Gunter Dueck: "Machen, nicht reden."
Das größte Problem einer Innovation ist ihre Neuheit. Wenn eine Innovation nicht neu wäre, könnten die Manager den Markt einschätzen, ihren Einfluss auf die Unternehmens-KPI besser berechnen, eine schickere Umsatzkurve in die Powerpoints schreiben und sie wüssten schon am Anfang des Jahres, welche Ziele sie an seinem Ende erreicht haben werden.
Doch das Neue ist naturgemäß ganz unbekannt. Und deshalb hat es Feinde. Sehr viele Feinde.
Gunter Dueck, Mathematiker, Philosoph und ehemaliger "Chief Technology Officer" bei IBM, hat ein 280 Seiten starkes Buch über das Neue und seine Feinde geschrieben. Am Ende läuft es auf eine einfache Grundregel hinaus, die nicht nur in IT-Konzernen gilt:"Machen, nicht reden."
Denn aus leidvoller Erfahrung weiß Dueck: Die Innovationsbremsen, die Bedenkenträger, die
Neophobiker und die notorischen Controller sind nicht zu überzeugen. Ein Innovator kann sie nur geschickt umgehen. Denn auf der einen Seite steht das Neue. Aber auf der anderen Seite steht der
Managerismus, der das Neue solange abschleifen will, bis es in seine Prozesse, Kennzahlen und PowerPoint-Vorlagen passt.
"Kenne deinen Feind". So sagt es Sun-Tsu in seinem Buch über die Kriegskunst und dieser Satz gilt auch für den Innovator. In Duecks Buch kann er genau nachlesen, mit welchen Feinden er rechnen muss und welche Hürden er überspringen muss. Erst nach einer langen Untergrundphase unterhalb des Radars der Bremser wird aus seiner Erfindung zunächst eine Innovation und dann ein marktfähiges Produkt.
Ein Innovator findet in diesem Buch strategische Ratschläge und taktische Kniffe für den Kampf der
Innovationsguerilla gegen das herkömmliche Management. Dueck knöpft sich jeden einzelnen Feind des Neuen ausführlich vor. Doch das Buch hat noch eine zweite Ebene, die auf jeder Seite mitzudenken ist. Der vielleicht nicht größte, aber wirkungsvollste Feind des Neuen - das ist der Innovator selbst.
Denn der Satz von Sun-Tsu geht noch weiter: "... und kenne dich selbst." Erfinder und Neuerer tendieren dazu, sich in einer sozialen Blase aus Gleichgesinnten zu bewegen. Sie wollen erfinden, aber nicht verkaufen und managen. Deshalb reden sie äußerst ungern mit Kunden, Verkäufern und Controllern. Deshalb verstehen sie oft deren Wunsche und Bedürfnisse nicht.
Ein wirklich guter Innovator dagegen ist sehr gut in allen Fachbereichen vernetzt. Er versteht die Regeln und Abläufe im Unternehmen und bei den Kunden. Und er kennt alle Tricks, um eine Innovation im Verborgenen zur Marktreife zu bringen. Wer seine Ideen nur halbherzig verfolgt, wer zu früh damit an die Öffentlichkeit geht, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Deshalb also: Machen, nicht reden.
Bildquelle: Jörn Wolter / Campus Verlag