Der PC ist tot?

Diese Leiche lebt noch

Die Abgesänge auf den PC werden lauter. Doch seine Verächter müssen sich ganz schön verrenken, um seine Bedeutung herunterzurechnen.

Diese Leiche lebt noch

Als erstes eine ambitioniert erratene Statistik: 98,35 Prozent aller Texte zum Thema “Der PC ist tot” wurden auf einem PC verfasst. Denn das totgeredete Gerät ist das beste Hilfsmittel für alle Aufgaben, die gemeinhin mit Wissensarbeit umschrieben werden. Wer ernsthaft versucht, mehr als zehn Zeilen auf einem Software-Keyboard am Tablet zu schreiben, besitzt eine Leidensfähigkeit jenseits der Grenze zum Masochismus.

Ein Tablet ist ein hervorragendes Gerät für das Lesen und “Aufnehmen” von Informationen und eine tolle Entertainment-Maschine. Auch Dinge wie Aufgaben- und Zeitplanung, Mailabruf unterwegs, Navigation und so weiter sind mit Tablets und anderen Mobilgeräten gut zu erledigen. Doch bei der Produktion von Inhalten aller Art stoßen sie an Grenzen.

Natürlich gibt es enthusiastische Freaks, die 50-seitige Präsentationen am iPad zusammenbasteln und zu dem Schluss kommen, in Zukunft ersetze das Tablet den Desktop-PC. Leider werden sie damit Opfer ihrer eigenen Begeisterung. Anwender wollen aber auch in Zukunft komfortabel und ohne Lupe an ihren Berichten, Tabellen oder Präsentationen arbeiten.

Der PC ist ein Profiwerkzeug

Der PC ist also auch weiterhin als professionelle Werkzeug notwendig und im Moment nicht zu ersetzen. Doch die Verkaufszahlen zeigen in eine gegenläufige Richtung: Sie sinken seit einigen Jahren und zwar zunehmend schneller. Das bringt die Hersteller in Schwierigkeiten, da die niedrigen Margen den Gewinn drücken.

Und dann waren da noch die Berater von Gartner, die sich nach dem den Hypecycle etwas neues ausgedacht haben: Den “Operating System Stew”. Der Koch dieses statistischen Eintopfs rührt einfach Äpfel, Birnen, PC-Betriebssysteme und mobile OS hinein und stellt begeistert fest: “Das schmeckt ja lecker nach Android.”

Kein Wunder, denn in vielen computerisierten Haushalten gibt es nur einen PC, aber dafür drei bis vier Mobilgeräte. Dieser eine Haushalts-PC macht den Herstellern Sorgen. Er wird nämlich immer öfter durch ein Tablet ersetzt. Das leichte Mobilgerät entspricht viel stärker als ein Desktop-PC den Bedürfnissen eines Heimanwenders.

Viele Privatleute nutzen vorwiegend E-Mail, Facebook, eBay, Amazon und einige andere zentrale Websites sowie ein paar Spiele. Und für diese Dinge eignen sich Tablets besser. Sie sind weniger klobig, lassen sich herumtragen und im Wohnzimmer oder auf der Terrasse nutzen, sind deutlich einfacher zu bedienen und arbeiten außerdem als Multimedia-Schaltzentrale für Audio und Video.

Und so wird tatsächlich eine Gerätegattung aussterben, nämlich der auf einen Niedrigpreis hin optimierte Kompromissrechner für Heimanwender. Dieses Marktsegment schwächelt schon länger, denn es gibt kaum einen Grund für einen Neukauf. Im Prinzip erfüllt auch ein drei bis fünf Jahre altes Gerät alle Wünsche an einen Heim-PC. Und für den viele Büro-PC gilt dies ebenso.

Tablets sind Heimcomputer

Der Markt der persönlichen Computer wird sich vermutlich in vier große Segmente aufteilen. Erstens werden Tablets zu den ersten wirklichen Heimcomputern. Sie erfüllen alle Anforderungen der PC-Utopie der 1980er Jahre: Tablets sind kostengünstig, unkompliziert, einfach zu bedienen, haben einen sehr flexiblen Anwendungsbereich und bieten alles für Information, Lernen und Unterhaltung.

An den Schreibtischen in den Unternehmen werden zweitens in Zukunft häufiger die kompakten All-in-One- und Mini-PC auftauchen - allerdings nur bei solchen Mitarbeitern, die tatsächlich damit arbeiten müssen. Sie bieten große Monitore und einen Funktionsumfang, der für praktisch alle gängigen Office- und Business-Anwendungen ausreichend ist. Inzwischen gibt es sogar Modelle mit zukunftssicherem Touchscreen.

Wer drittens diese Möglichkeiten als mobile Lösung für unterwegs oder das Home Office möchte, wird je nach Wunsch ein Ultrabook oder ein etwas gewichtigeres Notebook einsetzen. Doch der bisher riesige Markt für tragbare PCs wird ebenfalls schrumpfen, denn die meisten mobilen Mitarbeiter haben nur einen eingeschränkten Bedarf. Er wird durch spezielle Business-Apps (mobile Geschäftsprozesse) auf Tablets oder Smartphones erfüllt.

Und viertens wird für bestimmte Aufgaben auch weiterhin eine leistungsfähige PC-Workstation notwendig sein. Dies ist in erster Linie für die Content-Produktion (Grafik, Audio, Video) und für spezifische Aufgaben bei der Bearbeitung oder Analyse von großen Datenmengen der Fall.

Sie werden aber nicht nur in Unternehmen eingesetzt, sondern auch bei Freiberuflern oder ambitionierten Hobbyisten, denen die Leistungen eines Tablets oder Mini-PC nicht ausreichen. Der herkömmlichen-Desktop-PC wird also nicht vom Markt verschwinden, sondern er wird einen Bedeutungswandel erleben: Vom Allzweckgerät für alle Anwendungsbereiche hin zu einem Profiwerkzeug.

Neue Einsatzbereiche für Tablets

Etwas anders sieht es mit den Tablets in Unternehmen aus. Sie ergänzen den Desktop-PC, der für viele das Hauptarbeitsmittel bleibt. Sie verdrängen aber nicht nur das Notebook, sie erobern auch völlig neue Arbeitsbereiche.

So verschwinden in vielen Unternehmen Akten und Unterlagen aus Papier. Meetings, Konferenzen und Sitzungen werden mit dem Tablet in der Hand und auf dem Tisch bewältigt. Dies betrifft eher das Management, aber auch in anderen Bereichen wie Vertrieb, Wartung oder Montage werden Tablets verstärkt eingesetzt.

Sie ersetzen auch hier das früher allgegenwärtige Papier und ermöglichen zudem den leichten Zugriff auf Geschäftsanwendungen. Gut möglich, dass dies einen weiteren Innovationsschub bei Tablets auslösen wird, der zusätzlich an den Marktanteilen des klassischen Desktop-PC knabbert.

Der persönliche Computer auf dem Schreibtisch und in der Tragetasche ist damit allerdings nicht tot. Er verliert lediglich seine Marktdominanz und wird sich in naher Zukunft die Aufmerksamkeit der privaten und beruflichen Anwender mit dem Tablet teilen müssen. Smartphones sind noch mal eine andere Sache. Sie sind ein Zusatzgerät, auch wenn sie dasselbe Betriebssystem wie Tablets haben.

Bildquelle: Michael Berger  / pixelio.de

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