02.08.2017 Strategien ausarbeiten

Digitalisierung: Langfristziele im Blick behalten

Von: Volker Altwasser

Ohne Strategie und langfristige Pläne mündet die Digitalisierung in kurzfristige Effekte. Es bedarf daher gründlicher Vorüberlegungen, die Analysen einschließen und sowohl Kurzfrist- als auch Langfristziele einen.

Sei es das Internet der Dinge oder Industrie 4.0: Niemand will sie wirklich verpassen, die Entwicklung in Richtung Zukunft. Und so stimmen kleine, mittlere und große Unternehmen mehr oder weniger koordiniert in den Kanon der Digitalisierung ein. Diese Entwicklung ist aus Sicht nahezu aller Fachexperten grundsätzlich begrüßenswert, auch wenn hier und da zunächst die kurzfristigen Erfolge im Fokus stehen.

Dafür gibt es genügend Beispiele:

1. Digitalisierung im Energiemanagement mit Auswirkungen auf Stromkostenbegrenzung

Die Maschinendatenerfassung (MDE) misst den Stromverbrauch je Aggregat. Zentrale Einheiten sorgen dafür, dass die mit dem Energieversorger vereinbarten Spitzenlasten nicht überschritten werden können, indem automatisch Beleuchtungsanlagen oder Klimageräte abgeschaltet werden, bis die Last im internen Netz wieder nachlässt.

2. Predicitve Maintenance – Vorbeugende Wartung und Instandhaltung

Maschinen erhalten Mess- und Kommunikationssysteme und „melden“ sich eigenständig, wenn ein Fehler vorliegt oder der nächste Wartungszyklus ansteht. Diese Lösung ist in der eigenen Produktion enorm vorteilhaft und verschafft Wettbewerbsvorteile, wenn diese auch in den für den Endkunden gefertigten Produkten Verwendung findet.

3. Virtual-Reality-Bedienung von „gefährlichen Anlagen“

Säure- oder Gas-Ventile werden nicht mehr durch den Menschen direkt geöffnet oder geschlossen, sondern virtuell über die Nutzung einer Datenbrille und eines dazu passenden Handschuhs. Roboter und nicht Menschen können so in Gefahrenbereichen eingesetzt werden.

So attraktiv kurzfristige Erfolge auch sein mögen, eine langfristige Zielerreichung – und um die muss es letztlich gehen – braucht zwingend strategische Vorüberlegungen und ein gelungenes Zusammenspiel an Einzelmaßnahmen.

Unerlässlich: Eine von allen getragene Strategie

Doch so wichtig wie es ist, so schwierig ist es auch, in Zeiten sich stets neu ausrichtender Ausgangssituationen strategische Ansätze abzuleiten, die auch wirklich langfristigen Charakter haben. Damit diese Rechnung aufgeht, bedienen sich viele Unternehmen externer Experten. Denn jene haben in der Regel schon das eine oder andere Unternehmen erfolgreich in Richtung Digitalisierung aufgegleist und können so hilfreiche Anregungen geben oder auch einmal „Stop“ sagen, wenn der Kunde den falschen Abzweig wählt. Dabei muss das Rad keinesfalls neu erfunden werden. Viel mehr gelingt es mit praxisbewährten Methoden Nachhaltigkeit in der Vorgehensweise zu schaffen – angefangen von der klassischen Reihenfolge von der Zieldefinition bis hin zur Erfolgskontrolle der eingeleiteten Maßnahmen. Ein zentraler Erfolgsaspekt für einen erfolgreichen Digitalisierungsweg ist dabei vor allem auch die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten.

Gut gelungen ist die strategische Ausrichtung beispielsweise in einem mittleren Maschinenbauunternehmen, welches die Berater von Expertplace von Anfang an begleitet haben. Hier hatte sich die Führungsriege früh entschlossen, zunächst eine Vision vom Großen, Ganzen zu formulieren und diese in der Belegschaft zur Diskussion zu stellen. Hieraus ergab sich eine Welle von zusätzlichen Ideen und die Eröffnung einer fast komplett anderen Perspektive, die ohne die offene Kommunikation und den Mut der Führung zur bidirektionalen Kommunikation niemals beachtet worden wäre.

Ein anderes, von Beratern begleitetes, Unternehmen nutzte Kundenzufriedenheitsumfragen als mögliche Ideenquelle. Die Ansätze zur Digitalisierung wurden hier als die „Anforderungen des Marktes“ verstanden. Auf dieser Basis diskutierten die TOP-Accounts des Unternehmens eine lange Liste von möglichen Use-Cases und entwickelten eine auf Jahre tragfähige Ausrichtung der Aktivitäten.

Profiteure auf allen Seiten

Orientieren sich Unternehmen an einer gemeinsam gefundenen und gelebten Strategie profitieren alle Interessensgruppen. Denn in einem Wandelprozess, wie es die Digitalisierung erfordert, muss die Unternehmensleitung den intensiven Austausch zu Fachangestellten finden und einen oftmals fehlenden, offenen Austausch anregen. Dies kommt dem Unternehmen über die Effekte digitalisierter Abläufe hinaus zugute. Auf der anderen Seite profitieren die Angestellten der verschiedenen Fachabteilungen von einer Lösung tagtäglicher Herausforderungen. In vielen Industriezweigen, in denen es eine klare Entwicklung Richtung immer individueller Produkte gibt, werden Kunden dankbar sein, dass dieser verbrauchergetriebene Wunsch durch die Unternehmen und neu entstehenden Services ernst genommen und in der Strategie des Lieferanten verankert wird.

Veränderungsprozesse wie die digitale Transformation von Unternehmen bedürfen einer sorgfältigen Planung, in der Kurz- und Langfristmaßnahmen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Erfolgsversprechend sind dabei Strategien, die von Anfang an die Anforderungen aller Stakeholder gleichermaßen wertschätzen und berücksichtigen. Deren strukturierte Aufnahme und Bewertung im Gesamtkontext durch ein offenes und kreatives Management-Board erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts. 


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