Danny Reimer, Mitbegründer und CEO Yourtime Solutions
IT-DIRECTOR: Jüngst gab Google die Abschaltung seiner Postini-Dienste bis Ende 2013 bekannt. Die von Google angebotene Variante sieht den Umstieg der Postini-Anwender auf Google Apps vor. Welcher Migrationsaufwand ist Ihrer Ansicht nach mit einem solchen Umstieg verbunden?
D. Reimer: Google verspricht seinen Kunden eine „weiche“ Migration im Jahr 2013. Die Komponenten E-Mail-Sicherheit, E-Mail-Archivierung und Web Security sollen nächstes Jahr deshalb schrittweise in die Welt der Google Apps überführt werden. Im Gegensatz zu On-Premise-Lösungen ist der Aufwand für Updates und Migration bei Cloud-Lösungen geringer. Denn die wesentlichen Schritte werden im Rechenzentrum des Dienstanbieters umgesetzt und müssen nicht im Rahmen der lokalen Infrastruktur erfolgen. Der Migrationsaufwand sollte sich also auf die Einarbeitung in Bezug auf Funktion und Bedienung für Endanwender und Administratoren beschränken.
IT-DIRECTOR: Inwieweit unterscheiden sich die Funktionalitäten von Google Apps zu den zuvor gebotenen Postini-Lösungen?
D. Reimer: Der Hersteller bringt mit der Zusammenführung von Postini und Google Apps seine Technologie auf den aktuellen Stand und reduziert die Komplexität für den Kunden. Da parallele Lösungen in der Regel ein höheres Maß an Aufwand verursachen, bedeutet die Integration von Postini hingegen eine Erleichterung des täglichen Arbeitsprozesses. Google Apps bietet neue Potentiale und Anwendungsmöglichkeiten für die Kollaboration im Team wie beispielsweise die parallele Bearbeitung von Office-Dokumenten durch unterschiedliche Mitarbeiter. Auch bestehende Funktionen wie der Spamfilter erhalten ein Update. So müssen die Einstellungen nicht mehr durch Regeln gesteuert werden, sondern sie passen sich an das Verhalten des Benutzers an. Um diese Spamsteuerung zu verwirklichen müssen allerdings Informationen wie Kontakte und Ordnerstrukturen an Google übermittelt werden.
IT-DIRECTOR: Welche Angebote bieten Sie wechselwilligen Postini-Anwendern an?
D. Reimer: Wir bieten unseren Anwendern mit „yourMail“ eine ganzheitliche E-Mail-Management-Lösung auf Basis von Outlook und Sharepoint – wahlweise On Premise oder On Demand. Funktionen wie Kollaboration und integriertes E-Mail- und Aufgabenmanagement stehen direkt in der gewohnten Outlook-Umgebung zur Verfügung. Die Archivierung von E-Mails erfolgt intelligent mit einem Klick. Und auch bei der Suche von E-Mails und Dokumenten wird der Anwender durch intelligente Algorithmen unterstützt.
IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Auswahl eines Alternativangebots vor allem achten?
D. Reimer: Der Anwender muss sich entscheiden, ob er alle E-Mail-Dienste aus einer Hand beziehen und sich in die daraus entstehende Abhängigkeit zu einem einzelnen Anbieter begeben möchte. Ist der Anwender bereit, die Hoheit über seine Daten abzugeben, oder bevorzugt er eine On-Premise-Lösung? Gerade auf den europäischen Markt werden amerikanische Cloud-Lösungen insbesondere im Zusammenhang mit dem Patriot Act kritisch betrachtet. Alternativ können alle Technologien in gleicher Qualität von verschiedenen Anbietern bezogen werden, die sich zu einer leistungsfähigen Lösung kombinieren lassen.
IT-DIRECTOR: Wie würden Sie den Umstieg von Postini auf Ihre eigenen Service-Angebote bewerkstelligen?
D. Reimer: Der Umstieg auf unsere Lösung bietet sich vor allem für Unternehmen an, die bereits mit Outlook arbeiten. Zudem ermöglicht unsere Team Edition effizientes E-Mail-Management fürs ganze Team. Aus technischer Sicht können die vorhandenen E-Mails und Dokumente aus dem zentralen Postini-Archiv exportiert und mit Hilfe unseres Migrationswerkzeugs in „yourMail“ überführt werden. Die Kosten hängen zunächst einmal von der bereits vorhandenen Infrastruktur und der gewählten Lösung ab. Grundsätzlich fallen durch die vollständige Integration in Outlook die Schulungskosten deutlich geringer aus als bei anderen Lösungen.