Den baulichen Brandschutz beachten

Enormer Aufwand beim RZ-Rückbau

Interview mit Markus Schäfer, Vertriebsleiter bei der ProRZ Rechenzentrumsbau GmbH, über den Aufwand beim Rückbau eines Rechenzentrums

Markus Schäfer, ProRZ Rechenzentrumsbau GmbH

Markus Schäfer, Vertriebsleiter bei der ProRZ Rechenzentrumsbau GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Schäfer, entscheidet sich ein IT-Verantwortlicher für die Auslagerung der kompletten Unternehmens-IT, wird das bisherige RZ nicht mehr gebraucht. Und auch bei der Entscheidung, ein neues Data Center an einem anderen Standort aufzubauen, hat das alte Rechenzentrum ausgedient. Doch was passiert in solchen Fällen mit dem bisherigen Data Center?
M. Schäfer:
Das alte Data Center bleibt meist ein wichtiger Bestandteil im Gesamtkontext der neuen IT-Strategie, ungeachtet eines Outsourcings oder der Standortverlagerung. Allerdings verändern sich durch die neuen strategischen Rahmenbedingungen sowohl die technischen Infrastrukturen als auch der Verfügbarkeitsanspruch an die einzelnen physikalischen Bauteile des RZ. Das bisherige Rechenzentrum wird im Falle eines kompletten Outsourcing in der Regel konsolidiert und zurückgebaut und dient dann als zentraler Netzknotenpunkt, insbesondere für die Anbindung ins Wide Area Network (WAN), gleichermaßen aber auch als zentraler Übergabepunkt zum Outsourcing-Dienstleister.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Organisation des Rückbaus ihres „alten“ Rechenzentrums vor allem achten?
M. Schäfer:
Beim Rückbau ist der interdisziplinäre Zusammenhang aller zurückzubauenden Gewerke zu beachten – auch die technischen Parameter und Voraussetzungen möglicher Weiter- und Wiederverwendbarkeit einzelner physikalischer Bauteile müssen berücksichtigt werden. Speziell der Rückbau des alten Rechenzentrums im Onlinebetrieb ist im Vorfeld sorgfältig zu planen und muss hinsichtlich der technischen Umsetzbarkeit und möglicher Fallback-Prozeduren durchgespielt werden. Daher empfiehlt es sich, einen Fachplaner mit einzubinden, der sowohl über das Know-how bei der Planung der technischen Gebäudeausrüstung als auch in der Architektur verfügt und hinreichende Erfahrung mit dem Rückbau von Rechenzentren im Onlinebetrieb hat.

IT-DIRECTOR: Mit welchem finanziellen Aufwand ist der Rückbau eines Rechenzentrums verbunden? Welche Kostenblöcke sind am größten?
M. Schäfer:
Je nach Einsatzzweck kann das unterschiedlich sein. In der Regel ist ein Rückbau des Rechenzentrums vor allem mit einem erhöhten finanziellen Aufwand im baulichen Bereich, bei den Anpassungen an die räumlichen Gegebenheiten sowie hinsichtlich des baulichen Brandschutzes verbunden. In diesen Kostenblock fällt zudem der Aufwand für den Rückbau von Versorgungsleitungen, etc.

IT-DIRECTOR: Bevor man alles endgültig entsorgt – mit welchen RZ-Bestandteilen – über die Kupferkabel hinaus – lässt sich noch gutes Geld verdienen?
M. Schäfer:
Grundsätzlich mit allen Metallen, alles andere wird nahezu wertlos. Fast immer sind Komponenten wie Racks, Klimaanlagen, USV, etc. veraltet, weder energie- noch kosteneffizient und werden daher so gut wie nie in die neuen Serverräume integriert. Zum Beispiel haben „alte“ USV-Anlagen eine Verlustleistung von 30 Prozent, aktuelle Anlagen nur noch zwei Prozent. Im Bereich der Neuinvestitionen kann man jedoch sparen, sofern eine modulare IT-Raumlösung im Einsatz ist. Diese Technologie lässt sich jederzeit de- und remontieren und ist somit insbesondere bei Rückbaumaßnahmen unersetzlich. Der anfängliche Mehrinvestition bei der Erstanschaffung rechnet sich spätestens im Zuge des Rückbaus.

IT-DIRECTOR: Stichwort Sicherheit: Wie kann man sichergehen, dass beim RZ-Rückbau nicht irgendwo eine Festplatte mit sensiblen Firmendaten liegenbleibt oder verlorengeht?
M. Schäfer:
Diese Gefahr ist in der Praxis eher gering, da jedem Umzug ein klarer Masterplan der IT zugrunde liegt. Dieser beinhaltet sowohl die Reihenfolge des Umzuges der Maschinen als auch Wiederanlaufpläne.

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