Der kleine zEnterprise-Mainframe von IBM
Was ist ein Mainframe? Ein Computer-Dinosaurier kurz vor dem Aussterben? Die Zukunftstechnologie des Cloud Computing? Großrechner sind zwar immer noch die leistungsfähigsten und zuverlässigsten Computersysteme auf dem Markt. Allerdings haben sie ihren Preis und sind als teuer verschrien. Deshalb ist die Marktlage uneinheitlich. Oder anders formuliert: Es kommt darauf an, wen man fragt.
Für eine Studie der Bergmann und Rohde Consulting Group (BRCG) im Auftrag von HP konnten 175 CEOs, CFOs und CIOs ihre Meinung zur Zukunft der Mainframes sagen. Das Ergebnis: Die Rechenriesen sind auf dem absteigenden Ast. Viele Unternehmen haben die Großrechner bereits abgelöst. Ein großer Teil der Mainframe-Nutzer plant in den kommenden drei bis fünf Jahren den Umstieg auf Unix- und x86-Architekturen.
In diese Richtung passt auch die Meldung der Barmenia: Wegen zu hoher Kosten wurde der gerade erst gekaufte Mainframe schnell wieder abgeschafft. Auch bei der Wuppertaler Versicherung waren lange Zeit die Kernanwendungen der Grund für das Festhalten am Mainframe: Sie sind mit Cobol entwickelt worden.
Doch auch bei dieser betagten Programmiersprache ist die Zeit nicht stehen geblieben. Cobol-Anwendungen können inzwischen recht gut vom Mainframe nach Unix portiert werden. Damit fällt ein Argument pro Mainframe weg. Doch dies ist nicht allen Unternehmen wichtig, denn für viele ist besonders die flotte Transaktionsverarbeitung entscheidend.
Die Ergebnisse einer Umfrage von BMC Software bei 1.300 Mainframe-Nutzern deuten dies an: Der Mainframe hat auch weiter eine ausgesprochen große Bedeutung für Anwendungen und Services. Mehr als 60 Prozent der Befragten gehen von einem deutlichen Anstieg der Verarbeitungskapazitäten die nächsten Jahren aus - das Trendthema "Big Data" wirft einen langen Schatten.
Die Verarbeitung wahrhaft gigantischer Datenmengen ist seit jeher die Domäne des Großrechners. Auch hier sind immer noch Rekorde möglich, wie IBM kürzlich meldete: Ein z/OS-Mainframe bearbeitete in einer Stunde sagenhafte 59 Millionen Buchungen in "SAP for Banking". Diese Zahl dürfte erläutern, warum einige Großbanken immer noch auf den Großrechner setzen.
Und in bestimmten Bereichen können Mainframe-Anwender in Zukunft auch auf Windows verzichten: Laut einer aktuellen Pressemitteilung von IBM beherrscht z/OS jetzt auch Windows-Anwendungen. Auch die Konkurrenz schläft nicht: Fujitsu pflegt das Siemens-System BS2000 weiter und hat erst kürzlich die Version 9 herausgebracht.
Beide Hersteller sind im Mainframe-Markt ungewöhnlich aktiv. IBM bringt seit kurzem einen kleinen Mainframe für den Mittelstand heraus und Fujitsu liefert jetzt Mainframes mit x86-Architektur aus. Hier ist ebenfalls der Mittelstand die Zielgruppe. Bei diesen "kleinen" Großrechnern ist allerdings ein Punkt sehr wichtig: Integration in die bestehende Systemumgebung.
Die Hersteller beherzigen das. Die Mainframes erlauben auch das Ausführen von Anwendungen für Windows und Linux. Außerdem bieten sie den Zugriff auf vorhandene Storage-Systeme wie zum Beispiel ein preisgünstiges Storage Area Network (SAN). Auch bei der Administration lernen die Anbieter dazu: Komfortable und integrierte Management-Konsolen für Mainframes und andere Serversysteme sind inzwischen Standard.
Diese Entwicklungen zeigen deutlich: Die Dinosaurier der IT sind noch ziemlich munter und passen sich stetig neuen Anforderungen an. Dabei unterscheiden sich jedoch die Strategien der beiden Hersteller. IBM hält an der bekannten Großrechner-Hardware fest und integriert andere Systeme wie Unix oder Windows in die Software. Fujitsu ist dabei, den Mainframe zum reinen OS-Konzept umzubauen, das die preisgünstigen Standard-Prozessoren nutzt.
Beide Philosophien laufen aber auf eine gemeinsame Aussage hinaus: Die Zeit der monolithischen Systeme ist endgültig vorbei. Wer im Mainframe-Markt die Nase vorn haben will, muss Integrations- und Konsolidierungsplattformen anbieten. Die haben auch einen "Artentod" zum Ziel, nur das in diesem Fall der in Jahren des Wachstums entstandene heterogene Server-Dschungel gerodet werden soll.
Bildquelle: IBM