Mehrstufiges Sicherheitskonzept bei Deltalis

Frankfurt – Schweiz in 5,3 Millisekunden

Ein Rechenzentrum im Schweizer Bergmassiv bietet ein mehrstufiges ­Sicherheitskonzept sowie eine Cloud-Plattform für die sichere Service-Erzeugung in wenigen Minuten.

Matterhorn, Bildquelle: iStockphoto.com/Mr_Kermit

Die schnelle Internettrasse durch Europa verschafft einem Cloud-Rechenzentrum (RZ) in den Schweizer Bergen auch dänische Kunden. Der einstmals geheime Militärbunker in Attinghausen im Kanton Uri ist gegen alle Unbill geschützt, gleichzeitig bietet der Betreiber eine Entwicklungsplattform, mit der sich IT-Services extrem schnell und sicher erstellen lassen.

Das Beratungshaus „Cloud Iteration“ aus Herning in Dänemark unterstützt hauptsächlich Auftraggeber aus der Finanzbranche und dem öffentlichen Sektor. Alle nehmen die Migrations- und Integrationsexpertise der Dänen in Anspruch. Das rund zwanzigköpfige Beraterteam hilft, On-Premise-Umgebungen eines Unternehmens in private oder hybride Cloud-Umgebungen zu überführen – zum Beispiel geht es um die Bereitstellung von IT-Services wie Mail, Kalender oder Backup sowie die Überwachung von Servern oder Racks und vielen anderen Cloud-Konstellationen.

Wer Unternehmen solche Dienste anbieten will, benötigt ein starkes Rechenzentrum in der Rückhand. Dass die Dänen dafür ausgerechnet im fernen Kanton Uri in der Schweiz fündig wurden, ist etwas ungewöhnlich. Die Gründe dafür sind im Berg versteckt: Rund 300 Meter tief liegt das unterirdische Cloud-Rechenzentrum des Schweizer Betreibers – nur einen Kilometer von der Nord-Süd-Internetkabeltrasse Europas entfernt. Der dreistöckig im Berg ausgebaute Bunker, der bis 2006 vom Schweizer Militär und der Schweizer Luftwaffe als Kommandozentrale für den Notfall sowie als Trainingsstandort genutzt wurde, ist heute in der Hand der Schweizer Investorengruppe Deltalis, zu der der RZ-Betreiber Radix gehört.

Die Sicherheit des Rechenzentrums lässt sich nicht allein an den halben Meter dicken Bunkertüren oder den Sicherheitsschleusen und strengen Zugangskon-trollen ablesen, sondern auch an der Tier-IV-Architektur. Sie belegt, dass alle RZ-Komponenten mehrfach redundant ausgelegt sind – zum Beispiel die Stromversorgung oder die Glasfaser-Backbones, die sich mitten durch den Berg ziehen und schnelle Datenübertragungen zulassen. Die Strecke zwischen dem Schweizer Rechenzentrum in Attinghausen und zum Beispiel Frankfurt überwinden Daten in nur 5,3 Millisekunden.

Was Unternehmen interessiert, die ein Rechenzentrum etwa als Desaster-Recovery-Standort für ihre IT nutzen oder dort ihre Test- und Entwicklungsrechner stationieren wollen, ist eine sichere Stromversorgung. Michael Imfeld, Verkaufsleiter von Radix und Deltalis betont: „Immer wieder fragen Interessenten, wie schnell wir in der Lage sind, weitere Stromressourcen zuzuschalten.“ Hier können die RZ-Betreiber in naher Zukunft vom fertiggestellten Bau des Gotthard-Tunnels profitieren. Die bisher dort benötigten großen Strommengen werden 2013 frei. Ebenfalls wichtig für viele CIOs ist die zweite Seite der Medaille: Die Frage nach dem CO2-Footprint und dem Beleg eines energieeffizienten Betriebs. Kühle Bergluft und eine Kaverne mit rund 700.000 Kubikmeter Wasser sorgen in Attinghausen für ein wirksames Abkühlungskonzept der Rechner, die mit Luft gekühlt werden (Free Cooling). Um den Verbrauch möglichst niedrig zu halten, greift Radix auf die Steuerungssoftware Ecometer von CA Technologies zurück. Sie misst, wie viel Strom Server oder Racks verbrauchen, und zeigt auf, wo weitere Verbesserungen zu erzielen sind.

Für die Dänen waren Energieeffizienz und Sicherheit nicht das Einzige, was sie vom Schweizer Angebot überzeugte. Den Ausschlag gab die Applogic-Kompetenz. Dabei handelt es sich um eine Software, die IT-Teams in die Lage versetzt, IT-Applikationen und -Services in einer Geschwindigkeit zu erstellen, wie es bisher nicht möglich war. Im Gegensatz zum klassischen Aufbau eines Cloud-Services, bei dem es Tage oder Monate dauern kann, um die notwendige Infrastruktur mit Firewalls, Lastverteiler, Anwendungs-, Datenbank- oder Monitoring-Servern zusammenzustellen, schafft es das Cloud-Tool bereits in wenigen Minuten oder Stunden, neue Dienste zu erzeugen. Das Produkt, das den Weg in die Cloud auf entscheidende Weise ebnet, hat seinen Ursprung im Silicon Valley bei 3Tera, einer kleinen Softwareschmiede, die der Management­anbieter CA vor einiger Zeit übernahm.

Das Programm, das zusätzliche Sicherheitsfunktionen enthält, ist ein ideales Werkzeug, um den Übergang von einer IT-Umgebung vor Ort (On Premise) in eine Cloud-Umgebung zu gestalten. Technisch gesehen fungiert das Tool als weitere Schicht oberhalb der Virtualisierungsebene und umfasst alle Management- und Anpassungsfunktionen, die für den Aufbau eine Cloud-Umgebung oder einer Cloud-Anwendung notwendig sind. Damit wird das Junktim zwischen Software und Hardware überwunden. CA-Fachmann Ralf Schnell erklärt: „Bisher war es immer sehr aufwendig und kompliziert, den Unterbau eines Cloud-Services zu konfigurieren. Jetzt geht es mit entsprechender Expertise so einfach wie der virtuelle Legobau auf dem Bildschirm.“

 

Cloud-Zentrum im Bergmassiv

Im Schweizer Rechenzentrum von Deltalis testet eine Kantonalbank ihr Data-Safe-Produkt für den Verbraucher, Nokia nutzt den Serverraum für die Smartphone-Wi-Fi-Locator-Technologie und eine Großbank prüft auf ihrer Entwicklungs- und Testumgebung Compliance-Applikationen. Zu den wichtigsten technischen Details gehören:

  • Netzwerkanbindung an die Nord-Süd-Internetverbindung im Reusstal, die nur einige Meter vom RZ entfernt verläuft
  • Tier-IV-Architektur mit mehrfach vorgehaltenen Komponenten; RFID-Ortung im Bunkerkomplex, Sicherheitsschleusen etc.
  • ein PUE-Wert von 1,2 (Power Usage Effectiveness)
  • Expertise für ein Cloud-Entwicklungsplattform für die schnelle Bereitstellung von Services aller Art

Im Internet: www.deltalis.com

 

Bildquelle: iStockphoto.com/Mr_Kermit

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