25.08.2017 IoT-Technologie in bestehende Prozesse integrieren

Erfolgreich in die Digitalisierung starten

Von: Christian J. Pereira

Unternehmen suchen den Weg in die digitale Zukunft. Dabei tauchen jedoch Fragen auf, die statt der Umsetzung eine lange Vorlaufzeit mit verpassten Chancen verursachen können. Um dies zu verhindern, sind folgende wesentliche Schritte notwendig.

Raktenstart für digitale Transformation

Damit ein Unternehmen erfolgreich in die Digitalisierung starten kann, müssen einige wesentliche Schritte beachtet werden.

Die Aussage „die Digitalisierung verändert alles“ ist mittlerweile unbestritten Bestandteil im unternehmerischen und gesellschaftlichen Alltag. Mit den Chancen, die sich Wirtschaft und Gesellschaft versprechen, geht aber auch eine Verunsicherung einher. Was bringt mir das und was können, sollen oder müssen wir tun, um auf den Zug aufzuspringen? Es werden Projekte initiiert, Meetings abgehalten, die Abteilungen einbezogen und oftmals die deutsche Ingenieurstugend eingesetzt, um das optimale Digitalisierungsprojekt zu perfektionieren. Darüber gerät die übergeordnete Zielsetzung in Vergessenheit – kundenzentriert und schnell in sich dynamisch verändernden Märkten zu agieren. Der Kundenanspruch steigt, in der digitalen Welt können jeden Tag neue Wettbewerber auftreten. Länder- und Branchengrenzen verschwimmen, disruptive Wettbewerber sind nur schwer identifizierbar. In den Fokus rückt der Faktor „Zeit“ – was man im Alltag und bei vielen Entscheidungen vermeiden möchte, ein Sprung ins kalte Wasser, kristallisiert sich bei der Digitalisierung und richtigem Vorgehen jedoch zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Erfolgsfaktor – Machen

In der Praxis lässt sich ein gemeinsames Erfolgskriterium erkennen – starten ist besser als warten. Denn die neuen Rahmenbedingungen benötigen eine neue DNA und die lässt sich nicht erdenken, sondern muss erlebt werden. Nur durch praktische Umsetzung werden Erfahrungen und Erkenntnisse gewonnen, die den dauerhaften Erfolg erst ermöglichen. Auch muss man näher an den Kunden: Wie nutzen unsere Kunden unsere Produkte? Früher war der Kauf eines Produkts auch der Moment des Verlusts des Kundenkontaktes. Die Digitalisierung ermöglicht Kundennähe und den Kontakt über den kompletten Produktlebenszyklus hinweg. Keine Ableitung aus Servicefällen, teure Stichproben in Marktforschungen, sondern kontinuierliche Studie der Nutzung rund um die Uhr und in Echtzeit. Wie viel ist es dem Unternehmen wert, erstmalig zu sehen wie seine Produkte genutzt werden. Dies rechtfertigt oft schon den Start der Umsetzung.

Auf Basis dieser Informationen können dann die nächsten, Schritte erfolgen: Dazu zählt insbesondere die Ausstattung der gesamten Geräte mit der IoT-Technologie. Parallel dazu werden die gewonnenen Daten ausgewertet und in neue oftmals serviceorientierte Geschäftsmodelle überführt. Hier wäre etwa Predictive Maintenance zu nennen, aber auch die Integration der IoT-Technologie in bestehende Prozesse. So beeinflussen etwa bei einem Qloud-Kunden, einem Hersteller von Torantrieben, die Wartungsdaten die Tourenplanung der Service-Techniker. Die Folge, der Außendienst fährt seine Kunden in der optimalen Reihenfolge an, hat alle erforderlichen Ersatzteile bereits dabei und kann so schneller und zielgerichteter beim Kunden agieren. Dank vorab gelieferter Daten erfolgen vor Ort die direkte Reparatur oder Wartung statt aufwändiger Fehlersuche und kürzere Ausfall- und Wartungszeiten erfreuen wiederum den Kunden.

Erfolgsfaktor – Zeit

Es sind also insgesamt drei wesentliche Schritte – Erfahrungswerte sammeln, Daten auswerten und IoT-Technik in neue Produkte integrieren – die langfristig bei der Digitalisierung zu durchlaufen sind. Hierfür ist die konsequente Entwicklung innerhalb des Unternehmens erforderlich, die erfahrungsgemäß einen Reifeprozess von zwei bis drei Jahren benötigt. Erst nach Abschluss dieses Prozesses können in der Regel gute digitale Anwendungen entstehen. Dies liegt jedoch nicht in der Technik begründet, denn der Einstieg mit vernetzten Produkten gelingt erheblich schneller in etwa drei bis sechs Monaten. Weitaus mehr Zeit erfordert es, für die Verbreitung vernetzter Produkte beim Kunden zu sorgen. Zur Erreichung einer kritischen Masse IoT-fähiger Geräte, sollte daher der Bestand mit Retrofit-Technik nachträglich digitalisiert werden. Gerade vor dem Hintergrund dieses Ablaufs wird deutlich, warum der Faktor Zeit in Form des frühen Einstiegs so wichtig ist. Schließlich potenziert sich jede versäumte Stunde gegenüber dem Wettbewerb zu einem erheblichen Nachteil in der näheren Zukunft.

Der Königsweg der digitalen Transformation ist zwar noch nicht gefunden worden. Aber bisherige Projekte verdeutlichen bereits, dass es entscheidende Faktoren gibt: Schnell starten, stetig dazu lernen – auch aus Fehlern – und die Erkenntnisgewinne immer wieder in die Entwicklung beziehungsweise Produktion integrieren. Dieses Vorgehen generiert einen Wissensvorsprung, der nicht hoch genug bewertet werden kann. Und am Ende der Entwicklung steht das digitale, kundenzentrierte Produkt oder der Prozess – was aber gleichzeitig wieder ein Neuanfang ist.


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