Craig Haymann, General Manager für Cloud-Lösungen bei IBM: „Wir verfügen über Technologien, mit denen Unternehmen Datenschutzrichtlinien umsetzen können.“
Vor ein paar Jahren verkündete Big Blue noch das nahe Ende der E-Mail. Jetzt spricht Jeff Schick von der „Fortsetzung unserer Mail-Reise“. Schick ist Vice President für Social Software bei dem Anbieter. Und mit seiner Aussage weist er auf ein neues Angebot hin, das man in Orlando unter dem Arbeitstitel Mail Next präsentierte. Damit erhält der Nutzer ein Dashboard, in dem E-Mail- und Kalenderfunktionen zusammengefasst sind. Das Besondere: Die Software nutzt Analytics-Technik, um dem Anwender die Informationen und Nachrichten zur Verfügung zu stellen, die er für seine aktuelle Aufgabe gerade benötigt. Das System führt außerdem die Mails noch einmal gesondert auf, die beantwortet werden müssen.
Darüber hinaus finden Mail und Social Software zusammen. Nachrichten werden mit den Informationen der Absender verknüpft, die aus dem internen sozialen Netzwerk bekannt sind. Grundsätzlich möchte Big Blue damit dem Nutzer quasi einen persönlichen Assistenten für die Erledigung seiner digitalen Post an die Seite stellen. Dieser Assistent soll künftig noch intelligenter werden. Laut Schick ist geplant, Funktionen der Watson-Technologie einzubinden. Das Mail-Programm könnte dann zum Beispiel auch Termine für den Anwender planen.
Mail Next wird als Mail-Backend den Domino-Server nutzen. Das ist ein klares Bekenntnis zur Notes/Domino-Technologie, die bei dem Anbieter in den vergangenen Jahren aufgrund der Fokussierung auf Social Software in den Hintergrund getreten war. Schick will aber nicht ausschließen, dass das Mail-Programm irgendwann auch auf Microsoft Exchange laufen wird. Umgekehrt arbeitet IBM nach wie vor daran, dass sich neben Notes auch Outlook als Client für Domino nutzen lässt. Eine Reihe von Pilotkunden testen diese Integration bereits. Der Hersteller will Mail Next zunächst als Cloud-Service anbieten, eine On-Premise-Variante ist später geplant. Im zweiten Quartal soll eine Beta-Version der Software veröffentlicht werden. Ende des Jahres wird die Lösung dann generell verfügbar sein.
E-Mail ist für IBM ebenso wie Büroanwendungen und alle anderen Collaboration-Technologien mittlerweile ein Teil des Social Business. Daher fasst Big Blue nun E-Mail, Chat, Meetings, Office-Software und Content-Funktionen unter der Marke Connections zusammen, die bisher nur für die Social-Software-Plattform verwendet wurde. Dieses Portfolio soll außerdem durch HD-Videotechnik auf Basis von Sametime noch erweitert werden. Die Anwender verfolgen bereits Ansätze, alle Collaboration-Programme in einer Anwendung zusammenzubringen. So hat zum Beispiel das Schweizer Chemieunternehmen Sika ein Portal aufgebaut, das laut Edwin Meier als „digitaler Workplace“ dienen soll. Für den Nutzer stehen dort E-Mail, Chat, Kalender, Webkonferenzen und Connections-Funktionen bereit. Meier ist Head of Application Services bei Sika Informationssysteme, dem firmeneigenen IT-Dienstleister.
Social Software wird nach den Plänen des Anbieters künftig auch das Personalwesen voranbringen. So werden Connections-Funktionen in die Talent-Management-Suite Kenexa integriert, die Big Blue vor eineinhalb Jahren übernommen hat. Führungskräfte sollen ihre Teams damit besser managen können, während die Mitarbeiter im sozialen Netzwerk Experten finden können, um sich weiterzubilden. Kenexa lässt sich ebenfalls um Watson-Technik erweitern. Damit können Unternehmen dann Daten verwerten, die von Watson zu einzelnen Mitarbeitern gesammelt und analysiert werden. Dazu zählen etwa die Berufserfahrung, die Entwicklung bestimmter Fähigkeiten oder persönliche Eigenschaften. Damit lassen sich laut Hersteller nicht nur die richtigen Leute besser für die passenden Positionen finden, sondern das Personal auch zielgerichteter weiterbilden. Dank Watson sei es zudem möglich, Trends innerhalb der Belegschaft zu erkennen und sogar vorherzusagen.
In Deutschland werden solche Möglichkeiten sicherlich auch die Betriebsräte interessieren. Deshalb will der Anbieter vor allem europäischen Bedenken in Sachen Datenschutz entgegentreten. Man verfüge über Technologien, mit denen Unternehmen Datenschutzrichtlinien umsetzen können und die auch beim HR-Einsatz von Watson zum Einsatz kommen könnten, antwortet Craig Haymann, General Manager für Cloud-Lösungen bei IBM, auf entsprechende Fragen. „Die Datenanalyse dient dazu, Mitarbeiter produktiver zu machen, und nicht, um sie auszuspionieren“, ergänzt Jonathan Ferrar, Vice President für das Thema Smarter Workforce.
Bildquelle: Strehlitz