Nachgefragt bei Joseph Kronfli, NTT Data

Großes Interesse

Interview mit Joseph Kronfli, Senior Vice President und Head of Executive Advisory Unit bei NTT Data EMEA

Joseph Kronfli, NTT Data

„Insourcing wird definitiv kommen, denn die Unternehmen wollen sich neu ausrichten und Kernbereiche selbst mit IT bedienen“, ist sich Joseph Kronfli, Senior Vice President und Head of Executive Advisory Unit bei NTT Datat EMEA, sicher.

IT-DIRECTOR: Herr Kronfli, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Großunternehmen an „unternehmensinternem Outsourcing“/Insourcing?
J. Kronfli:
Das Interesse der Großunternehmen an unternehmensinternem Outsourcing bzw. Insourcing ist nach wie vor groß, das Motiv ist jedoch anders als in früheren Jahren. In den letzten Jahren/Jahrzenten waren diese Aktionen rein kosten- und vor allem IT-getrieben. Heutzutage gibt es Bestrebungen aus den Fachbereichen, eine eigene „Schatten-IT“ aufzubauen oder auszulagern, um den schnellen Marktanforderungen gerecht zu werden. Hier setzen sie auf Geschwindigkeit, Flexibilität und marktkonforme Services.

IT-DIRECTOR: Inwiefern vertrauen die Unternehmen hierbei auf das Know-how interner IT-Abteilungen?
J. Kronfli:
Zum großen Teil vertrauen die Unternehmen auf das Know-how interner IT-Abteilungen, aber nicht ausschließlich. Die interne IT-Abteilung ist vor allem wichtig, wenn Legacy-Anwendungen oder Prozesse in Betracht gezogen werden. Für neue, innovative und schnelllebige Services sind sie weniger gefragt.

IT-DIRECTOR: Vor welchem Hintergrund entscheiden sie sich jedoch, die entsprechenden Aufgaben beispielsweise an ein eigenes Tochterunternehmen zu vergeben oder gar extra ein neues Unternehmen für diese Aufgaben zu gründen?
J. Kronfli:
Wenn es vor allem darum geht, schnelllebige Markt- und Kundenanforderungen zeitnah zu erfüllen, ist es wichtig, neuen Unternehmen diese Herausforderungen zu geben. Ein eigenes Tochterunternehmen ist vor allem dann interessant, wenn sensible Geschäftsinformationen innerhalb des Konzerns verbleiben sollen oder das Know-how nicht an externe Unternehmen weitergegeben werden soll.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Neugründung einer IT-Tochter verbunden?
J. Kronfli:
Es gibt hier keine pauschale Antwort: Der Aufwand hängt von der Komplexität und der Zielsetzung ab. Es spielen dabei inner- wie außerbetriebliche Faktoren eine Rolle.

IT-DIRECTOR: Welche Voraussetzungen müssen grundsätzlich gegeben sein, dass ein Unternehmen das Outsourcing an eine eigene Tochterfirma übergeben kann?
J. Kronfli:
Ein eigenes Tochterunternehmen ist vor allem dann interessant, wenn sensible Geschäftsinformationen innerhalb des Konzerns verbleiben sollen oder das Know-how nicht an externe Unternehmen weitergegeben werden soll. Ferner besteht vielleicht das Interesse einer langfristigen Re-Integration, einer Konsolidierung mit anderen IT-Abteilungen bzw. ein Zwischenschritt vor dem Verkauf an ein externes Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Inwiefern sind Tochterfirmen zu öffentlichen Ausschreibungen verpflichtet?
J. Kronfli:
Das hängt von der Branche ab und ob der Mutterkonzern öffentlich oder nicht-öffentlich ausschreiben darf, sowie ob gewisse Regulatorien (EU etc.) dies vorsehen.

IT-DIRECTOR: Wie gestalten sich die Verträge zwischen Mutter und Tochter beispielsweise hinsichtlich Vertragslänge und Leistungsverrechnung?
J. Kronfli:
Auch hier gibt es keine pauschale Antwort: Es hängt von der Komplexität und der Zielsetzung ab. Es spielen inner- wie außerbetriebliche Faktoren eine Rolle (Steuergesetz, Lokation der Firmen, betriebliche Vereinbarungen, Vereinbarung mit Dritten, etc.).

IT-DIRECTOR: Sind die Tochterfirmen normalerweise ausschließlich für das unternehmensinterne Outsourcing verantwortlich oder können sie ihre Dienste auch anderen Firmen anbieten?
J. Kronfli:
Solange die Dienste für andere Firmen die Dienste für den Mutterkonzern nicht beeinträchtigen, dürfen bzw. sollen Tochterfirmen auch Drittfirmen bedienen dürfen. Schließlich müssen sie als Firma gewinnbringend arbeiten.

IT-DIRECTOR: Wo sitzen die IT-Tochter-Firmen in der Regel? (räumliche Distanz zum Mutterkonzern)
J. Kronfli:
In der Regel nah beim Mutterkonzern (zumindest am Anfang). Der Grund liegt darin, dass bestehende Infrastrukturen in der Regel übernommen werden (personelle und technische Ressourcen) und diese sich als kostengünstiger erweisen als neue zu erwerben.

IT-DIRECTOR: Welche Nachteile und Probleme bringt unternehmensinternes Outsourcing mit sich?
J. Kronfli:
Die Nachteile sind meist die (De-)Motivation der outgesourcten Mitarbeiter, plötzlich nicht mehr zum Konzern zu gehören, die Kluft, die plötzlich zwischen alten Kollegen entsteht, wenn sie jeweils neue Interessen vertreten müssen, neue oder größere Anforderungen an die neue Einheit (neue SLAs, neue Verträge, etc.), der Mutterkonzern, der evtl. auf bestehendes Know-how verzichtet, wenn die Mitarbeiter „wechseln“, weniger Transparenz und die alte Welt, die von der neuen Welt „getrennt“ wird. Die neue Welt muss innerhalb des Mutterkonzerns (neu) aufgebaut werden. Neue Controlling-Fragen (Messkriterien) treten auf.

IT-DIRECTOR: In welchen Fällen sollten sich Großunternehmen einen externen Outsourcing-Dienstleister suchen?
J. Kronfli:
Wenn...

  • auch klar absehbar ist, was die Konsequenz des Outsourcings auf das Geschäft ist
  • der Outsourcing-Dienstleister nicht nur Kostenreduktion, sondern auch Flexibilität garantiert
  • keine sensiblen Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse sowie -Know-how mit transferiert werden
  • das Commodity-Outsourcing-Projekte sind, d.h. wenn der Outsourcing-Vorteil deutlich überwiegt

IT-DIRECTOR: Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Interesse der Großunternehmen an Insourcing zukünftig wandeln?
J. Kronfli:
Insourcing wird definitiv kommen, denn die Unternehmen wollen sich neu ausrichten und Kernbereiche selbst mit IT bedienen. Vor allem wollen sie die Abhängigkeit von externen Dienstleistern reduzieren. Ein wichtiger Grund ist jedoch, dass auch die Fachbereiche zunehmend eigene IT-Kompetenzen aufbauen, um die Entwicklung und die Positionierung neuer Produkte schnell umsetzen zu können.

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