IT-DIRECTOR: Inwiefern fragen Anwenderunternehmen heute noch Hardware nach – etwa unter dem Aspekt, dass sie beim flexiblen Auslagern der IT in eine Cloud keine eigenen Hardware-Ressourcen mehr vorhalten müssen?
M. Homborg: Natürlich müssen Unternehmen heute noch eigene Hardware vorhalten und fragen diese entsprechend nach. Denn, um sich die Vorteile aus der Cloud vollständig zu erschließen, benötigen Unternehmen eine hochmoderne Hardware-Infrastruktur. Sonst könnten sie die dynamische Bereitstellung von IT-Ressourcen nicht so in Anspruch nehmen, wie sie das möchten. Genau hierfür entwickeln wir nicht nur unsere Cloud-Angebote, sondern bieten auch die darauf abgestimmte innovative Infrastruktur für Unternehmen. Sowohl die IT in der Cloud als auch die beim Anwender müssen aufeinander abgestimmt sein. Es nützt der beste Cloud-Service nichts, wenn die eigene Hardware damit überfordert ist.
IT-DIRECTOR: Welche Hardware-Projekte setzen Großunternehmen aktuell am häufigsten um?
M. Homborg: Hier steht das Thema Konsolidierung nach wie vor ganz weit oben. Neben der Server-Virtualisierung sehen wir viele interessante Projekte rund um die neuen Technologien bei der Storage-Virtualisierung wie Deduplizierung, Thin Provisioning und Storage Tiering.
IT-DIRECTOR: Stichwort Energieeffizienz: Wie kann moderne Hardware derzeit die Bemühungen der Kunden unterstützen, Energiekosten zu senken?
M. Homborg: Hier gilt es, im Rechenzentrum das optimale Zusammenspiel zwischen Klimatisierung, dem Server-Formfaktor und der in den Server eingesetzten Lüftertechnologie herzustellen. Daher bieten wir interessierten Kunden auch sogenannte DataCenter Optimization Services an – inklusive CFD (Computational Fluid Dynamics)-Analyse. Aus unseren umfassenden Primergy-Portfolio, das fünf Grundserien umfasst, wählen wir dann den geeignetsten Formfaktor aus – vom Microserver MX bis zum Cloud-Server der CX-Klasse. Generell gilt: Je weniger aktive Lüfter-Komponenten pro Server und je höher die Konsolidierung, desto höher der Einspareffekt.
IT-DIRECTOR: Welche Servertechnologien bzw. -komponenten tragen hauptsächlich zu einem geringen Energieverbrauch bei?
M. Homborg: Ähnlich wie in der Autoindustrie versuchen auch unsere Ingenieure immer wieder am Motor und an der Karosserie Optimierungen durchzuführen. Den Motor bauen wir zwar nicht selber, aber alles um diesen herum. Was in unserem Werk in Augsburg in die Bestückungsautomaten für die Motherboard-Herstellung kommt, ist das technologisch Ausgereifteste, was man heute auf dem Markt für die Server-Endfertigung bekommen kann.
Unsere Ingenieure sprechen von optimierter Verlustleitung, wenn sie auf die Qualität der VRM (Volt Regulator Module)-Bausteine verweisen. Aus nur wenigen Zehntel-Prozent mehr Effizienz ergeben sich schnell mehrere ganze Prozentpunkte weniger auf der Stromrechnung des Kunden. Oder sie verweisen auf die Designmaßgabe zur konsequenten Onboard-Verkabelung, die wirklich nur noch wenige Kabelwege (etwa für den Anschluss der modularen RAID-Controller an die ebenfalls kabellose Drive-Backplane) zulässt.
Seitdem wir 2004 für die Entwicklung neuer Server-Serien in Augsburg einen standardisierten Designprozess eingeführt haben, kennen und schätzen unsere Kunden Cool-Safe. Mit diesem Qualitätsmerkmal ausgestattete Primergy-Server können unter Einhaltung der auf dem Datenblatt angegeben Umgebungsvariablen über fünf Jahre quasi verschleißfrei betrieben werden. Dadurch können wir unsere Garantiekonditionen für das vierte und fünfte Jahr vergleichsweise günstig gestalten und so unserem Kunden gleich beim Kauf vor Augen führen: Qualität zahlt sich aus.
IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Zukunft: In welche Richtung werden sich Hardware-Technologien in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
M. Homborg: Mit Fibre Channel over Ethernet (FCoE) nimmt ein Trend reale Gestalt an, der zu einer grundlegenden Innovation der Verkabelungsinfrastruktur führt und sich auf sämtliche im Netzwerk integrierte Hardware – also auch die Server – auswirkt. Mit 10Gbit Ethernet als universellem Transportmittel für alle Daten im Rechenzentrum verringert sich beispielsweise die Anzahl der Netzwerk-Ports im Server und der Kabel um den Faktor 2 bis 5.