Dr. Georgios Rimikis, Hitachi

Eine Datenwelt, die niemals schläft

Interview mit Dr. Georgios Rimikis, Manager Solutions Strategy bei Hitachi Data Systems

Dr. Georgios Rimikis, Hitachi

IT-DIRECTOR: Inwiefern fragen Anwenderunternehmen heute nach Hardware nach – etwa unter dem Aspekt, dass sie beim flexiblen Auslagern der IT in eine Cloud keine eigenen Hardware-Ressourcen mehr vorhalten müssen?
G. Rimikis:
IDC sagt ein Datenwachstum von ca. 60 Prozent pro Jahr voraus – ein Phänomen, dass wir bei fast allen Unternehmen beobachten – und die Nachfrage nach Systemen wird im Grunde nicht abnehmen, denn Fakt ist, dass die produzierten Daten letztlich auf irgendeiner Hardware physikalisch gespeichert werden müssen, unabhängig davon, ob wir von einer Cloud oder von einem herkömmlichen Rechenzentrum sprechen. Der Bedarf nach Kapazität ist sehr groß – viel größer ist in einer immer schneller agierenden Geschäftswelt jedoch die Performance der Systeme. Das bedeutet, dass die Nachfrage nach IT-Hardware ununterbrochen bleiben wird. Darüber hinaus muss man also unterscheiden, von welcher Art von Cloud die Rede ist. Denn Cloud ist, meiner Meinung nach, ein evolutionärer Zustand, der mit der klassischen IT koexistieren wird. Gerade bei großen Unternehmen mit sehr speziellen Anforderungen an Daten geht es nicht darum, Daten ausgelagert in einer Cloud abzuspeichern, sondern viel mehr darum, eine private cloud im eigenen Rechenzentrum kosteneffizient aufzubauen – was in vielen Unternehmen heute in vielen Formen schon der Fall ist.

IT-DIRECTOR: Welche Hardware-Projekte setzen Großunternehmen aktuell am häufigsten um?
G. Rimikis:
Zurzeit beobachten wir, dass sich Unternehmen sehr häufig mit Virtualisierungsprojekten – sprich Virtualisierung von Servern und Speicher – beschäftigen, um das Spannungsfeld zwischen immer höheren Managementkosten im Vergleich zu relativ gleichbleibenden Hardwarekosten besser in den Griff zu bekommen. Virtualisierung, die mit Instrumenten wie Thin Provisioning und Dynamic Tiering begleitet wird, ist hier das Mittel der Wahl und kann zu einer wirklich sinnvollen Nutzung vorhandener Ressourcen und zu einer Vereinfachung beitragen.

Zusätzlich liefert diese Methode einen großen Beitrag zu „Datenmobilität“. Denn in einer virtualisierten, globalisierten und vernetzten Welt, die niemals schläft, sollen große Datenmengen unterbrechungsfrei migriert und Systeme im laufenden Betrieb gewartet werden, sowie Informationen immer und von überall günstig verfügbar sein. Außerdem setzen viele Unternehmen auf Automatisierung, um die Managementkosten zu optimieren.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte kurz ein aktuelles Hitachi-Projektbeispiel aus dem Großkundenbereich beschreiben?
G. Rimikis:
Wir haben beispielsweise die W&W Informatik GmbH dabei unterstützt, große Datenmengen – natürlich unterbrechungsfrei – zu migrieren und eine Struktur zu errichten, die IT-Inseln vermeidet und mit dem kontinuierlichen Datenwachstum problemlos mithalten kann. W&W betreibt zwei Rechenzentren, die synchron gespiegelt sind. Außerdem sichern regelmäßige Snapshots und Test – beispielsweise geplante Fail-over-Szenarien mit Schwenks das jeweils andere Rechenzentrum – die Verfügbarkeit. Auf Basis der Hitachi Universal Storage Platform (USP V) haben wir ein Speichervirtualisierungskonzept erstellt, das W&W ermöglichte, 90 Terabyte innerhalb von nur ein paar Wochen zu migrieren. Fester Bestandteil der neuen Infrastruktur bei W&W ist ein Konzept, das dem Datenwachstum (ca. 80 Prozent Datenwachstum pro Jahr bei W&W) mit einem stringenten Genehmigungsverfahren begegnet, mithilfe von Hitachi Dynamic Provisioning. Etwa drei Viertel der Speicherkapazität bei W&W (535 Terabyte) werden mit der USP V verwaltet, durch die Speichervirtualisierung konnte das Unternehmen sogar von acht auf zwei Systeme konsolidieren.

