Mit sogenannten cIAM-Systemen – kurz für Customer Identity and Access Management-Systeme – lassen sich digitale Identitäten von Kunden, Partnern und Mitarbeitern verwalten.
"Ein Beispiel für eine große Anzahl von Identitäten sind Nah- und Fernverkehrsanbieter“, berichtet Martin Burkhart, Head of Product Management bei Airlock by Ergon.
Ein cIAM-System ist im Gegensatz zu einer klassischen IAM-Lösung nicht nach innen, sondern nach außen gerichtet und auf Massen ausgelegt. Die cIAM-Lösung hilft bei der Verwaltung von zahlreichen Identitäten von Kunden, Partnern und Mitarbeitern, die auf Services, Plattformen oder Anwendungen eines Unternehmens im Internet zugreifen.
Der Vorteil einer solchen Lösung ist der hohe Automatisierungsgrad der Nutzerverwaltung, der den Helpdesk entlastet. So können Nutzer viele Aufgaben, wie die Anforderung eines neuen Passworts, selbst erledigen. cIAM-Systeme gelten daher als besonders nutzerfreundlich: Die Tatsache, dass Nutzer keinen Dritten, zum Beispiel den Helpdesk, hinzuziehen müssen, wenn sie bestimmte Aufgaben erledigen wollen, steigert die Zufriedenheit. Denn Nutzer können die Aktionen unkompliziert einfach selbst ausführen.
Die Effizienz eines solchen Systems zeigt sich meist erst ab einer bestimmten Größe, wenn es zu aufwendig wird, die Identitäten manuell zu verwalten. Unternehmen, die ihren Kunden oder Partnern keine Dienstleistungen im Internet anbieten oder nur einige hundert Identitäten verwalten müssen, können zurzeit getrost auf ein cIAM-System verzichten. Das sind meist Unternehmen, die nur im B2B-Bereich tätig sind und keinen Fokus auf Skalierbarkeit setzen. Sind sie allerdings im B2C-Bereich tätig oder müssen tausende von Identitäten verwalten, kann der Einsatz eines cIAM-Systems sinnvoll sein.
cIAM-Systeme finden Anwendung, wo immer große Mengen an Identitäten verwaltet werden müssen. Ist eine Identität erst einmal bekannt, birgt sie großen Nutzen für die Marketing-Abteilungen, die dann automatisiert den individuell richtigen Content ausliefern können. Ein weiteres Feld ist die Finanzbranche. Online-Banking ist seit langem ein Teil des Alltaglebens, doch die starken Sicherheitsvorkehrungen sind vielen Kunden lästig. Mit einem cIAM-System können Banken die Authentisierung in verschiedene Ebenen einteilen und bestimmte Services anbieten, für die kein Log-in mehr erforderlich ist. Andere Dienste sind einfach mit einem Passwort geschützt und nur für einige wenige Bereiche muss der Nutzer eine starke Authentisierung durchlaufen.
„Ein Beispiel für eine große Anzahl von Identitäten sind Nah- und Fernverkehrsanbieter. Diese arbeiten verstärkt mit cIAM und können so Identitäten untereinander verknüpfen. Das heißt, dass Nutzer sich nur bei einem Unternehmen anmelden müssen und mit dieser Identität auch Fahrscheine bei anderen Unternehmen in anderen Städten lösen können“, so Martin Burkhart, Head of Product Management bei Airlock by Ergon.
Customer-IAM-Lösungen werden aufgrund der oben genannten Gründe ein immer beliebteres Mittel bei Unternehmen, um Anforderungen im Identitätenmanagement gerecht zu werden. Doch dürfen der Sicherheitsaspekt und die damit einhergehenden Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Da die cIAM-Lösungen sich nach außen richten, sind sie häufiger Hackerangriffen ausgesetzt als traditionelle IAM-Lösungen. Daher ist es ratsam, die cIAM-Lösung mit einer Web Application Firewall (WAF) zu kombinieren, um gegen Missbräuche vorzugehen. Mit einer WAF können Unternehmen ihre Webapplikationen und -services sichern und deren Verfügbarkeit gewährleistet. Sämtliche Zugriffe werden auf allen Ebenen systematisch kontrolliert und gefiltert. Ein Vorteil der Kombination von cIAM und einer WAF ist der sichere Ablauf der Kundeninteraktionen mit der IAM-Lösung und der Schutz des IAM-Systems vor bekannten OWASP-Top-10-Schachstellen, wie z.B. Script-Angriffen.
Für Banken legt eine solche Lösung zudem ein gutes Fundament für erweiterte Fraud-Detection-Maßnahmen: Jeder Bankkunde, aber auch jeder Betrüger hinterlässt ein individuelles Muster. Durch Big-Data-Analysen können diese Muster identifiziert werden. Somit kann man herausfinden, ob ein Betrugsfall vorliegt oder nicht. Selbst kleinste Anomalien können so in großen Datensätzen ausfindig gemacht werden. Entscheidend ist: Diese Erkenntnisse liegen in Echtzeit vor, so dass im Fall eines Betrugs sofort reagiert werden kann. Ein Fraud-Detection-Tool würde beispielsweise Alarm schlagen, sobald Kontobewegungen registriert werden, die aus einem als Norm erkannten Muster herausfallen. Mithilfe der risikobasierten Authentisierung und dynamischer Analyse des Benutzerverhaltens erhält die IAM-Lösung weitere Funktionen zur Erkennung von Missbrauch und Betrugsversuchen.
Unternehmen, die überlegen, ein cIAM-System einzuführen, sollten dabei folgende Punkte beachten:
Bildquelle: Thinkstock/Stockbyte, Airlock by Ergon