26.06.2017 „Wir lieben Rechenzentren“

Edeka-IT zieht in neues Data Center um

Von: Simon Federle

Worauf es dem Lebensmitteleinzelhändler Edeka bei der Gestaltung der eigenen Rechenzentren ankam, berichtet Frank Neubauer, Business Development Manager bei dem an dem Projekt beteiligten Dienstleister RZservices, im Interview.

Frank Neubauer, RZservices

„Ein RZ-Umzug bedeutet immer eine Schwächung der IT-Verfügbarkeit, sodass ein perfektes Zusammenspiel zwischen der IT und der Infrastruktur notwendig ist.“

IT-DIRECTOR: Herr Neubauer, für den Handelskonzern Edeka errichteten Sie in Würzburg ein sogenanntes „georedundantes Twincore Data Center“. Was ist das Besondere an diesem RZ-Konzept?
F. Neubauer:
Das Konzept ist die Antwort auf einen sehr hohen Schutzbedarf mit besonderen Verfügbarkeitsanforderungen an den Betrieb der IT. Hierzu wurden zwei nahezu baugleiche Rechenzentren errichtet. Sie besitzen neben der gleichen redundanten Technik auch eine zusätzliche Geo-Redundanz, inklusive einer hoch performanten und ebenfalls redundanten Datenanbindung. Das bedeutet, dass die Entfernung zwischen den RZ so gewählt ist, dass die Betriebsbeeinträchtigung des einen RZ nicht den Betrieb des zweiten gefährdet. Bedingt durch die sehr hohen Sicherheitsanforderungen beider Rechenzentren und der Geo-Redundanz kann solch ein Twincore-Datacenter als Verbundsystem betrieben werden. Im Zusammenspiel mit der dazugehörigen Betriebsführung konnte es mit der sehr hohen Zertifizierungsstufe 3+ vom TÜV Hessen erfolgreich zertifiziert werden.

IT-DIRECTOR: Wie gewährleisten Sie die Energieeffizienz und Skalierbarkeit der neuen Rechenzentren?
F. Neubauer:
Um die Energieeffizienz messbar zu machen, setzen wir eine für Rechenzentren relevante energetische Kennzahl, den Power-Usage-Effectiveness-Wert (PUE) ein. Der PUE gibt Auskunft darüber, wie viel Energie von einem Rechenzentrum im Verhältnis zur Energieaufnahme seiner IT-Ausstattung verbraucht wird. Um die Energieeffizienz auch in verschiedenen Ausbaustufen zu gewährleisten, wird kontinuierlich ein Teillast-PUE ermittelt, der auch ein wichtiger Vertragsbestandteil zwischen Edeka Rechenzentrum Süd GmbH und der RZservices ist: Bei Nichteinhaltung sind empfindlichen Pönalen für uns verbunden.

Aber Energieeffizienz und skalierbare RZ-Flächen sind nicht nur Technik alleine. Das Nutzerverhalten beider Parteien, d.h. der IT und Infrastruktur, spielt hier eine enorm wichtige Rolle. Dazu setzen wir erfahrene Sitemanager ein, die in regelmäßigen Intervallen die Effizienz aber auch die Verfügbarkeit und Redundanzen der Infrastruktur überprüft und somit eine wichtige Schnittstelle zu den IT-Verantwortlichen des Kunden darstellt. Darüber hinaus finden quartalsmäßige „IT-Strategie-Meetings“ statt. Dazu diskutieren die Verantwortlichen beider Partner darüber, wie die Qualität sämtlicher Dienstleistungen mittels eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses gesteigert werden kann. Hier werden auch vergangene sowie zukünftige IT-Projekte diskutiert, um die Energieeffizienz und Skalierbarkeit der Rechenzentren optimal ausnutzen zu können.

