Walter Denk, Comparex

Fit für die Cloud

Seit Mai 2011 firmieren der IT–Dienstleister PC-Ware und seine Tochtergesellschaften einheitlich unter der Marke Comparex. Wir sprachen mit Walter Denk, Vice President und General Manager bei Comparex Deutschland, über die neue Ein-Marken-Strategie und die Angst vieler IT-Verantwortlicher vor einem Outsourcing.

Walter Denk, Comparex

Walter Denk, Vice President bei Comparex Deutschland

IT-DIRECTOR: Herr Denk, warum nahmen Sie die Umbenennung in Comparex vor?
W. Denk:
Die Umfirmierung fand unter anderem vor dem Hintergrund der Internationalität statt. Unsere Unternehmensgruppe ist mittlerweile in 28 Ländern aktiv und wir treiben die Internationalisierung weiter stark voran. In der Vergangenheit traten wir in einigen Ländern ausschließlich als PC-Ware bzw. Comparex auf, in anderen – beispielsweise in Deutschland – waren wir mit beiden Namen präsent. Sehr häufig waren dabei Mitarbeiter aus beiden Organisationseinheiten parallel bei denselben Kunden tätig – mit unterschiedlichen Visitenkarten. Überdies existierten Überlappungen im Produktportfolio, was bei unseren Kunden und Partnern ebenfalls für Verwirrung sorgte. Mit der Umbenennung in Comparex verfolgten wir daher eine klare Ein-Marken-Strategie.

IT-DIRECTOR: Wie sieht dabei die strategische Ausrichtung hinsichtlich der Produktpalette aus?
W. Denk:
Unter der Marke Comparex haben wir die bisherige Produktpalette beider Organisationen gebündelt. Dabei stellt der Softwarebereich weiterhin ein wichtiges Standbein für uns dar, hinzukommen die Bereiche Consulting und IT-Services sowie das Systemhausgeschäft. Insbesondere das Beratungsgeschäft bauen wir derzeit hierzulande stark aus.

IT-DIRECTOR: Fragen die Anwender Ihre Beratung gezielt nach?
W. Denk:
Bei vielen unserer Projekte dreht es sich um reine Consulting-Leistungen – auch, da wir uns bei PC-Ware vor rund zwei Jahren bewusst vom Hardware-Handelsgeschäft verabschiedet haben. Ausschlaggebend waren vor allem wirtschaftliche Gründe, da der Hardware-Handel allein nicht mehr tragfähig war.

IT-DIRECTOR: Erhält man von Ihnen überhaupt keine Hardware mehr?
W. Denk:
Doch, nach wie vor integrieren wir Hardware – etwa Server oder Desktop-PCs – im Rahmen von IT-Projekten. Handelsgeschäfte im eigentlichen Sinne betreiben wir allerdings nicht mehr.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle übernehmen Sie in den Projekten?
W. Denk:
Wir treffen bei unseren Kunden meist auf IT-Vorhaben, die mit einer gezielten Fragestellung verbunden sind. Hierfür erstellen wir ein individuelles Konzept oder ein Prototypprojekt und übernehmen die gesamte Projekt- sowie die Technologieberatung. In der Regel enden solche IT-Vorhaben dann bei der eigentlichen Betriebsleistung. An dieser Stelle entscheidet sich der Kunde bewusst für bestimmte IT-Services, die wir als externer Partner übernehmen. Beispiele sind der Betrieb der IT-Infrastruktur, des Helpdesks oder das Outsourcing von Schulungsmaßnahmen. Hierbei fungieren wir als klassischer Anbieter von Managed Services.

IT-DIRECTOR: Um welche Projekte handelt es sich konkret?
W. Denk:
Sehr häufig begleiten wir Migrationen, d.h. wir unterstützen die Kunden beim Umstieg von einer Technologieebene auf die nächste – zum Beispiel im Microsoft-Umfeld. Zunehmend betreuen wir auch Sicherheitsprojekte jeglicher Art, bei denen es um Data Loss Prevention, Intrusion Detection oder Antivirus- und Antispam-Einführungen geht. Ein weiterer großer Bereich betrifft alles, was mit Virtualisierung, Netzwerken und Cloud Computing zu tun hat.

IT-DIRECTOR: Wie oft geht es um die Einbindung mobiler Endgeräte in die Unternehmens-IT?
W. Denk:
Auf Projekte, die sich ausschließlich mit dieser Materie befassen, stoßen wir eher selten. Vielmehr ist die Einbindung mobiler Endgeräte in eine komplette Infrastrukturbewertung bzw. -erneuerung eingebettet, beispielsweise im Rahmen einer IT-Virtualisierung. Denn kein Großunternehmen besitzt heute noch eine reine Desktop-PC-Umgebung. Mobile Endgeräte lassen sich mittlerweile überall finden und müssen bei einer Desktop-Virtualisierung entsprechend berücksichtigt werden.

IT-DIRECTOR: Welchen Stellenwert besitzt die IT-Sicherheit in solchen Projekten?
W. Denk:
Sie spielt sowohl bei der Einbindung mobiler Endgeräte als auch bei der Virtualisierung eine große Rolle. Denn bei der Verlagerung der eigenen IT an einen anderen Ort, egal ob im eigenen Netzwerk oder zu einem externen Dienstleister, stellt sich für die IT-Verantwortlichen folgende Frage: Wie können sie absolut sichere Verbindungen herstellen? Gerade beim Outsourcing erhöht sich jedoch die Anzahl der Schnittstellen nach außen ebenso wie die Abhängigkeit des Kunden vom externen Partner. Daher gilt folgende Faustregel: Je höher die Vernetzung nach außen ausfällt, desto größer gestaltet sich der Sicherheitsbedarf.

