Akamai bietet DDoS-Schutz via Cloud

„Für uns gehören Angriffe zum Alltag“

Security-Anbieter Prolexic gehört jetzt zu Akamai. Country Manager Michael Heuer nennt im Interview die Gründe und erläuert die Sicherheitslage.

Michael Heuer, Regional Vice President and Country Manager Central Europe bei Akamai

Akamai ist spezialisiert auf die sichere Bereitstellung von Online-Inhalten sowie Business-Applikationen und Prolexic auf die Abwehr von Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffen mit Cloudtechnologien. Beide Unternehmen sind jetzt fusioniert. Michael Heuer, Regional Vice President and Country Manager Central Europe bei Akamai, erläutert die Gründe und gibt einen Überblick über die aktuelle Sicherheitslage.

Herr Heuer, Prolexic gehört jetzt zu Akamai. Was war der Grund für den Zusammenschluss?

Prolexic ist ein Anbieter von Cloud-basierten Sicherheitslösungen, die Rechenzentren und IP-Anwendungen von Unternehmen vor Angriffen vom Typ "Distributed Denial of Services (DDoS)" schützen. Die Zahl dieser Attacken steigt seit geraumer Zeit. Sie führen oft zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden.

Durch die Zusammenführung entsteht ein Portfolio von Sicherheitslösungen, mit denen Unternehmen Anwendungen, Server, Netzwerke und Rechenzentren wirkungsvoll vor Cyber-Attacken schützen können.

Welche Unternehmen sind besonders gefährdet?

Alle. Unserer Erfahrung nach wird eigentlich jedes Unternehmen mal angegriffen. Ein typischer DDoS-Angriff erfolgt mit ca. 5 bis 15 Gigabit pro Sekunde, da diese Bandbreite in der Regel ausreicht. Aber wir sehen auch Attacken mit 200 Gigabit oder mehr.

Das ist inzwischen technisch kein Problem mehr, die Rechenleistung ist einfach vorhanden. Also gibt es auch permanent Angriffe. Das sieht auf einer tagesaktuellen, interaktiven Karte recht beeindruckend aus. Akamai visualisiert den globalen Web-Traffic und die Angriffe auf Webseiten in Echtzeit.

Die Zahl der Angriffe ist also enorm. Aber mit DDoS kann man eigentlich nichts gewinnen, außer vielleicht mit Erpressung. Warum werden so viele Webserver lahmgelegt?

Die Gründe sind unglaublich vielfältig. Manchmal rächen sich Mitarbeiter, manchmal die Konkurrenten. Mal ist es auch der Auswuchs eines Shitstorms in den Sozialmedien. Ein klassischer Fall ist der Wurstkrieg wegen eines Werbespots mit Dirk Nowitzki.

Das schwappte ganz schnell über und führte zu einem Angriff auf die Webserver der beteiligten Bank. Und Erpressungsversuche gibt es oft, vor allem Webshops während des Weihnachtsgeschäfts sind ein beliebtes Ziel.

Wie kann sich ein Unternehmen dagegen wappnen?

Aktuell sind cloudbasierte, verteilte Strukturen ein guter Schutz. Das muss kein kompletter Umzug in die Cloud sein, eine vorgeschaltete Infrastruktur wie von Akamai und Prolexic schirmt die eigenen Server ausreichend ab. Wer zu stark an eine Engstelle wie den virtuellen Server bei einem Hoster gebunden ist, kann schnell Probleme bekommen.

Wie gesagt, Angriffe mit 200 Gigabit kommen vor. Webhoster nehmen Server aber schon bei viel geringeren Werten vom Netz. Denn für den Hoster ist die größte Gefahr, dass Server anderer Kunden ebenfalls betroffen sind.

Wichtig ist außerdem eine Web Application Firewall. Häufig sind nämlich DDoS-Angriffe nur eine Ablenkung von der eigentlichen Attacke, die mit anderen Techniken arbeitet. Ein weiterer Punkt ist Expertise: Nicht jeder Admin ist zugleich Security-Spezialist.

Nutzen viele Unternehmen solche Technologien?

Viele machen sich gar keine Gedanken über DDoS-Angriffe oder andere Attacken. Es gibt dann weder Vorkehrungen für den Ernstfall noch Überlegungen zur Schadenshöhe. Das liegt zum Teil daran, das die Probleme nicht ernst genug genommen werden.

Leider sind Unternehmen in Deutschland nicht verpflichtet, solche Angriffe publik zu machen. Bei einer Meldepflicht für solche Fälle wären sicher viele Verantwortliche in den Unternehmen extrem überrascht. Angriffe sind im Grunde Alltag. Bei Akamai werden bestimmte Angriffe (etwa Syn-Floods) gar nicht erst protokolliert. Es sind einfach zu viele und sie werden von der Akamai Intelligent Platform standardmäßig abgefangen.

Bildquelle: Akamai

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