02.05.2017 Passende Kandidaten finden

Heiß begehrtes IT-Personal

Von: Ina Schlücker

In Zeiten von Fachkräftemangel kommt es nicht nur ­darauf an, genau die passenden Kandidaten zu finden, sondern diese vor allem langfristig ans eigene Unternehmen zu binden.

Das Jobangebot ist für Fach- und Führungskräfte in Deutschland zum Jahresbeginn 2017 deutlich angestiegen.

Nicht wenige Branchenkenner erachten die aktuellen Digitalisierungsbestrebungen vieler Unternehmen als enormen Jobmotor für IT-Fachkräfte. Denn werden immer mehr Digitalprojekte aufgesetzt, benötigen die Verantwortlichen sowohl internes Know-how als auch externe Spezialisten, die je nach Bedarf hinzugezogen werden können.

Dass die Nachfrage nach IT-Experten steigt, bestätigt auch der jüngste Fachkräfteatlas von Stepstone. Demnach ist das Jobangebot für Fach- und Führungskräfte in Deutschland zum Jahresbeginn 2017 deutlich angestiegen. Im Januar hätten deutsche Unternehmen zehn Prozent mehr Jobs ausgeschrieben als im Vormonat. Laut Stepstone war das Jahr 2016 generell ein neues Rekordjahr für die Fachkräftenachfrage. So lag das Aufkommen an Jobangeboten 22 Prozent über dem Vergleichswert von 2015. Besonders dynamisch entwickelte sich die Nachfrage nach Pflegefachkräften, Fachleuten aus dem Bereich Personal und IT-Spezialisten, heißt es.

Während starke Arbeitgebermarken bislang weniger Schwierigkeiten hatten, geeignetes Fachpersonal zu rekrutieren als unbekanntere oder kleinere Unternehmen, bahnt sich momentan ein Wandel an: In einer Anfang April 2017 veröffentlichten Erhebung kamen die Analysten von Lünendonk & Hossenfelder zu folgendem Ergebnis: Treiber des hohen Bedarfs an externer Unterstützung und der Besetzung neuer Stellen ist neben der Digitalisierung auch die Tatsache, dass eine effektive Steuerung der internen und externen Personalbedarfe zu einem Wettbewerbsvorteil geworden ist. „Dieser Trend ist stark auf die immer kürzeren und schlecht planbaren Wirtschaftszyklen zurückzuführen“, betonen die Analysten. Inzwischen seien sogar Unternehmen mit starker Arbeitgebermarke immer seltener in der Lage, die erforderliche Zahl an Neueinstellungen passend zu den Projekt- und Personalbedarfen vorzunehmen. „Der Fachkräftemangel hat sich in diesem Zusammenhang für die Fach- und Personalbereiche zu einer negativen Konstante entwickelt“, erläutert Hartmut Lüerßen, Partner bei Lünendonk & ­Hossenfelder.

Wichtige Image-Pflege


Vor diesem Hintergrund gilt es für die Personalverantwortlichen und Führungskräfte, das eigene Image verstärkt aufzupolieren. Um den eigenen Ruf zu verbessern, sollte man im Rahmen von Bewerbungs- oder Rekrutierungsprozessen folgende Fragen positiv beantworten können: Wie hoch sind die Gehälter? Wie flexibel sind die Arbeitszeiten? Wie gestaltet sich die Work-Life-Balance? Wie steht es um die Unternehmenskultur? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es? Insbesondere der letzte Punkt kann für eine erfolgreiche Neueinstellung das Zünglein an der Waage sein. Denn glaubt man der im Auftrag der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) durchgeführten TNS-Infratest-Studie von Ende März 2017, spielt Weiterbildung für neue Arbeitnehmer eine große Rolle: Laut 71 Prozent der befragten HR-Manager wird das Thema für viele Bewerber bereits im Vorstellungsgespräch immer wichtiger.

Gleichzeitig geben 80 Prozent der insgesamt 300 befragten Personalverantwortlichen aus deutschen Unternehmen an, dass attraktive Weiterbildungsangebote das Arbeitgeber-Image stärken. Der Grund: Sie zeigen persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen im Unternehmen auf (83 Prozent), untermauern eine nachhaltige Personalstrategie (79 Prozent) und symbolisieren eine Firmenkultur des Lernens (77 Prozent). Ein weiterer Vorteil sei, dass sich Arbeitgeber so von der Konkurrenz abheben können (75 Prozent).

