„Trotz aller Risiken und Skandale wird sich der CRM-Markt sicherlich weiterhin kontinuierlich in die Cloud verlagern“, so Michael Schmidt-Voigt, Director Sales Consulting Germany & Switzerland, bei Oracle Deutschland.
IT-DIRECTOR: Herr Schmidt-Voigt, inwiefern beeinflussen der Skandal um Prism und Tempora sowie das damit einhergehende Thema „Datenschutz“ derzeit die CRM-Branche? Wer profitiert, wer hat nun schlechte Karten?
M. Schmidt-Voigt: Derzeit sehen wir keine Auswirkungen. Kunden, die Cloud-Lösungen eher skeptisch gegenüber standen, haben ihre Meinung nicht geändert. Kunden, die sich für CRM in der Cloud entschieden haben, gehen diesen Weg auch weiterhin.
IT-DIRECTOR: Wie sicher ist es aktuell, Kundendaten in der Cloud abzulegen?
M. Schmidt-Voigt: Die Oracle-Rechenzentren in Europa und den USA erfüllen höchste Sicherheitsstandards. Die Daten unserer Kunden sind hier in den meisten Fällen besser geschützt als in den eigenen Rechenzentren. Hierfür werden bei uns massive Vorkehrungen getroffen, so dass Datendiebstahl hier praktisch ausgeschlossen werden kann. Überdies sind weitere Maßnahmen möglich; das geht bis hin zur vollständigen Verschlüsselung der Datenbank des Kunden in der Cloud, so dass die Daten nur noch für den Eigentümer der Daten lesbar sind.
IT-DIRECTOR: Welche Reaktionen zeigten jene Großunternehmen, die bereits CRM in der Wolke nutzen, nach Bekanntwerden des Skandals? Wie gestaltet sich das Interesse der Unternehmen in Zeiten von Prism und Tempora generell, Kundendaten zukünftig in die Cloud zu verlagern?
M. Schmidt-Voigt: Derzeit können wir eigentlich keine Reaktionen feststellen. Die Entscheidung ist eher branchenabhängig. So sind bspw. Finanzdienstleister in der Cloud eher zurückhaltend. Cloud-affine Kunden und Branchen gehen diesen Weg auch weiterhin. Kunden können sich bei uns zwischen einer On-Premise- oder einer Cloud-Implementierung entscheiden. Wir sehen aber auch aus aktuellem Anlass keine erhöhte Nachfrage bei On-Premise-Lösungen.
IT-DIRECTOR: Welche Vorteile und Möglichkeiten bringt eine Auslagerung mit sich?
M. Schmidt-Voigt: Das wesentliche Argument für Cloud-Lösungen ist der geringere Aufwand. Eine Cloud-Lösung verursacht erheblich geringere Kosten bei der Implementierung und dann im Verlauf auch beim Betrieb der Applikation. Für On-Premise-Lösungen benötigen Kunden eine umfangreiche IT-Abteilung; in der Cloud übernimmt diese Aufgaben der Provider, in unserem Falle Oracle, gegen im Voraus kalkulierbare Kosten. Darüber hinaus sind die Daten sicherer als im eigenen Unternehmen.
IT-DIRECTOR: Welche Anforderung müssen die Anwender hierfür erfüllen? Und welche Herausforderungen bringt eine CRM-Auslagerung für sie mit?
M. Schmidt-Voigt: Für den Anwender spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob CRM On-Premise oder in der Cloud betrieben wird. Bei uns haben sie in den meisten Fällen sogar die Wahl, ob die Anwendung On-Premise oder in der Cloud betrieben wird.
IT-DIRECTOR: Derzeit befindet sich eine neue EU-Datenschutz-Grundverordnung in der Abstimmung, mit der die Regeln für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten vereinheitlicht werden sollen. Welche Änderungen erwarten Sie?
M. Schmidt-Voigt: Wir erwarten uns daraus eine klare Regelung der Verarbeitung von personenbezogenen Daten, was am Ende positiv sowohl für den Anwender als auch den Anbieter ist.
IT-DIRECTOR: Inwieweit wird die neue Grundverordnung den CRM-Markt beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ?
M. Schmidt-Voigt: Grundsätzlich wird sich die neue Grundverordnung positiv auswirken, da sie Klarheit schafft. Anwender, die Cloud-Lösungen skeptisch gegenüber stehen, können eher überzeugt werden als bisher.
IT-DIRECTOR: Wie bereiten Sie sich und Ihre Lösungen auf die Änderungen vor?
M. Schmidt-Voigt: Unsere Rechenzentren sind sich der Thematik sehr wohl bewusst und bereiten sich entsprechend auf die neue Grundverordnung vor. Konkrete Aussagen dazu können wir natürlich erst dann treffen, wenn die neue Grundverordnung verabschiedet ist.
IT-DIRECTOR: Was bedeutet dies für Ihre Kunden?
M. Schmidt-Voigt: Bevor die neue Grundverordnung final verabschiedet ist, sind konkrete Aussagen über die Auswirkung auf den Kunden leider sehr spekulativ. Wir erwarten allerdings, dass die Auswirkungen für den Kunden weitgehend transparent sind und er wie bisher unsere Rechenzentren produktiv nutzen kann.
IT-DIRECTOR: Welchen Einfluss wird das Ganze auf Kunden außerhalb der EU haben? Gilt hier dann auch der Datenschutz nach deutschen Regeln?
M. Schmidt-Voigt: Das wäre sicher wünschenswert, aber vermutlich können wir nicht davon ausgehen, dass jedes Rechenzentrum weltweit die EU-Regeln einführen wird. Kunden, die auf die neuen Regeln Wert legen, sollten ihre Daten besser in einem Rechenzentrum innerhalb der EU speichern.
IT-DIRECTOR: Wird die neue Grundverordnung Ihrer Meinung nach der massenhaften Ausspähung von Daten im Internet einen Riegel vorschieben?
M. Schmidt-Voigt: Dabei sollten wir uns immer vor Augen halten, dass das Ausspähen von Daten nicht allein bei Daten in der Cloud vorkommt. Das passiert genauso auch bei On-Premise-Implementierungen, sofern eine Verbindung mit dem Internet existiert – wovon auszugehen ist. Einen Riegel wird die neue Grundverordnung daher sicher nicht vorschieben, sie wird uns aber vermutlich ein Stück in die richtige Richtung bringen.
IT-DIRECTOR: Wie wird sich der CRM-Markt generell in den kommenden Monaten wandeln?
M. Schmidt-Voigt: Trotz aller Risiken und Skandale wird sich der CRM-Markt sicherlich weiterhin kontinuierlich in die Cloud verlagern.