Die W&W Informatik GmbH ist der zentrale IT-Dienstleister der W&W-Gruppe (Wüstenrot & Württembergische). Das Unternehmen entwickelt und betreibt alle IT-Anwendungen innerhalb der W&W-Gruppe ist verantwortlich für Netze, dezentrale Systeme, Architekturen und Rechenzentren.

IT-DIRECTOR: Stichwort Energieeffizienz: Wie kann moderne Hardware die Bemühungen der Kunden unterstützen, Energiekosten zu senken?
G. Rimikis:
Erster Ansatzpunkt für einen optimierten Energieverbrauch in einem Rechenzentrum ist die bestmögliche Nutzung der vorhandenen Speicherressourcen: Der Weg dorthin führt zum einen über die Virtualisierung der Datenspeicher, aber auch über Methoden wie Thin Provisioning und Dynamic Tiering. Dank dieser Instrumente können vorhandene Speicherressourcen besser genutzt werden, um gleichzeitig Umwelt und Geldbeutel zu schonen. Unser Konzept Hitachi Dynamic Provisionning (HDP) hat nicht nicht nur einen geringeren Bedarf an Hardware zur Folge, sondern auch einen signifikanten Einluss auf die Performance der eingesetzten Speichersysteme. Das bedeutet: mit weniger mehr erreichen. Ein Tiered Storage Model erlaubt, die zur Verfügung stehenden Speicherschichten so zu definieren, dass nicht nur High-End-Speicher mit den damit verbundenen hohen Stromkosten benutzt wird, sondern für bestimmte Anwendung oder für einen Test eine andere Speichergüte aus einem kleineren Energiekonsumenten bereitgestellt wird. Verglichen mit der Alltagswelt: Wir fahren auch nicht täglich mit einem LKW zur Arbeit, sondern mit einem dafür besser geeigneten Verkehrsmittel, denn der LKW ist für andere Aufgaben vorgesehen Das automatische Abschalten von nicht genutzten Laufwerken – beispielsweise für Archivdaten, die bei Bedarf wieder hochgefahren werden – ist ein Verfahren, das Unternehmen darüber hinaus unterstützt, Energiekosten zu reduzieren.

IT-DIRECTOR: Welche Speichertechnologien bzw. -komponenten tragen hauptsächlich zu einem geringen Energieverbrauch bei?
G. Rimikis:
Zum einen tragen Komponenten mit kleinem Formfaktor, sprich 2.5-Zoll-Festplatten, wesentlich dazu bei, den Energieverbrauch zu verringern, da diese Komponenten eine kleinere Fläche einnehmen und weniger Wärme erzeigen. Darüber hinaus können neue Speichermedien wie Flash Disks Unternehmen unterstützen, allerdings mit einem signifikanten Unterschied zu klassischen Festplatten, die Stromkosten massiv zu reduzieren. Architektonische Änderungen im System, die wir bei unserer Virtual Storage Plattform (VSP) implementiert haben (wie Power Control, Low Power Memory, Kühlung anhand eines Luftstroms von vorne nach hinten, usw.), können den Energieverbrauch um bis zu 48 Prozent reduzieren, verglichen mit dem Vorgängersystem Universal Storage Platform V (USP V), das bereits führendes Modell auf diesem Sektor war. Darüber hinaus spielen wie bereits erwähnt Dynamic Tiering undThin Provisioning – hier hat Hitachi die eigene Lösung Hitachi Dynamic Provisioning (HDP) – eine entscheidende Rolle, den Energieverbrauch im Rechenzentrum zu verringern. Anhand dieser cleveren beziehungsweise sparsamen Kapazitätenauslastung von Speicherressourcen werden nicht nur Strom- und Klimatisierungskosten minimiert, sondern vor allem die Beschaffung von Kapazität nach Bedarf erreicht, die Speicherüberprovisionierung reduziert.

IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Zukunft: In welche Richtung werden sich Hardware-Technologien in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
G. Rimikis:
Auch in Zukunft wird es darum gehen, effektive, effiziente und wirtschaftliche Konzepte zu entwickeln, in denen eine Vielzahl von Komponenten integriert wird. Reduzierung der Komplexität und des Verwaltungsaufwands, Erhöhung des Automatisierunggrades, richtlinienbasiertes Management, Methoden, die zu Energie- und Stellraumreduktion führen sind die Richtungen, in denen sich die Hardware und speichernahe Software bewegen. Ein anderer wichtiger Punkt ist eine stärkere und direktere Anbindung der Anwendungen mit dem Speicher, so dass Unternehmen aus ihren Daten wertvolle Business-Informationen ziehen können. Es sollte möglich sein, dass eine Anwendung zu jedem Zeitpunkt selbst entscheidet, welche Güte und Menge an Hardwareressourcen sie benötigt, damit sie das Optimum für das Unternehmen liefert.

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