Gefragte Sicherheitsexperten


Wirft man einen Blick auf die ausgeschriebenen IT-Jobs, fällt auf, dass nach wie vor SAP-Spezialisten und Software-Entwickler gefragt sind. Daneben finden sich jedoch auch zunehmend neue IT-Berufsbilder in den Stellenanzeigen – wie „Data Scientist“ für die umfassende intelligente Datenanalyse oder Spezialisten für das Internet of Things, kurz IoT. Überdies sind IT-Sicherheitsspezialisten heiß begehrt. Glaubt man der Mitte Februar veröffentlichten Befragung des Centers für Cyber Safety und Education von über 19.000 Cyber-Sicherheitsexperten weltweit, werden in der IT-Sicherheitsbranche bis 2022 rund 1,8 Mio. Mitarbeiter fehlen. Dabei zeigen die Ergebnisse, dass 70 Prozent der Firmen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz (DACH) nicht über genügend Fachpersonal verfügen, um ihren Sicherheitsansprüchen gerecht zu werden.

Im Zuge der Befragung gaben 45 Prozent der Firmen an, der Mangel an IT-Sicherheitspersonal habe erhebliche Konsequenzen für ihre Kunden. Ein ähnlicher Prozentsatz warnt davor, dass dies zu Cyber-Sicherheitsverstößen führen könne. 37 Prozent der DACH-Unternehmen gehen im nächsten Jahr von einer Erweiterung ihrer Belegschaft um mehr als 16 Prozent aus, sehen sich dabei allerdings durch den Fachkräftemangel behindert. Die Daten geben Hinweis darauf, dass der Qualifikationsmangel mit einer schlechten Vorbereitung vieler Unternehmen auf die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einhergeht, die ab Mai 2018 ein obligatorisches 48-Stundenfenster zur Veröffentlichung von Datenschutzverletzungen vorsieht. Zudem geben 24 Prozent der Befragten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz an, dass ihre Unternehmen über acht Tage für die Behebung eines Schadens benötigen würden, sollten ihre Systeme oder Daten von Hackern kompromittiert werden – also bei weitem länger, als das verlangte Fenster zur Offenlegung von Datenschutzverletzungen vorsieht.

Wo bleiben die Jungspunde?


Nicht zuletzt ermittelte die Studie, dass die sogenannten „Millennials“ für die Behebung der Personallücke von entscheidender Bedeutung ist. Allerdings würden es Unternehmen versäumen, junge Fachkräfte einzustellen, da nur sechs Prozent der Befragten angeben, Hochschulabsolventen zu rekrutieren. Die Ergebnisse zeigen, dass derzeit nur 15 Prozent der Mitarbeiter in der DACH-Sicherheitsbranche unter 35 Jahre alt sind. In Deutschland seien sogar nur ein Prozent der Fachkräfte in der Informationssicherheit unter 30 Jahre alt.

Der Umfrage zufolge schlagen Arbeitgeber einem Großteil der Millennial-Generation die Tür vor der Nase zu und weigern sich, unerfahrene Anfänger anzustellen oder weiterzubilden. Nur sieben Prozent der Befragten gaben an, der größte Bedarf an neuen Mitarbeitern bestünde auf dem Einstiegslevel. Und 73 Prozent sagen, dass Vorerfahrung in Cyber-Sicherheit ein wichtiges Einstellungskriterium sei.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dies sind keine guten Vorzeichen für die künftige Entwicklung der IT-Sicherheit. Auch da weitere Studien die beschriebenen Entwicklungen bestätigen. So berichteten Forbes und andere Fachkreise, dass 74 Prozent der Arbeitsplätze im Bereich der Cyber-Sicherheit in den letzten fünf Jahren unbesetzt waren. Dabei geht der Sicherheitsanbieter Palo Alto Networks davon aus, dass dieser Prozentsatz voraussichtlich weltweit eher zu- als abnehmen wird. Vor diesem Hintergrund sollten Unternehmen ihre Fachkräfte nicht mehr nur aus dem Sicherheitsumfeld rekrutieren. Vielmehr seien Mitarbeiter gefragt, die anpassungsfähige technische Fähigkeiten besitzen, um innerhalb der Cyber-Sicherheit erfolgreich zu sein. Viele davon arbeiten derzeit in den Bereichen Cloud, Netzwerk, Virtualisierung und Mobiltechnologien, so Palo Alto. Auch diejenigen ohne spezifische Erfahrung im Bereich der IT- oder Netzwerksicherheit hätten die Fähigkeiten, um Sicherheitsexperten für verschiedene Technologien wie IoT, Mo­bility oder Virtualisierung zu werden.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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