IT-DIRECTOR: Nach dem Neubau wickelten Sie den Umzug der Edeka-IT von den bisherigen Standorten in die neuen Data Center ab. Wie aufwendig war der Umzug? Wie viel Zeit nahm er in Anspruch?
F. Neubauer:
Die Planung des Umzugs wurde von den IT-Spezialisten der Edeka durchgeführt. Dazu musste der Umzug der bestehenden IT aus den vorhandenen RZ-Flächen und die Inbetriebnahme von neuem IT-Equipment organisiert werden. Zuerst wurde das Data Center in Heuchelhof aus den bestehenden RZs der Edeka Nordbayern besiedelt. Das hat ein Wochenende in Anspruch genommen. An einem weiteren Wochenende zogen sie in das zweite Rechenzentrum in Estenfeld ein. Die Edeka Südwest besiedelten dagegen an nur einem Wochenende die Data Center. Unsere Aufgabe bestand darin, die Sicherheit und Verfügbarkeit der Infrastruktur zu gewährleisten.

IT-DIRECTOR: Worauf sollte man generell bei einem RZ-Umzug achten? Worin liegen die größten Herausforderungen?
F. Neubauer:
Ein RZ-Umzug bedeutet immer eine Schwächung der IT-Verfügbarkeit oder sogar einen Totalausfall für eine bestimmte Zeit. Somit ist ein perfektes Zusammenspiel zwischen der IT und der Infrastruktur notwendig. Denn: Im Gegensatz zu der Inbetriebnahme von neuem IT-Equipment, bedeutet ein Umzug meistens das Herunterfahren von teils sehr komplexen Systemen die oft schon seit längerer Zeit ununterbrochen betrieben wurden. Auch der Transport stellt verschiedene Anforderungen an die Sicherheit dar. So sollten nur Fachleute den Transport planen und realisieren, um zu gewährleisten, dass z.B. bei einem Unfall auf dem Weg zum neuen RZ nicht das gesamte IT-Equipment gefährdet ist oder dass bei schlechten Witterungsbedingungen das IT-Equipment Schaden nimmt. Die Wiederinbetriebnahme erfolgt dann meistens in einem definierten Zeitfenster. Daher sollte auch hier gegebenenfalls auf Reserveequipment sowie auf spezielle Techniker der Geräte- und Softwarehersteller zurückgegriffen werden können.

IT-DIRECTOR: Sie übernehmen für den Kunden bestimmte Dienstleistungen hinsichtlich des RZ-Betriebs. Welche sind dies im Einzelnen?
F. Neubauer:
Hier kommt unser Dienstleistungsportfolio „Data-Center-as-a-Service“ zum Einsatz. Es beinhaltet verschiedene Module, womit wir in der Lage sind, standardisierte aber auch sehr individuelle Services anzubieten. Neben den hohen Erfahrungswerten in den Bereichen Instandhaltung und Störfallmanagement inklusive Aufschaltung der relevanten Stör- und Betriebsmeldungen auf das Network Operations Center (NOC) der RZservices, lehnen wir uns stark an die verschiedenen Disziplinen der RZ-Norm EN 50600 Teil 3-1, Management und Betrieb, an. Unter Zuhilfenahme unseres speziellen RZ-Monitorings (DCM-Delivery) haben wir ein individuelles Sitemanagement entwickelt, dass die Verfügbarkeit aber auch die Energieeffizienz beider Rechenzentren gewährleistet und für ein transparentes und faires Miteinander zwischen unserem Kunden und uns sorgt.

IT-DIRECTOR: Aus welchen Gründen hat sich das Handelsunternehmen für die Auslagerung dieser RZ-Services entschieden?
F. Neubauer:
Edeka besitzt sehr spezialisierte personelle Ressourcen im Bereich der IT. Auch das Angebot an interdisziplinären Spezialisten für den Betrieb der RZ-Infrastruktur ist nicht ausreichend. Somit bot sich eine Zusammenarbeit mit der RZservices an.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Hinzu kamen gute Erfahrungen die Edeka vorab aus dem GÜ-Projekt gemacht hatte, als die proRZ beauftragt wurde, zwei neue Rechenzentren zu errichten und die bestehenden umzulagern. Ausschlaggebend ist sicherlich auch, dass Edeka die im Vertrag festgehaltenen Dienstleistung messen kann. So wurden Service-Level-Agreements (SLAs) für Strategie, Entwicklung, Implementierung und Betrieb vereinbart.

Bildquelle: RZservices

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