Jörg Rosengart ist Geschäftsführer von Equinix Deutschland.
IT-Verantwortliche verzeichnen den Status quo mit Stolz: Immer schneller geht es in den Rechenzentren zu, immer leistungsfähiger werden die installierten Server- und Speichersysteme sowie das eingesetzte Netzwerkequipment. Allerdings ist, wie fast immer bei Neuerungen, auch hier ein gehöriger Preis zu zahlen – und der resultiert nicht nur aus den Anschaffungskosten für neue Hardware.
Moderne IT-Infrastrukturen sind wahre Stromfresser. So verursachen inzwischen Server, Speicherlösungen und Co. in den Rechenzentren die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs. Die andere Hälfte wird für die benötigte Infrastruktur wie unterbrechungsfreie Stromversorgung, Stromverteilung, Kühlung oder Brandschutz benötigt. Auf der Suche nach Einsparpotentialen rückt daher die Energieeffizienz in den Vordergrund. Gefordert sind dabei aber nicht nur Hardwarehersteller, denen es obliegt, Geräte mit niedriger Energieaufnahme, optimiertem Kühlungsbedarf und Stromspartechniken zu realisieren. Auch die RZ-Betreiber und Colocation-Anbieter müssen ihren Teil dazu beitragen, dass die Energieeffizienz steigt und dadurch der CO2-Fußabdruck der IT-Branche sinkt. Der erste Schritt ist die Konsolidierung. Es ist schlichtweg effizienter, statt vieler kleiner Rechenzentren zentrale große Data Center zu nutzen. Dies rückt die einzelnen Komponenten einer IT-Infrastruktur näher zusammen und gibt die Möglichkeit, den Einsatz umweltfreundlicherer Technologien in großem Maßstab zu realisieren.
Der operative Betrieb eines Rechenzentrums mit möglichst hoher Energieeffizienz erfordert umfassende Maßnahmen. Dazu gehören etwa der Austausch veralteter Geräte und die ökonomische Gestaltung des Innenraumes, damit die Klimatisierung energieeffizient stattfindet. Trotzdem nutzen viele Betreiber vergleichsweise kleine Gebäude, die in ihrer Konzeption baulich und versorgungstechnisch nicht auf den RZ-Betrieb ausgelegt sind. Dabei sind neben dem Design mit der Anordnung der Server und Geräte der Klimaanlage insbesondere die optimale Verteilung der Versorgungseinheiten und die Verkabelung wichtig.
Zur optimierten CO2-Bilanz trägt weiterhin eine Optimierung der Kühlung bei. So erlaubt die Kaltgangeinhausung eine strikte Trennung der Warmluft- von den Kaltluftbereichen, was Verwirbelungen und damit die Vermischung von warmer Ab- und kalter Kühlluft vermeidet, wodurch der Energieverbrauch sinkt. Im Idealfall sind die Kaltgänge vollständig mit kalter Luft gefüllt, während die warme Luft nach oben über die Serverschränke hinwegströmt und zu den Klimageräten zurückgeführt wird. Ein weiteres Einsparpotential liefert der flexiblere Einsatz von Klimatisierungslösungen. Denn heutige IT-Geräte können bei höheren Temperaturen als früher betrieben werden – waren früher 18 bis 20 Grad üblich, funktioniert heutiges Equipment auch bei Temperaturen von 25 Grad einwandfrei. Dies eröffnet die Option zur freien Kühlung, bei der energieintensive Klimasysteme nur dann einspringen, wenn die Umgebungstemperatur einen bestimmten Wert überschreitet.
Kein Weg wird in Zukunft an Brennstoffzellen vorbeiführen: Brennstoffzellenanlagen erzeugen wie traditionelle Blockheizkraftwerke Strom, Wärme und Kälte – dies aber im Vergleich lautlos und durch die direkte Umsetzung der chemischen Energie in elektrische Energie weitaus effizienter. Sinniger Nebeneffekt beim Einsatz der Brennstoffzellen: Die saubere, sauerstoffarme Kathodenabluft lässt sich in vielen Bereichen des RZ zum Brandschutz verwenden.