Open Source Intelligence

Die offizielle Seite des Internets

Cybercrime oder gar Cyberwar sind beliebte Schlagworte, wenn es darum geht, neuen Bedrohungen aus dem Internet einen Namen zu geben. Mit einer Open-Source-Suche im Web kann man den Tätern auf die Schliche kommen – und dies sogar ohne Verstöße gegen Gesetze oder Datenschutz.

Es müssen nicht immer Ausspähaktionen sein: Die Nutzung öffentlich zugänglicher Quellen im Internet kann sehr aufschlussreich sein.

Egal ob radikale Gruppierungen verschiedenster Couleur, Drogenhandel, Betrug oder Geldwäsche – um nur einige zu nennen: Es gibt kaum kriminelle Aktivitäten, die keine Spuren im Netz hinterlassen oder das World Wide Web gar als Werkzeug für ihr Handeln missbrauchen. Wer es versteht, das Netz wiederrum als Recherchegrundlage im Kampf gegen solch kriminellen Aktivitäten zu nutzen und aus der Vielzahl der dort vorhandenen Quellen aussagekräftige Informationen auszulesen, schützt Bürger, Unternehmen und den Staat als solches. Dabei muss man wie im Fall des aktuellen NSA-Skandals die Privatsphäre von Bürgern und die Interna von Unternehmen nicht mit Füßen treten.

Keine gesetzlichen Grauzonen

Recht häufig liest man von Fällen, in denen nationale oder internationale Ermittlungsbehörden in der Strafverfolgung auf Onlinequellen zurückgreifen. Die Aufklärung der NSU-Verbrechen, die Verfolgung der Bombenattentäter von Boston oder die Zerschlagung von kriminellen Hackergruppen sind Beispiele für Ermittlungsverfahren, in denen die systematische Durchleuchtung und Nutzung des Internets für die Erreichung der Fahndungsziele unterstützend, ausschlaggebend oder zwangsläufig war.

Die Nutzung allgemein zugänglicher, digitaler Quellen für Recherchetätigkeiten – nicht nur, aber vor allem – in der Verbrechensbekämpfung bezeichnet man als Open Source Intelligence (OSINT). In Deutschland nutzt der Bundesnachrichtendienst (BND) unter anderem diese Methode zur Informationsbeschaffung und Datenauswertung in der Abteilung Unterstützende Fachdienste. Laut einem Artikel des Journalisten Peter Welchering zum Thema Cyberwar hat der BND aktuellen Zahlen zufolge ein Jahresbudget von 180 Millionen Euro investiert, um OSINT effektiv zu nutzen. Er bezahlt davon etwa Informanten, die die besten Onlinequellen verraten, oder Fachleute, die die Analysten im Umgang mit Sicherheits-Plugins oder der passenden Software zur Datenaggregation beraten.

Laut dem BND stellt die Nutzung öffentlich zugänglicher Quellen die quantitativ gesehen umfangreichste Entwicklung der Informationsgewinnung dar. Von Vorteil ist, dass für OSINT keine gesetzlichen Grauzonen betreten werden müssen, denn offene Informationen sind für jeden legal zugänglich – für Nachrichtendienste, Unternehmen sowie Privatorganisationen.

Erfassung riesiger Datenvolumina

Die Frage nach der besten technischen Grundlage für eine solche Suchfunktion ist keineswegs trivial. Open Source Intelligence bedeutet Recherche in und Analyse von Unmengen von öffentlich zugänglichen Informationen aus sozialen Netzwerken und Nachrichtendiensten wie Facebook und Twitter, Content-Sharing-Plattformen wie Youtube oder Flickr, Onlinemedien sowie webbasierten Anwendungen wie Google Earth oder den Satellitenbildern von Google Maps. Einer aktuellen Studie zufolge verzeichnet allein Facebook ein Datenvolumen von über 500 Terabyte täglich, generiert von 2,5 Mrd. Posts in 24 Stunden. Auf Twitter werden jeden Tag 500 Millionen Kurznachrichten veröffentlicht und weltweit posten Menschen auf über 170 Millionen Blogs, was sie bewegt.

Die Zahlen demonstrieren deutlich die ständig wachsende Zahl von Informationen im Internet. Entscheidend ist jedoch nicht die Speicherung immenser Datenmengen, sondern es geht vielmehr darum, im Rauschen des Internets die tatsächlich relevanten Daten zu finden, sie zu kombinieren und die irrelevanten auszuschließen. Wissen ist Macht und insbesondere in den öffentlich zugänglichen Daten liegt diese wertvolle Ressource verborgen – man muss die digitalen Informationen nur richtig zu handhaben und deuten wissen.

Ein Beispiel für das Herausfiltern relevanter Daten ist die Beobachtung von Twitter-Accounts einschlägiger Verdächtiger und deren Follower. Die Daten aus den Twitter-Streams der zu beobachtenden Personen lassen sich mithilfe einer Integrationslösung automatisiert erfassen und analysieren.

Vor der Analyse steht also zunächst die Aufgabe, den Informationsstrom aus allen relevanten Quellen zu erfassen und in ein System der Wahl zu überführen, in dem die Daten sinnvoll weiter gefiltert und verarbeitet werden können. Dieser Prozess ist für viele angesichts der immensen Datenmengen zunächst abschreckend, kann aber mit der richtigen Herangehensweise und der passenden Technik effizient gemeistert werden.

Generell soll Open Source Intelligence die Kontextvermittlung offen zugänglicher Informationen erleichtern, die für das Verständnis heutiger Sicherheitsfragen unabdingbar ist. Die Fähigkeit zur Identifizierung der sich abzeichnenden Probleme wird angesichts der zunehmenden Komplexität und „neuer“ Hacker- oder Terrorbedrohungen zunehmend wichtig. Dabei liegen die Herausforderungen von OSINT in der Erkenntnis, welche Daten relevant sind und welche nicht, was mit entsprechender Software gefiltert werden kann.

Was ist Open Source Intelligence?

Open Source Intelligence, kurz OSINT, meint die systematische und gezielte Beschaffung frei zugänglicher Informationen. In die Recherche werden alle öffentlich verfügbaren Quellen miteinbezogen. Die Open-Source-Nutzung ist zwar primär, jedoch nicht ausschließlich auf digitale Quellen beschränkt. Das Internet ist mit sozialen Netzwerken, Foren, Webseiten, Blogs, Videos und News in sämtlichen Sprachen die umfangreichste Ressource. Doch muss diese unschlagbare Quelle mit ihren unterschiedlichen Inhalten mit großer Vorsicht angegangen werden. Vor der Verwendung von Daten aus dem Internet müssen diese zunächst kritisch auf ihre Zuverlässigkeit und Relevanz überprüft werden. Mit der richtigen Software können sie anschließend in jedem Format zur Analyse ausgeliefert werden.

Bildquelle: Thinkstock/iStockphoto

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