall wäre dies bereits bei der Implementierung im Rahmen der Architekturfestlegung fixiert worden. Dann entstehen eigentlich keine wesentlichen Zusatzaufwände. Bei generellen, anderen bzw. allgemeinen Szenarien kann das vermutlich unterschiedlich ausfallen.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid-Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Umgebung oder umgekehrt?
M. Eierle:
Auch dieses Szenario trifft bei uns in dieser Form nicht zu. Unsere Kunden entscheiden sich am Anfang, welche Daten bzw. Dokumente wo gespeichert warden, und ausgehend davon werden die erforderlichen Weichen für Architektur und Betrieb gestellt.

IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in der Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid-Cloud ablegt?
M. Eierle:
Das hängt natürlich sehr stark vom jeweiligen Szenario ab. In unserem Falle wird dies im Rahmen der Architektur sehr stringent definiert. Für den einzelnen Mitarbeiter gibt es dann nur wenige Möglichkeiten, dort auszubrechen. Die Daten liegen somit jeweils an einer zentralen Stelle und können entsprechend überwacht bzw. nachverfolgt werden.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich grundsätzlich die Verwaltung von Lizenzen in Hybridlandschaften?
M. Eierle:
In unserem Lizenzmodell spielt dies keine Rolle. Ich kann mir aber vorstellen, dass dies speziell in Anwendungsszenarien zur Abdeckung von Bedarfsspitzen eine spannende Frage ist.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen hier Management-Tools?
M. Eierle:
Management-Tools helfen grundsätzlich dabei, mehr Transparenz, Automatisierung und Flexibilität in Abläufe zu bringen. Lösungen wie Servicenow wahren den 360-Grad-Überblick, so dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden können. Auf der Mikroebene sind Detailkenntnisse zu den Lizenzmodellen sowie die zugehörigen Schnittstellen und Automatisierung wichtig. Wir würden hier typischerweise spezialisierte 3rd-Party-Lösungen mit in den Workflow einbeziehen.

IT-DIRECTOR: Welche Abrechnungsmodelle gibt es und mit welchen Kosten ist bei einer Hybrid Cloud im Vergleich zur Private und Public Cloud zu rechnen?
M. Eierle:
Das lässt sich leider aus meiner Erfahrung nicht pauschal beantworten. Wir fokussieren uns auf den Value, den unsere Lösungen für den jeweiligen Kunden bringen. Konsequenterweise ist deshalb unser Lizenzmodell auf die Anzahl der Mitarbeiter ausgerichtet, die unsere Applikationen nutzen.

IT-DIRECTOR: In welchen Punkten sind Hybrid Clouds noch „ausbaufähig“ bzw. „verbesserungsbedürftig“?
M. Eierle:
Der größte Kritikpunkt dürfte wohl sein, dass heute die meisten hybriden Cloud-Ansätze je nach Hersteller proprietär sind. Hier wäre vermutlich eine weitergehende Standardisierung und Offenheit hilfreich, so dass beispielsweise mehrere Cloud-Lösungen einfacher in einem „shared“ Hybrid-Modell arbeiten könnten.

IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Hybrid Cloud voraus?
M. Eierle:
Die Hybrid-Cloud wird vermutlich längerfristig erhalten bleiben, aber insgesamt an Bedeutung verlieren. Es wird sicherlich immer berechtigte Anwendungsszenarien geben, für die hybride Ansätze sinnvoll sind.

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