14.09.2017 5 Punkte, weshalb die IT bei Fusionen wichtig ist

Die IT – Stiefkind der Unternehmensfusionen

Von: Gesa Müller

Mergers & Acquisitions: Unternehmensaufkäufe und Fusionen sind schmerzhaft. Denn die Zusammenführung von Unternehmensstrukturen ist ein Wandlungsprozess. Weniger sichtbare Unternehmensteile bergen dabei die größte Gefahr – ein Favorit: die IT. Fünf Argumente, warum man sie nicht unter den Tisch fallen lassen sollte.

Eine Übernahme oder Fusion ist eine starke Veränderung

Eine Übernahme oder Fusion ist eine starke Veränderung. Die IT ist Stiefkind der Unternehmensfusionen.

Fusionen brauchen Köpfchen und einen guten Plan. Doch immer wieder werden ganze Unternehmensteile ausgeblendet. "Wir kennen Beispiele, bei denen die IT-Infrastruktur samt Team als Faktor für die gelungene Unternehmensfusion übersehen wurden. IT ist eine hochgradig immaterielle und zugleich technische Disziplin – vielleicht einer der Gründe, warum sie bei Mergern gern ausgeblendet wird", berichtet Hendrik Schubert, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter beim Digital-Dienstleister Ewerk-Gruppe. Doch Fusionen, in denen die operative Evaluierung der IT-Infrastruktur erst im Nachgang durchgeführt wurde, bergen ein großes Risiko.

Fünf Punkte, weshalb die IT keinesfalls unter den Tisch fallen sollte und wo es in IT-Fragen bei Fusionen bisweilen holpert >>>


1. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Unternehmen auf dieselbe IT-Infrastruktur setzen, tendiert gegen null.

So verrückt es klingt: Zwei Unternehmen, die auf den ersten Blick mehr oder weniger dieselben Applikationen und Systeme einsetzen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem völlig unterschiedliche Server- und Applikations-Strukturen einsetzen. Der Grund dafür ist banal: Da die IT eine nur wenige Jahrzehnte alte Disziplin ist, konkurrieren unterschiedlichste Ansätze und Standards miteinander. Das betrifft Middleware, Virtualisierungstechnologien, Sicherheits-Paradigmen, Sourcing-Strategien und ähnliche alltägliche Fragen wie IT-Servicemanagement-Systeme.
 

2.    Das gesamte Unternehmen braucht IT-Infrastruktur – insbesondere für die Zusammenarbeit während der Fusion.

In Phasen starker Veränderungen sind Kommunikation und Zusammenarbeit besonders wichtig. Teams müssen je nach Integrationsgrad über Standorte oder gar über Sprach- und Ländergrenzen hinweg neu gebildet und organisiert werden. Wenn dann auch noch die IT-gestützten Prozesse inkompatibel sind oder sie als Anlass eines gescheiterten kulturellen Wandels dienen müssen, ist der Frust groß. Schließlich will man in Phasen des Zusammenfindens miteinander reden anstatt übereinander – und erst recht nicht über die verfluchte Technik.
 

3.    Hinter der IT stecken vor allem Menschen.

Eine IT-Infrastruktur besteht nicht nur aus IT-Assets, sondern auch aus Teams, die die Infrastrukturen am Laufen halten. Werden diese beim Merger nur stiefmütterlich bedacht, steigert das den Frust in diesem Teil der Belegschaft erheblich. Exakt diese Teams bilden meist das Kernrisiko eines Post-Mergers!
 
Eine Übernahme oder Fusion ist eine starke Veränderung – und ein Projekt, das man dazu noch nebenher abarbeitet. Man braucht Anpacker und eine positive Mentalität in der Belegschaft. Straft man die IT mit Missachtung, können die Folgen fatal sein und schlimmstenfalls die gesamte Unternehmung lähmen. Integrieren Sie daher die IT unbedingt in Ihre Entscheidungsfindung und wichtige IT-Mitarbeiter in die unternehmenskritische Belegschaft!
 
Denn der Rückhalt der Belegschaft und ein Wir-Gefühl sind Trumpf. Gute IT-Fachkräfte hingegen selten und teuer.
 

4.    Operative Intelligenz erreichen Unternehmen durch IT

Die IT sollte unbedingt als Schnittstelle zu allen Abteilungen und Grundlage des Informationsflusses im Unternehmen gesehen werden. Die operative Intelligenz der IT zeigt sich in logischen, reibungslosen, standardisierten Prozessen und gibt der Summe aller operativen Tätigkeiten Struktur. Durch Fusionen und Übernahmen wird sich die Prozesslandkarte jedoch ebenso verändern wie eingespielte Teams. Unterschiede in den Leitlinien, Geschäftsprozessen, Verfahrens- und Arbeitsanweisungen müssen daher genauso bedacht werden wie die verschiedenen Fähigkeiten und Charaktere der IT-Fachkräfte.
 
Seien Sie sich Ihrer Anforderungen an die IT sowie der Kompetenzen und Gewohnheiten ihrer IT-Mitarbeiter bewusst. Nutzen Sie hier gezielt die Potenziale aus den IT-Talentpools beider Firmen. So vermeiden Sie Probleme im Maschinenraum Ihrer fusionierten Unternehmung. Die richtigen Talente am richtigen Einsatzort schaffen Sicherheit bei der Umsetzung und vermindern das Risiko des Scheiterns enorm.
 

5.    Wer eine Lösung abschafft, muss eine bessere Alternative bieten.

Entscheidungen müssen getroffen werden – auch in der IT. Welche Software setzt sich durch? Welche Server-Architektur schafft es in die Zukunft? Zumindest eines ist sicher: Die Liste wird lang und das „best of both worlds“ meist überraschender als angenommen.
 
Bedenken sollten die Verantwortlichen dabei immer die Reaktion der Nutzer – im Zweifel handelt es sich dabei um Auswirkungen auf das ganze Unternehmen. Ist die Alternative wirklich besser? Vorteile und Nutzererfahrung mit der Lösung sollten im Mittelpunkt stehen. Dies sichert langfristig unternehmerischen Erfolg.

Never change a running system

Es heißt: „Never change a running system”. Doch bei einer Übernahme oder Fusion bedeutet dies immer einen erzwungenen Wandel im laufenden Geschäfts-Betrieb. Die IT (wo auch immer sie in einem Unternehmen derzeit angesiedelt ist) wird dabei oft zu spät eingebunden, weil verhandlungstaktische Ansätze dies meist behindern.

"Ohne ein Playbook – das gemeinsame Regelwerk für eine Fusion –, eine Transformation der Unternehmens-Architektur und einen hohen Standardisierungsgrad von IT-Prozessen und Systemen stellen sich die gewünschten Synergie-Effekte nicht ein", so Schubert. Er rät: "Sollten Sie in Zukunft mit einem Unternehmenskauf oder einer Fusion konfrontiert sein, bedenken Sie also die eminent wichtige Rolle der IT – sowohl Vorab in der Bewertung als auch in der Umsetzung der Integration selbst. Auf diese Weise wird die IT zu einer treibenden Kraft statt zur Investitionsfalle nach dem Abschluss."

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