Strategisches Ziel der Deutsche Börse Cloud Exchange, die 2013 von Maximilian Ahrens gegründet wurde, ist es, eine funktionierende IaaS-Handelsplattform zu erschaffen.
Cloud – als Geschäftsmodell an sich – war kein Novum auf der Agenda des Lambdanet-Forums, stellte Prof. Dr. Jens Böcker in seiner langjährigen Funktion als dessen Moderator fest.
Cloud-Infrastrukturen gibt es bald als handelbare Ware wie Wertpapiere, Energie oder Rohstoffe. Das ist ein spannendes Geschäftsmodell, an dem die Gruppe Deutsche Börse als Joint-Venture-Partner beteiligt ist. Diese Plattform wird eine Weiterentwicklung hin zu Standardisierung und neutraler Qualitätssicherung darstellen. Die in 2013 gegründete Deutsche Börse Cloud Exchange AG steht hinter dem ersten internationalen Handelsplatz dieser Art und wurde von Maximilian Ahrens, deren Chief Technology Officer, präsentiert.
Cloud – als Geschäftsmodell an sich – war kein Novum auf der Agenda des Forums, stellte Prof. Dr. Jens Böcker in seiner langjährigen Funktion als dessen Moderator fest. Allerdings wurde deutlich, dass immer wieder neue Entwicklungen seitens der Anbieter und neue Anforderungen seitens der Nachfrager erkennbar werden. Die Entwicklung von Cloud-Angeboten ist demnach als ein Entwicklungsprozess zu sehen, in dem sich die Angebote und Cloud-Einsatzmöglichkeiten zunehmend differenzieren.
Böcker unterstrich, dass Unternehmen, die frühzeitig neue Technologien aufgreifen, häufig erfolgreicher als ihre direkten Wettbewerber sind. Vor diesem Hintergrund sind Cloud-Lösungen als Kerntechnologie zu sehen: Sie bieten die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und existierende Prozesse zu optimieren, um Wettbewerbsvorteile für Unternehmen abzusichern. Besonders deutlich wird dies bei Software-as-a-Service-Angeboten (SaaS), bei denen sich ein stärkeres Zusammenspiel zwischen den Cloud-Anbietern, Netzbetreibern und den Lösungen nutzenden Unternehmen abzeichnet. Um sich hierbei im Markt erfolgreich zu positionieren, entwickeln Anbieter die Vermarktung von SaaS-Lösungen zunehmend zum Beratungsgeschäft.
Der Marktplatz der Deutsche Börse Cloud Exchange soll ein effizientes Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage kreieren. Maximilian Ahrens zeigte auf, dass eine solche Handelsplattform mit einer aggregierten Angebotsübersicht die Konfiguration und Beschaffung einer Cloud-Lösung vereinfachen wird. Die Basis-IaaS-Infrastrukturkomponenten (Compute, Memory und Storage) können über solch einen Marktplatz zentralisiert angeboten und zielgerichtet eingekauft werden. Bernino Lind, Chief Operations Officer von Cloudsigma, ebenfalls bei der Entwicklung der Plattform involviert, beschrieb den Ansatz folgendermaßen: „Man überführt Infrastructure-as-a-Service-Komponenten in sogenannte ‚commodities’, das heißt in transparent handelbare Waren. Die Börse fungiert hierbei als Standardisierungskatalysator.“
Deren CTO sieht genau in dieser gewünschten „Kommoditisierung“ mit neutral gesichertem Qualitätsstandard die zentrale Aufgabe und Verantwortung des Unternehmens. Über den Marktplatz der Deutschen Börse werden alle Markteilnehmer Cloud-Ressourcen miteinander handeln können. Dies erfolgt unter einheitlichen Rahmenbedingungen.
Die Übertragbarkeit von Daten zwischen Providern soll durch standardisierte Schnittstellen und Cloud-Management-Software ermöglicht werden. Dazu bedient sich die Börse einer Technologielösung des deutschen Softwareunternehmens Zimory, das zugleich Joint-Venture-Partner ist. Eine offene Schnittstelle zwischen den Infrastrukturen der Lieferanten und der potentiellen Kunden, der Cloud-Nutzer, wird bereitgestellt. Somit können aus Konsumentensicht verschiedenste Provider über eine Schnittstelle integriert werden.
Darüber hinaus soll durch das Konzept der wählbaren „Governing-Regions“, die mit Start des Marktplatzes Deutschland die EU und die USA einschließen, sichergestellt werden, an welchem Ort Daten gespeichert und verarbeitet werden. Die Kombination von Asset-Klassen und Parametern wie Standort oder Leistungsgrad der Ressourcen führt zu einer Vielzahl von Produkten. Kunden können auf den standardisierten Infrastrukturleistungen auch individualisierte Mehrwertleistungen erbringen, so z.B. eigene SaaS-Lösungen oder Desktop-as-a-Service (DaaS).
Ein „Over the Counter“-Handel (OTC) ermöglicht zudem einen noch höheren Individualisierungsgrad, das heißt Standardangebot und Kundenwunsch werden in einer Ausschreibung generiert. Der Marktplatz bietet neben dem Handel auch Zahlungsdienstleistungen an, die dafür Sorge tragen, dass die ordnungsgemäße Abwicklung der Bezahlung stattfindet. Zudem stellt er Monitoring-Tools zur Verfügung, um eine ordnungsgemäße Erbringung der Services zu überwachen.
Zentrale Grundvoraussetzung für die Marktakzeptanz und Erfolg dieser Börse wird eine Standardisierung der Leistung sein. Qualitätsvorgaben durch Service Level Agreements müssen von Lieferanten erfüllt werden, um an dem Spot Market teilnehmen zu dürfen. Der Tüv Rheinland ist als Projektpartner bei der Definition der Qualitätsmerkmale federführend. Lieferanten für die Verkäuferseite sind Cloud- und Hosting-Anbieter sowie IT-Service-Provider. Als Käufer kommen Enterprise-Kunden, die Cloud-Leistungen einsetzen, in Frage. Eine wichtige Zielgruppe sind SaaS-Anbieter, deren Geschäftsmodelle durch die Nutzung von Cloud-Dienstleistungen und Infrastrukturen ermöglicht werden.
Strategisches und ehrgeiziges Ziel der Deutsche Börse Cloud Exchange ist es, eine funktionierende IaaS-Handelsplattform zu erschaffen, die von Transparenz des Preis-Leistungs-Verhältnisses und schneller Verfügbarkeit lebt. Für die Provisionierung wird die Bereitstellung von dynamischer Bandbreite, um die Applikation herum, noch eine Herausforderung sein. Um dies darzustellen, werden Gespräche mit Carriern geführt, die entsprechende flexible skalierbare Produkte und hohe Netzkapazitäten haben.