05.10.2016 Neue generische Top Level Domains

Domain-Management: Wie man sich vor Markenpiraten schützen kann

Von: Ingrid Britz-Averkamp

Darum brauchen Marken mehr denn je ein professionelles Domain-Management und Online-Monitoring >>>

Neue generische Top Level Domains bringen nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken. Zwar ergeben sich auch vielfältige neue Möglichkeiten für Markenunternehmen, Kunden anzusprechen. Andererseits wird es bei derzeit 1.165 neuen Domain-Namen und 326,4 Millionen registrierten Domains auch zur Herkulesaufgabe, den Überblick zu behalten und die eigenen Marken zu schützen. Vor allem, da es im Netz von Produkt-Piraten nur so wimmelt, die alle ein großes Geschäft auf Kosten etablierter Marken wittern. Mehr denn je brauchen sie ein professionelles Domain-Management und Online-Monitoring.

Etablierte Marken sind Gold wert. Das haben auch Online-Kriminelle erkannt. Längst steht das Kapern von Internet-Domains bekannter Markenunternehmen durch Marken-Piraten an der Tagesordnung. Die Einführung von neuen generischen Top-Level-Domains (gTLDs) – der Teil einer Internetadresse, der ganz rechts hinter dem Punkt steht – hat die Situation zusätzlich verschärft. Und bei der zuständigen Organisation ICANN befinden sich noch jede Menge weitere Domain-Namen im Einführungsprozess.

 

Die größten Bedrohungen identifizieren

Um sich vor den Cyber-Kriminellen zu schützen, spielt neben dem Monitoring ein professionelles Domain-Management eine entscheidende Rolle. Unternehmen sollten dabei sowohl offensive als auch defensive Registrierungen vornehmen, um sich vor Domaingrabbing und Cybersquatting zu schützen. „Sich vorsorglich möglichst viele Domainnamen zu sichern, ist aber der falsche Weg“, erklärt Stefan Moritz, Regional Director DACH beim Markenschutz-Spezialisten MarkMonitor. „Stattdessen sollte man die größten Bedrohungen identifizieren und gezielt dagegen vorgehen. Mithilfe von automatisierten Online-Lösungen lässt sich dies bewerkstelligen.“

Dies zeigt zum Beispiel der Fall des britischen Modefirma Bellstaff. Diese kämpften mit gefälschten Jacken und Oberbekleidung, meist Kopien veralteter Kollektionen, die längst nicht mehr im Sortiment waren. Mithilfe von MarkMonitor gingen sie gegen die Fälscher vor. Der Scan-Prozess des Online-Markenschutzexperten brachte dabei mehr als 3.000 Webseiten ans Licht, die gefälschte Waren verkaufen. Zudem zeigte die Software, dass über 800 dieser Seiten von nur einer Person in China verwaltet werden. Belstaff strebte daraufhin eine Zivilklage vor einem amerikanischen Gericht an, bei dem die Fälscher zu einer Schadenersatzzahlung von über 42 Millionen US-Dollar (ca. 37 Millionen Euro) verurteilt wurden. Zudem wurde im Rahmen des Prozesses eine noch nie dagewesene Zahl an Webseiten – insgesamt 676 – an Belstaff übergeben.

 

Das Domain-Portfolio optimieren

Für Markenunternehmen kommt es vor allem darauf an, die kriminellen Machenschaften der Fälscher zu stören und es dem Nutzer zu erschweren, gefälschte Angebote zu finden. Dazu gehört die Erfassung aller Domain-Namen, die das Unternehmen nutzt beziehungsweise reserviert hat. So sollten etwa alle belegten Domain-Namen eines Unternehmens mit sinnvollem Inhalt hinterlegt werden. Manchmal sind Domain-Belegungen eine reine Präventivmaßnahme und dienen nur dazu, den Fälschern zuvorzukommen. Es empfiehlt sich daher, die registrierten Domain-Namen einmal im Jahr zu überprüfen.

Zudem gilt es zu beachten, dass ausländische Domains (IDNs) mit Websites in der jeweiligen Landessprache verknüpft werden. Um Online-Kunden und damit auch Umsatz zurückgewinnen, müssen Unternehmen konsequent gegen die Täuschungsmanöver der Cyber-Kriminellen vorgehen. Identifizierte Online-Shops von Fälschern sollten deswegen abgemahnt und das Internet sollte nach neuen Täuschungsmanövern durchsucht werden. Auch sollten Marketingverantwortliche alle Plattformen – wie etwa Social-Media-Kanäle oder Mobile Apps – fest in die Markenschutzstrategie integrieren.

 

Für die Zukunft gerüstet

Die Zahl der neuen generischen Top Level Domains steigt kontinuierlich an. Dadurch wächst auch die Gefahr für Angriffe auf die Domain-Infrastruktur. Das umfassende, proaktive Domain-Management wird in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Der Schutz vor Fälschungen und dem damit verbundenen Image- und Gewinnverlust ist gerade für Inhaber von Markennamen zu wichtig, als dass sie ihn vernachlässigen können.
 

Bildquelle: Thinkstock / iStock

 

 

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