05.10.2017 Wie Pick-by-Vision und Glass die Sicherheit steigern

Eine neue Sicht auf die Intralogistik

Von: Dirk Franke

Durch die Kombination einer Pick-by-Vision-Lösung und der Datenbrille Glass ­Enterprise ­Edition lassen sich Effizienz und Sicherheit in Intralogistikprozessen steigern.

Lagerarbeiter mit der Google-Glass-Datenbrille

Der Lagerarbeiter setzt die Datenbrille auf und wird über das Display Schritt für Schritt durch alle anstehenden Prozesse g­eleitet.

Die Schicht beginnt mit dem Griff zur Brille: Der Lagerarbeiter setzt die Datenbrille auf, meldet sich an und erhält seinen ersten Auftrag. Von nun an wird er über das Display Schritt für Schritt durch alle anstehenden Prozesse geleitet. So sieht der Arbeitsalltag im Lager mit der Pick-by-Vision-Lösung Picavi aus – bei Kontraktlogistikern genauso wie bei Handelsunternehmen jeder Ausrichtung. Das Kommissioniersystem wird seit zwei Jahren bevorzugt mit dem bekanntesten Datenbrillenmodell umgesetzt: der Glass Enterprise Edition. Sie ist das aktuelle Nachfolgemodell der ­Google Glass Explorer Edition von 2012 und ausschließlich bei offiziellen Glass-Partnern, von denen es nur zwei in Deutschland gibt, erhältlich.

Die Glass Enterprise Edition ist mit 42 Gramm nahezu so leicht wie eine normale Brille und sitzt auch bei der bewegungsintensiven Arbeit eines Pickers jederzeit sicher auf Nase und Ohren. Neben dem ausbalancierten Tragekomfort zeichnet sie sich vor allem durch ihre einfache, intuitive Handhabung und ihre Anpassungsfähigkeit an den Träger aus: Für Lagerarbeiter mit eingeschränkter Sehkraft können beispielsweise per Schnellwechselmechanismus Gläser mit Sehstärke aufgesteckt werden. Bei erhöhten Sicherheitsvorgaben lassen sich auch Sicherheitsgläser nach EN 166 einsetzen. Damit tragen die Head-Mounted-Displays zum optimalen Schutz des Werkers in möglichen Gefahrenzonen bei. Zugleich behält er immer den Überblick über seine Umgebung, während alle aktuell benötigten Informationen am Blickfeldrand eingeblendet werden.

Mit der schnell zu erlernenden Handhabung ist die Kombination aus Pick-by-Vision und Glass prädestiniert für Kommissionierprozesse – also die Zusammenstellung von Aufträgen im Warenlager. Aber auch viele weitere Prozesse im und rund ums Lager können auf diese Weise optimiert werden: Ein- und Auslagerungen, Inventuren, Retourenmanagement oder etwa Sequenzierungsprozesse bei der Automobilherstellung. Hier unterstützt die Lösung die eng getaktete Arbeit am Band, indem sie dabei hilft, dass das richtige Bauteil zum richtigen Zeitpunkt für den Monteur bereitliegt.

Auch bei hohen Pickdichten bzw. einem sehr schnellen Materialfluss hat sich die Software bereits als effizient erwiesen. So konnte der Full-Service-Anbieter aktuell bei einem Kontraktlogistiker, der leicht verderbliche Nahrungsmittel zwischenlagert und für den Weitertransport vorbereitet, eine Zeitersparnis von zwölf Prozent erzielen – dank freier Hände und visueller Prozessführung inklusive optimierter Lauf- und Fahrwege wurden bei anderen Auftraggebern bis zu 30 Prozent erreicht.

Verbesserungen für die Datenbrille


Eine Herausforderung beim Einsatz sind die verhältnismäßig kurzen Akkulaufzeiten der Wearables. Für vollständige Industrie- und Praxistauglichkeit sorgt hier die vom Anbieter entwickelte Power Control. Mit ihr haben die integrierten Akkus genügend Energie für mehr als eine komplette Schicht – ein Brillentausch während der Arbeitszeit oder andere aufwendige, organisatorische Lösungen sind unnötig.

Verbunden werden Brille und Akku durch ein kaum zu spürendes, zugentlastetes Kabel, um den Tragekomfort zu erhalten. Zusätzlich bietet das System mit fünf großen Tasten ein alternatives Bedienelement. Auch für eine weitere Hürde wurde eine Lösung gefunden: ungünstig und sehr niedrig angebrachte Barcodes. Befindet sich ein Barcode am Fuß oder an der Seite einer Palette, ist ein Scan mit dem in die Brille integrierten Scanner erschwert. Einfache Abhilfe schaffen hier Ringscanner, die auf den Zeigefinger aufgesteckt werden – also die Bewegungsfreiheit weiter gewährleisten – und per Blue­tooth in das System eingebunden werden.

Doch egal mit welcher Hardware der Lagerarbeiter scannt und bedient, die Erfahrungen zeigen: Ergonomische Bewegungsabläufe und ein übersichtliches, auf das Notwendige reduzierte User Interface sorgen für eine hohe Akzeptanz bei den Nutzern. Nach einer kurzen Einführung und ein bis zwei Tagen der Eingewöhnung tragen und nutzen Mitarbeiter die Glass Enter­prise Edition in der Regel wie selbstverständlich. Gerade bei jüngeren und technikaffinen Mitarbeitern stößt die Lösung häufig sogar auf Begeisterung.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch beim Endkunden macht sich die Technik bemerkbar. So profitieren etwa die Besteller eines führenden Agrar-Webshops: Fehllieferungen sind beinahe ausgeschlossen; Aufträge werden schneller bearbeitet und lassen sich jederzeit transparent nachverfolgen. Denn Daten und damit auch Warenbestände werden von der Datenbrille im Lager immer in Echtzeit an das bestandführende System übermittelt.

Bildquelle: Picavi

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