IT-DIRECTOR: Apropos Outsourcing – inwieweit ist der Hype um Cloud Computing bereits bei den IT-Verantwortlichen angekommen?
W. Denk:
Das Thema ist derzeit in aller Munde und es gibt kaum einen Kundentermin, bei dem Cloud Computing nicht in irgendeiner Form zur Sprache kommt. Dabei ist bei vielen CIOs die Frage entscheidend, in welche Cloud beziehungsweise in welches Rechenzentrum man seine IT verlagert. Befindet sich das Rechenzentrum beim Kunden selbst, handelt es sich um eine private Cloud. Ein solches Szenario treffen wir bei zahlreichen Großkunden wie Banken oder Automobilkonzernen an. Sie bemühen sich aktuell darum, ihre IT-Ressourcen in den eigenen großen Rechenzentren zu bündeln, um Kosten zu sparen und Prozesse zu vereinheitlichen. Bereits seit längerem werden dabei Projekte wie Inhouse Cloud, Speicher-, Server- und Desktop-Virtualisierung massiv vorangetrieben.

Auf der anderen Seite ziehen nur wenige IT-Verantwortliche in Erwägung, Teile der IT außerhalb ihres eigenen Firmennetzwerkes in eine Public Cloud zu geben – unabhängig davon, ob es sich um einen klassischen Hoster oder einen weltweiten Cloud-Anbieter handelt. Dabei hegen sie vor allem Bedenken, zu viel Kompetenz aus der Hand zu geben oder den geforderten Datenschutz nicht gewährleisten zu können.

Zudem gab es bereits in den 90er-Jahren eine große Outsourcing-Welle, in der Unternehmen Kernbereiche wie Fertigung oder Produktion auslagerten. Doch dabei wurden nicht nur positive Erfahrungen gesammelt: Einerseits spart man Kosten, andererseits begibt man sich in die Abhängigkeit eines Dritten. Und: Der Weg in ein Outsourcing-Verhältnis kann sehr komplex und schwierig sein, der Weg zurück ist jedoch fast unmöglich und funktioniert meist nur, wenn der Dienstleister mitspielt. Denn welches Interesse sollte dieser daran haben, seinen Kunden zu verlieren? Von daher ist für viele Unternehmen das Outsourcing keine Option; sie betreiben ihre IT lieber innerhalb der eigenen Strukturen bzw. einer eigenen Private Cloud.

IT-DIRECTOR: Eine Wiedereingliederung der ausgelagerten IT ins eigene Unternehmen ist demnach fast unmöglich?
W. Denk:
Ich kenne einige Kunden, die dies gerne durchführen würden, de facto schafft es jedoch kaum einer. Allein aufgrund der hohen Investitionen – man müsste ad hoc eine gesamte IT-Mannschaft einstellen und das gesamte IT-Equipment neu anschaffen.

IT-DIRECTOR: Zurück zum Cloud Computing – bieten Sie solche Services an?
W. Denk:
Ja, wobei wir uns von vielen Anbietern dadurch abgrenzen, dass wir nicht als Hoster auftreten, sondern uns auf die Umsetzung von Cloud-Projekten konzentrieren. Gemeinsam mit den Herstellern machen wir den Kunden fit für die Cloud. Dabei untersuchen wir unter anderem, inwieweit seine IT bereits „Cloud ready“ ist.

IT-DIRECTOR: Noch immer lassen sich manche Applikationen nicht virtualisieren – ist damit der Weg in die Cloud von vorneherein versperrt?
W. Denk:
Der Kunde muss sich stets im Klaren darüber sein, was er mit Cloud Computing eigentlich erzielen möchte. Wir raten dringend davon ab, dass man Teile der IT in eine Cloud verlagert, nur weil diese Vorgehensweise momentan en vogue ist. Vielmehr muss stets ein Geschäftszweck dahinterstecken, zum Beispiel dass man seine IT kostengünstiger betreiben oder flexibler reagieren kann.

IT-DIRECTOR: Wie viel könnte ein Unternehmen mit dem Umstieg in eine Cloud sparen?
W. Denk:
Eine kurzfristige Kostenreduktion ist bei einer stark heterogenen bzw. verästelten IT-Infrastruktur – mit unterschiedlicher Hard- und Software in vielen Niederlassungen – nur schwerlich möglich, da damit ein enormer Aufwand verbunden ist. Hier wird es kaum möglich sein, innerhalb von zwölf Monaten einen Return on Invest zu erzielen.

Der große Vorteil von Cloud Computing bzw. einer Virtualisierung liegt in der Standardisierung und Vereinheitlichung der Prozesse. Um dies zu realisieren, sind zunächst jedoch zusätzliche Investitionen nötig. So muss man für die Etablierung einer privaten Cloud eventuell neue Hardware anschaffen und zentrale Strukturen aufbauen. Langfristig gesehen, ist man mit einer Private Cloud jedoch transparenter und effektiver aufgestellt als zuvor, womit man wiederum Kosten sparen kann.

Bildquelle: Benedikt Müller

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