Die Blackberry-Krise

Hat RIM wirklich ein Managementproblem?

Der Führungswechsel von den Gründern zu Thorsten Heins setzt ein positives Signal. Aber wird Blackberry dadurch wieder so innovativ wie in der Anfangszeit? Eine Einschätzung.

Thorsten Heins, RIM

Thorsten Heins, der neue RIM-CEO

Der Blackberry war neu. Wer einen hatte, konnte damit zu jeder Zeit und an jedem Ort seine beruflichen Mails lesen und eine Antwort schreiben. Wer einen hatte, stolzierte morgens mit dem Gefühl enormer Wichtigkeit ins Büro. Gelegentlich war er von Trauben staunender Kollegen umgeben. Und sobald sie sich wegdrehten, zischten sie ihren Neid mit einem abwertenden "Managerspielzeug" heraus.

Das alles ist gut zehn Jahre her. Inzwischen sind Smartphones Alltag und ein "Spielzeug" für Jeden. Vor allem jüngere Leute nutzen diese Geräte für alles zwischen Aufwachen und Zeitvertreib. Der Posing-Faktor im Büro ging vom Blackberry auf das iPhone und schließlich auf das iPad über. Für die Blackberrys blieb nur das wenig hippe Marketing-Argument: Bestes Sicherheitssystem für Unternehmen.

Doch das reicht nicht mehr. Research in Motion, der kanadische Hersteller der Blackberry-Gerätefamilie, ist in Schwierigkeiten geraten. Wie andere Hersteller ist er zu spät auf den Touchscreen-Zug aufgesprungen und hat sich zu sehr auf angestammte Produkte und Märkte verlassen. Die Folge: Die Marktanteile und der Aktienkurs sinken deutlich.

Die Gegenreaktion (moderne Smartphones, verbesserte Systemsoftware, mehr Apps) konnte bisher noch nicht wirken. Zudem läuft sie nicht ganz problemlos, da sich das angekündigte neue Betriebssystem immer mehr verspätet. Außerdem ist es RIM auch nicht gelungen, dem iPad etwas entgegenzustellen.

Zuletzt wurde die Kritik vieler wichtiger Shareholder immer lauter. Das Gründer- und Führungsduo Mike Lazaridis und Jim Balsillie. Sie agierten gleichzeitig als Konzernchefs und als ihre eigenen Kontrolleure, da sie Vorsitzende des Verwaltungsrats waren. Großinvestoren forderten eine Trennung der Posten. Lazaridis und Balsillie haben nun reagiert und machen Platz für einen Nachfolger.

Neue Besen kehren gut

Der bisher fürs Tagesgeschäft zuständige Thorsten Heins ist nun der alleinige RIM-CEO. Der ehemalige Siemens-Manager ist seit 2007 bei RIM und versteht sich auf den Smartphone-Markt. Doch ob der Führungswechsel alleine schon ausreicht, ist vollkommen offen. Denn es ist nicht ausgemacht, dass RIM ein Managementproblem hat.

RIM hat auf das iPhone mit seinem Touchscreen so reagiert, wie das alle Unternehmen in einem reifen und kundengetriebenem Markt machen: "Unsere Kunden wollen so was nicht" lautet die Parole. Das ist nicht falsch, denn der typische RIM-Kunde ist ein IT-Entscheider aus einem Unternehmen und der hält Endkundengeräte für unsicheren Schund. Es ist aber auch nicht richtig, denn rund um iOS und Android sind in Windeseile Business-Anwendungen emporgeschossen, die dem Blackberry Konkurrenz machen.

Innovativ war RIM mit seinen Geräten und seiner Software zuletzt nicht mehr. Das liegt aber vermutlich weniger an Managementfehlern, als vielmehr an den eingebauten Beharrungskräften eines großen Unternehmens. Zur Falle wird solchen Unternehmen gerne, dass die Entscheidung für eine bestimmte Entwicklungsrichtung auf eine Einbahnstraße ohne Wendemöglichkeit führt.

Der Aufbruch in eine neue Richtung fällt schwer. Je größer das Unternehmen, desto größer muss ein Markt sein, um dort aktiv zu werden. Schließlich müssen tausende Mitarbeiter, zig Standorte und ein Haufen renditehungriger Shareholder finanziert werden. Das verführt Unternehmen häufig dazu, sehr lange auf die bisher bewährten Umsatzbringer zu setzen - zu lange für den ultradynamischen IT-Markt.

Thorsten Heins steht vor zwei Aufgaben: Die verbliebenen Kunden mit guten Produkten zu halten und den Rest mit innovativen Ideen zu beeindrucken. Keine leichte Sache in einem Markt, in dem sich die Gerätegenerationen im Jahrestakt abwechseln und einige Hersteller Halbjahreszyklen anzusteuern scheinen. Der Erfolg ist dem neuen RIM-Chef zu wünschen: Ein Doppelmonopol von Apple und Google dürfte die schlechteste Variante eines Smartphone/Tablet-Markts sein.

Bildquelle: RIM

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