RZ-Klimaanlagen mit mehreren Tonnen

Ein großer Markt für gebrauchte RZ-Hardware

Interview mit Frank Beckereit, Lead Consultant bei Dimension Data, über den umsichtigen Abbau in die Jahre gekommener Rechenzentren

Frank Beckereit, Dimension Data

Frank Beckereit, Lead Consultant bei Dimension Data

IT-DIRECTOR: Herr Beckereit, entscheidet sich ein IT-Verantwortlicher für die Auslagerung der kompletten Unternehmens-IT, wird das bisherige RZ nicht mehr gebraucht. Und auch bei der Entscheidung, ein neues Data Center an einem anderen Standort aufzubauen, hat das alte Rechenzentrum ausgedient. Doch was passiert in solchen Fällen mit dem bisherigen Data Center?
F. Beckereit:
Je nach Größe und Ausstattung des Rechenzentrums bedeutet ein kompletter Rückbau einen immensen Aufwand. Allein Klimaanlagen können mehrere Tonnen wiegen, in einem Rechenzentrum liegen mehrere hundert Kilometer Kabel. Das alles muss mit großer Umsicht abgebaut oder ausgetauscht und dann entsprechend den gesetzlichen Vorschriften entsorgt werden.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Organisation des Rückbaus ihres „alten“ Rechenzentrums vor allem achten?
F. Beckereit:
Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Partner lohnt sich beim Rückbau eines Rechenzentrums, denn ein Unternehmen allein kann dies nicht leisten. Wichtig ist, dass alle Daten sicher auf die neue Infrastruktur übertragen und auf der zu entsorgenden Hardware zuverlässig gelöscht werden. Im Vorfeld sollte zudem geklärt werden, welche Hardware tatsächlich unbrauchbar ist und welche gegebenenfalls in einem neuen Rechenzentrum wieder Platz findet. Ein Experte kann hier Strategien erarbeiten, wie aus dem Bestand das Optimum herausgeholt und in welchen Schritten der Rest des Rechenzentrums abgebaut werden muss.

IT-DIRECTOR: Möchte man die ehemaligen RZ-Räumlichkeiten nicht komplett abreißen – für welche Einsatzzwecke sind sie geeignet?
F. Beckereit:
Pauschal lässt sich nicht über eine anderweitige Nutzung entscheiden – inwieweit die Räumlichkeiten als Büros nutzbar sind, ist unter dem Gesichtspunkt notwendiger zusätzlicher Investitionen zu prüfen. Ausgewählte Hardware in einem Backup-Rechenzentrum weiterlaufen zu lassen, ergibt nur bei entsprechender Qualität dieser Bestandteile und guter Auslastung Sinn. Auch beim Aufbau eines neuen Backup-Rechenzentrums sollten sich die Unternehmen die Frage nach der Wirtschaftlichkeit und Effizienz stellen. Ein Notfall-Rechenzentrum muss höchsten Ansprüchen genügen. Zuverlässigkeit kann in hohem Maße nur durch ständige Wartung und laufende Investitionen in Updates realisiert werden. Der Unterhalt lohnt sich meist weniger als der Bezug der Backup-Lösung als Service von einem spezialisierten IT-Dienstleister.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Entsorgung von „RZ-Altlasten“ wie z.B. ausrangierter Hardware, Löschanlagen, Klima- oder USV-Geräte an – insbesondere unter Nachhaltigkeits- und Umweltaspekten?
F. Beckereit:
Gerade bei der Entsorgung spielt der richtige Partner eine große Rolle. Unternehmen sollten sich einen zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb zur Seite nehmen. Dieser garantiert den sicheren Abtransport mit Transportgenehmigung, Verwertung und Schadstoffentfrachtung sowie eine umweltverträgliche Entsorgung mit entsprechenden Entsorgungsnachweisen. Datenträger sollten nach DIN-Vorgaben zerstört werden.

IT-DIRECTOR: Mit welchem finanziellen Aufwand ist der Rückbau eines Rechenzentrums verbunden? Welche Kostenblöcke sind am größten?
F. Beckereit:
Bei großen Rechenzentren ist der personelle und maschinelle Aufwand für den Abbau ein großer Kostenfaktor. Die fachgerechte Entsorgung bedarf hoher Investitionen, genauso dürfen die Kosten für die Sicherung respektive Vernichtung der Daten nicht unterschätzt werden.

IT-DIRECTOR: Bevor man alles endgültig entsorgt – mit welchen RZ-Bestandteilen – über die Kupferkabel hinaus – lässt sich noch gutes Geld verdienen?
F. Beckereit:
Weltweit gibt es einen großen Markt für gebrauchte Hardware. Es ist wie überall: Was nicht mehr den Ansprüchen des einen Unternehmens genügt, kann gegebenenfalls von einem anderen noch genutzt werden. Spezialisierte Händler veräußern solche Hardware in Ladengeschäften und natürlich über Onlinekanäle. Aber hier ist immer Vorsicht geboten: Die Hardware sollte nur verkauft werden, wenn alle Anwendungen und Daten endgültig davon entfernt wurden.

IT-DIRECTOR: Stichwort Sicherheit: Wie kann man sichergehen, dass beim RZ-Rückbau nicht irgendwo eine Festplatte mit sensiblen Firmendaten liegenbleibt oder verlorengeht?
F. Beckereit:
Das ist der entscheidende Punkt beim Rückbau: Bei der endgültigen Deinstallation und dem Löschen von Daten sind höchste Vorsicht und Gewissenhaftigkeit geboten. Ein spezialisierter Partner kann dabei helfen, allerdings sollte sich ein Unternehmen nicht blindlings darauf verlassen. Alle Vorgänge müssen dokumentiert und die Ergebnisse überprüft werden. Selbstverschuldeter Datenverlust kommt bei Kunden nie gut an.

IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Projektpraxis: Was war das Lustigste, was Sie beim Rückbau des Rechenzentrums eines Kunden wiedergefunden haben?
F. Beckereit:
Im Wesentlichen findet man in einem alten Rechenzentrum viel Staub, mal einen verlorenen Schraubenzieher und jahrealte Notizen. Am interessantesten sind immer alte Zeitungen, die sich in dunklen Ecken gehalten haben und die von lange vergangenen Geschichten erzählen. Oder vergessene Hardware, die es laut Bestandsliste eigentlich seit Jahren nicht mehr geben sollte.

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